Es ist eigentlich die schönste Form von Altersmilde und Humor, wenn ein Urgestein wie Jürgen Gosch mit 84 Jahren nicht etwa die Hände in den Schoß legt, sondern sie stattdessen im Takt eines US-Rappers als menschliche Waagschale in die Luft hebt. In einer Zeit, in der das Marketing oft bis zur Unkenntlichkeit glattgebügelt wird, wirkt Jünne in diesem Clip wie ein herrlich authentischer Ankerpunkt. Er muss niemandem mehr beweisen, dass er der König der Krabben ist, und genau diese Souveränität erlaubt es ihm, sich mit einer entwaffnenden Liebenswürdigkeit auf das Terrain der Teenager zu begeben.
Dass er den „6 7“-Trend aufgreift, ist im Grunde eine wunderbare Hommage an seine eigene Lebensleistung. Während die Jugend den Move als provokante Geste aus der Rap-Szene nutzt, verwandelt Jünne ihn mit einem Augenzwinkern in ein Symbol für das Jahr 1967 – das Geburtsjahr seines Imperiums. Es hat etwas zutiefst Menschliches und Sympathisches, wie er dort in einer seiner Filialen steht, die Fischteller balanciert und dabei zeigt, dass man auch mit über acht Jahrzehnten auf dem Buckel noch neugierig auf das bleibt, was die Welt gerade bewegt. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, und genau das macht ihn zu diesem tollen Menschen, den die Leute seit Generationen schätzen.
Man spürt förmlich die Freude daran, die starren Erwartungen an einen erfolgreichen Geschäftsmann zu durchbrechen. Es ist eben kein angestrengtes „Auf-Jung-Machen“, sondern eher ein herzliches „Ich-mach-den-Spaß-einfach-mit“. Jünne Gosch beweist damit eine emotionale Intelligenz, die weit über Verkaufszahlen hinausgeht: Er verbindet die Welten. Dass die ältere Generation vielleicht im ersten Moment stutzt, geschenkt – das Original vom Lister Hafen steht über den Dingen. Er bleibt das Gesicht von Sylt, das mit einer Prise Selbstironie und einer großen Portion Herzlichkeit zeigt, dass Tradition und ein moderner Teenie-Trend sich nicht ausschließen müssen, solange man sie mit so viel Charme serviert wie ein frisches Fischbrötchen.




