Wer behauptet, Windsurfer seien entspannte Langschläfer, wurde beim Summer Opening Sylt am gestrigen Samstag eines Besseren belehrt. Skippersmeeting um 7:00 Uhr morgens! Zu einer Zeit, in der sich der geneigte Sylt-Urlauber im warmen Hotelbett genüsslich auf die andere Seite dreht, standen die Athleten bereits in voller Montur am Brandenburger Strand. Der Grund für die unchristliche Uhrzeit? Der launische Nordseewind hatte freundlicherweise nur ein sehr schmales Fenster für taugliche Foiling-Bedingungen angekündigt.
Der einsame Wolf an der Spitze
Wenn es aktuell jemanden gibt, dem die Bedingungen scheinbar völlig egal sind, dann ist das Fabian Wolf. Der Kieler dominierte Tag 3 derart, dass es fast schon unheimlich ist. Sechs Wettfahrten, sechs Siege. Manchmal deklassierte er die Konkurrenz mit fast einem ganzen Schenkel Vorsprung – was im Fachjargon so viel bedeutet wie: Er hätte zwischendurch auf dem Board noch entspannt einen Kaffee trinken können. Mit gerade einmal 4,2 Punkten nach neun Rennen (und zwei gestrichenen zweiten Plätzen!) thront er unangefochten an der Spitze. Man munkelt, die Konkurrenz surft mittlerweile nur noch um den inoffiziellen Titel des „Best of the Rest“.
Aufholjagden und charmante Stürze
Diesen Titel beansprucht aktuell Lars Poggemann für sich. Nach einem ziemlich verkorksten Start in die Regatta fand er am Samstag endlich sein Mojo wieder. Mit beeindruckenden fünf zweiten Plätzen in den sechs Läufen katapultierte er sich aus dem Tabellenkeller direkt auf den Silberrang.
Dicht auf den Fersen ist ihm Anton Richter. Er konnte zwar nicht ganz an seinen fulminanten Auftakt (inklusive Laufsieg) anknüpfen, sammelte aber beständig Top-5-Platzierungen wie andere Leute Treuepunkte. Auch Keno Recke surfte sich am Samstag den Frust der ersten Tage von der Seele und sicherte sich den vierten Platz im Gesamtklassement.
Im Youngster-Duell um Platz 5 bewies Paul Regber derweil unfreiwillig, dass kurz vor dem Ziel noch lange nicht Schluss ist. Ein eleganter Sturz direkt vor der Ziellinie kostete ihn wertvolle Punkte und überließ Junior Mika Henning großzügig die Nase vorn. Das nennt man wohl sportliche Gastfreundschaft.
Nachdem die Foiling-Rennen im Kasten waren, frischte der Wind unerwartet auf. Große Aufregung am Strand, eiliger Materialwechsel – endlich Fin Slalom! Doch die Nordsee hat bekanntlich einen ausgeprägten Sinn für Humor: Pünktlich als alle Rider startklar auf dem Wasser waren, beschloss der Wind, dass es jetzt reicht, und verabschiedete sich ins Wochenende.
Die Regattacrew zauberte daraufhin kurzerhand einen „Funrace“-Minikurs in den letzten verbliebenen Windstreifen am Ufer. Anton Richter sicherte sich hier souverän den Sieg vor Lena Schmäh und seinem Bruder Leo. Für die offizielle Rangliste war dieser Lauf natürlich völlig irrelevant, fürs Ego der Fahrer nach dem frühen Aufstehen aber unbezahlbar.
Hoffen auf Pfingsten
Ob die Nordsee an den letzten beiden Veranstaltungstagen noch eine Böe aus dem Hut zaubert, bleibt abzuwarten; die Prognosen sind eher nordisch-unterkühlt. Wer vom Daumendrücken erschöpft ist, kann das Geschehen auf dem Wasser aber ohnehin wunderbar ignorieren und sich auf der Promenade bei einer Yoga-Session verbiegen, kühle Getränke degustieren oder die neuen VW California Modelle bestaunen. Träumen darf man ja – vielleicht vom nächsten Laufsieg. Bis Pfingstmontag läuft das Spektakel noch.
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