Keitum/Inselweit – Wenn die Sölring Foriining zum Newsletter bittet, dann schwingt immer eine ordentliche Portion Herzblut mit – und diesmal auch ein mahnender Zeigefinger, der so norddeutsch-direkt ist wie eine steife Brise am Ellenbogen. In der aktuellen Ausgabe von „WAT NIIS“ macht die Vorsitzende Maren Jessen nämlich klar: Unsere Sprache, das Sölring, ist kein museales Ausstellungsstück, sondern ein lebendiges Erbe, das wir gerade ein bisschen zwischen Immobilienpreisen und Alltagstrott zu verlieren drohen.
Zwischen Erbschaftssteuer und Sprachschatz
Man muss es mal so deutlich sagen: Während wir uns oft (und zu Recht!) über die Mieten und den Ausverkauf der Insel echauffieren, vergessen wir manchmal, was uns eigentlich im Kern zusammenhält. Die Foriining stellt fest: Auf Föhr und Amrum ist das Friesische noch Ehrensache – bei uns auf Sylt wurde es oft aus purer Höflichkeit gegenüber den Gästen ins stille Kämmerlein verbannt. Dabei macht Mehrsprachigkeit laut Maren Jessen sogar schlau! Wer also demnächst mal wieder ein herzliches „Gur Dai“ über den Gartenzaun schmettert, tut nicht nur was für die Kultur, sondern auch fürs Köpfchen.
Architektur mit Verstand und ein Zauberkasten
Dass wir auf Sylt nicht nur reden, sondern auch bauen (manchmal vielleicht sogar zu viel), war Thema beim letzten Sölring Forum. Die Architekten Birte und Tim Volquardsen warben für mehr Mut und Nachhaltigkeit – weg vom „Höher-Schneller-Teurer“, hin zu mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Wer wissen will, wie man das, was wir schon haben, rettet, sollte sich den 14. Juli vormerken: Dann öffnet der Restaurator Shandor Hayde seinen „Zauberkasten“ im Sylt Museum.
Museumstag & Eiszeit im Sommer
Wer am kommenden Sonntag (17. Mai) noch nichts vorhat: Es ist Internationaler Museumstag! Von 11 bis 17 Uhr stehen die Türen vom Sylt Museum bis zum Denghoog sperrangelweit offen – und das Beste: Der Eintritt kostet keinen Cent. Es gibt Wolle, Keramik und (bei trockenem Wetter) die Kindertrachtengruppe, die zeigt, dass Tradition bei uns glücklicherweise noch lange keine grauen Haare hat.
Und für alle, denen bei der aktuellen Maisonne schon wieder zu warm ist: Am 19. Juni eröffnen wir die Ausstellung „Sylt on Ice“. Der Maler Christopher Lehmpfuhl hat sich im letzten Winter bei Eiseskälte mit Eimern voll Farbe an den Strand gestellt. Das Ergebnis? Kunst, die einen frösteln lässt – auf die schönste Art und Weise.
Ein Vorbild in Sachen Fleiß: Erika Jessen
Ein besonderes Highlight im aktuellen Heft ist das Porträt von Erika Jessen. Seit 2003 wirbelt sie an Webstuhl und Spinnrad. Wenn sie nicht gerade im Museum Schafwolle wäscht, beackert sie ihren 360 Quadratmeter großen Schrebergarten. Man fragt sich fast, wann die gute Frau eigentlich schläft, aber wahrscheinlich gibt die Sylter Luft einfach diese extra Portion Energie. Ihre handgewebten Einzelstücke gibt es übrigens exklusiv im Museumsshop – ein Tipp für alle, die noch ein Mitbringsel suchen, das nicht „Made in Fernost“ ist.
Unser Fazit: Die Sölring Foriining ist und bleibt das Gewissen unserer Insel. Ein bisschen mehr Friesisch im Alltag und ein Besuch im Museum schaden keinem von uns – und wer weiß, vielleicht schneiden wir dann auch seltener „Streifen aus dem Leder anderer“, wie es ein altes Sölring-Sprichwort so schön sagt.
Lust bekommen? Den kompletten Newsletter und die Möglichkeit zur Unterstützung (Zeit oder Geld werden immer gern genommen!) gibt es unter soelring-foriining.de.
Inhaltsverzeichnis
ToggleÄhnliche Beiträge:
Sölring Foriining – Sylter Kulturbotschafter erneuert sich im World Wide Web
WAT NIIS: Neues von der Sölring Foriining – April 2026
Inselfokus 2026: Warum die Sölring Foriining das wahre Rückgrat von Sylt bleibt
Sylts „Kümmerer vom Dienst“: Warum wir die Sölring Foriining dringender brauchen als ein Fischbrötchen
