Ich habe lange gezögert, dieses Buch zu schreiben. Nicht weil mir der Stoff gefehlt hätte — sondern weil Sylt mein Zuhause ist. Mein Elternhaus steht hier. Meine Familie ist hier, in der Erde, in der Luft, in den Gedanken einiger Menschen, die sich noch erinnern. Wer über so einen Ort schreibt, trägt eine Verantwortung, die sich nicht wegdiskutieren lässt.
Also habe ich gewartet, bis ich wusste wie.
Die Antwort war: nicht ich spreche. Die Insel spricht.
Hier das gesprochene Vorwort…
Bücher über Sylt?
Es gibt Bücher über Sylt. Zu viele, ehrlich gesagt. Sonnenuntergänge, Strandkörbe, Kampen im Herbst. Liebesromane. Krimis. Das alles hat seinen Platz. Aber irgendwann wollte ich verstehen, nicht nur beschreiben. Also habe ich recherchiert — Archive, Gespräche, Orte, die auf keiner Tourismuskarte stehen. Habe auf dem Friedhof der Heimatlosen gestanden. Habe in den Dünenl gesessen bis es dunkel wurde. Habe Dinge über diese Insel gelernt, obwohl ich hier aufgewachsen bin. Das ist das Merkwürdige, wenn man zu nah dran ist: man hört irgendwann auf zu schauen.
Was dabei entstanden ist, sind 248 Seiten — DIN A5, ein kleiner Wälzer — in denen Sylt selbst spricht. In der ersten Person. Als achttausend Jahre altes Wesen, das zugesehen hat, wie Dörfer im Schlick versanken, wie Walfänger nicht zurückkamen, wie aus einem Küstenstreifen das teuerste Pflaster Deutschlands wurde. Keine Klage, keine Nostalgie. Die Stimme von jemandem, der alles schon gesehen hat und sich deshalb keine Übertreibungen mehr leistet. Ohne Emotionen. Eine Insel kennt sie nicht.
„Ich bin keine Postkarte. Ich bin eine Tatsache aus Salz, Sand und unendlicher Geduld.“
99 Orte. Keine Sehenswürdigkeiten.
Das Buch führt an 99 Plätze — vom Ellenbogen bis Hörnum, von der Blidselbucht bis zum Friedhof der Heimatlosen. Manche kenne ich seit der Kindheit. Manche habe ich erst durch dieses Projekt wirklich gesehen, obwohl ich hundert Mal daran vorbeigegangen bin.
Nick Bosch hat fotografiert — mit dem Blick, den ich an ihm schätze: kein Warten auf das erwartbare Licht, sondern auf das ehrliche. Lotte Dänner hat daraus Illustrationen gefertigt, die manchmal mehr sagen als meine Texte. Ich meine das nicht als Bescheidenheit.
Ob es ein Reiseführer ist? Vielleicht. Ob es Literatur ist? Das entscheiden andere. Für mich ist es der Versuch, einer Insel gerecht zu werden, die ich nicht besitzen kann — die mich aber mein ganzes Leben nicht losgelassen hat. Und umgekehrt.
Subskription: für die, die nicht warten wollen
„Söl. Ich.“ erscheint am 10. Juni. Wer sich jetzt einträgt, bekommt das Buch vor dem Buchhandel — für 19,90 Euro, mit einem Siegel, das es danach nicht mehr gibt.
Ich hoffe, die Insel ist einverstanden.
„Söl. Ich.“ — 248 Seiten, DIN A5. Texte: Alex Lenz. Fotografie: Nick Bosch. Illustrationen: Lotte Dänner. Subskriptionspreis 19,90 €. Auslieferung ab dem 10. Juni. Bestellung unter alexlenz.de und bald natürlich auch im Sylt1 Shop.
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