Westerland – Wer am Wochenende im Sportzentrum war, brauchte definitiv Herztropfen oder zumindest verdammt gute Nerven. Unsere D2-Junioren vom Team Sylt II hatten den Tabellenzweiten vom Festland, die SG Leck/Achtrup/Ladelund II, zu Gast. Die reisten zwar mit schmalem Gepäck und exakt sieben Spielern an, machten den jungen Insulanern das Leben aber von der ersten Sekunde an richtig schwer. Was folgte, war eine Zitterpartie, die man so schnell nicht vergessen wird – ein Spiel, das alles hatte, was diesen Sport so liebenswert macht.
Das Drama nahm früh seinen Lauf, als die Gäste durch einen unhaltbaren Freistoß in Führung gingen. Doch wer glaubte, unsere Jungs würden jetzt die Köpfe hängen lassen, sah sich getäuscht. Quasi im direkten Gegenzug – in der 3. Minute – hämmerte Leonis Salihi den Ball zum vielumjubelten 1:1-Ausgleich in die Maschen.
Dann allerdings folgte eine Phase, die dem Sylter Trainer auf der Bank graue Haare beschert haben dürfte. Binnen zwei Minuten (4. und 5. Minute) nutzten die eiskalten Festländer zwei fatale Abspielfehler der weit aufgerückten Sylter eiskalt aus. Plötzlich stand es 1:3. Das hatte kurzzeitig etwas von Handball-Tempo und es schwante einem nichts Gutes. Aber Aufgeben? Ist nicht auf Sylt. Das Team schüttelte sich, warf das Kämpferherz in die Waagschale und belohnte sich noch vor der Pause: Erneut war es der bärenstarke Leonis Salihi, der in der 20. Minute auf 2:3 verkürzte. Mit diesem Hoffnungsschimmer ging es in die Kabine.
Hochmotiviert kamen die Sylter Jungs wieder auf den Rasen – und wurden prompt eiskalt ausgekontert. In der 31. Minute traf die SG zum 2:4. Doch an diesem Nachmittag war einfach alles möglich. Jimmy Kohl setzte zu einem sensationellen Solo auf der rechten Außenbahn an, behielt die Übersicht und flankte maßgenau nach innen, wo erneut Leonis Salihi lauerte und mit seinem dritten Treffer den lupenreinen Hat-Trick und die Sylter Hoffnung perfekt machte (39.).
Es blieb eine Achterbahnfahrt der Gefühle. In der 55. Minute der nächste Dämpfer: Ein eigentlich weiter Abschlag unseres ansonsten wirklich guten Keepers landete unglücklich beim Gegner, der den Konter zum 3:5 setzte. Noch fünf Minuten auf der Uhr.
Zwei Minuten vor dem Ende zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt – Strafstoß für Sylt! Keno Avenscroft Bullen schnappte sich das Leder und verwandelte in der 58. Minute eiskalt zum 4:5. Jetzt brachen alle Dämme. Die Sylter warfen in den letzten Sekunden absolut alles nach vorne. Fast wäre das ins Auge gegangen und die Gäste hätten den Sack zugemacht, doch unser Torwart Serfling verhinderte mit einer großartigen Parade den sechsten Gegentreffer und hielt seine Mannschaft im Spiel.
Und dann lief bereits die allerletzte Minute. Der Ball flog noch einmal nach vorne, Chaos im Strafraum, und da stand Jimmy Kohl goldrichtig und drosch den Ball zum 5:5-Ausgleich über die Linie! Was danach im Sportzentrum los war, lässt sich kaum beschreiben – purer, kollektiver Jubel über einen absolut verdienten und heroisch erkämpften Punkt.
Was für ein grandioser Fußballtag für die jungen Insulaner! Dieses Spiel hat gezeigt, dass man mit Teamgeist, Mut und ganz viel Sylter Herz auch gegen die Top-Teams der Liga niemals abschreiben darf. Jungs, wir sind stolz auf euch!





