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Seckler und Gosch – Sylter Schwergewichte 100 Millionen Umsatz

Seckler und Gosch

In diesem Sylt News Artikel

In unserem vorherigen Artikel haben wir über Öger Akgün berichtet, der mit seiner kleinen, aber hoch angesehenen Unternehmensgruppe zu einem bedeutenden Arbeitgeber auf der Insel aufgestiegen ist. Doch die wahren Schwergewichte der Sylter Gastronomie sind zweifelsohne Jürgen Gosch und Herbert Seckler. Passend zur Ehrung des Lebenswerkes von Herbert Seckler am Montag hier nun unser Beitrag zu den wohl markantesten Unternehmern der Insel Sylt.

Entdecke das Erfolgsgeheimnis der Sansibar auf Sylt

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Zusammen erwirtschaften ihre Firmen einen Umsatz von über 100 Millionen Euro pro Jahr. Während der eine mit einem Schildbürgerstreich sein Imperium aufbaute, hat der andere es geschafft, die Schönen und Reichen mit einem Kiosk anzulocken.

Die Jürgen Gosch Story - "Sylt und der Fischkönig" produziert von Sylt1 TV

Die authentische Fischsuppe

Einst gab es da einen gewieften Geschäftsmann der schnell erkannte, dass Touristen am Lister Hafen lediglich Krabben kaufen konnten. Geräucherter Aal war nicht im Angebot. Mit einer Investition von 40 Mark in seinen Bauchladen verkaufte er 50 Aale, die er sich in Husum besorgt hatte. Die Investion war wieder drin und ein satter Gewinn dazu. Sein Ehrgeiz war geweckt, und er hegte eine weitere Idee. In den späten 60er Jahren waren Touristen nicht so zahlreich wie heute, aber die wenigen, die kamen, sehnten sich nach leckeren Fischbrötchen.

Leider funktionierte das nicht mit seinem Bauchladen, mit dem er mittlerweile über die ganze Insel zog. Das deutsche Gesetz schrieb vor, dass der Verkauf von Brötchen nur an einem eigenen Stand erlaubt war. Daher suchte dieser Unternehmer, der ursprünglich als Maurer auf die Insel kam, nach einer Verkaufshütte und eröffnete diese im Jahr 1972 am Lister Hafen. Neben ihm befand sich ein Konkurrent, der ebenfalls Fischbrötchen und Aale verkaufte. Es wurde ein Kampf bis aufs Blut und dann wann gab es mehr als rhetorische Auseinandersetzungen. Am Ende gewann unser Maurer das ungleiche Duell.

Sein Geschäft lief gut, denn seine witzigen Sprüche sorgten für allgemeine Heiterkeit, und Gäste sowie Einheimische trafen sich, um zu plaudern. Um die Stimmung zu steigern, gab es gelegentlich den ein oder anderen Schnaps zur Verdauung. Das gefiel jedoch der Hafenpolizei nicht, und ihm wurde der Schnapsverkauf untersagt. Ohne Konzession war der Verkauf nicht möglich, und die Aussicht auf eine solche Konzession war unsicher. Für einen aufstrebenden Gastronomen war das ein harter Schlag. Aber unser Fischbrötchenverkäufer ließ sich nicht entmutigen. Am nächsten Tag bot er stattdessen eine Fischsuppe an, genauer gesagt seine Version der „authentischen Fischsuppe“.

Die Zutaten waren einfach: Korn, etwas Zitronenbrause und ein oder zwei Krabben. Von diesem Tag an wurde die kleine Fischbrötchenhütte in List zum beliebten Treffpunkt. Die Konzession erhielt er, nachdem er dem Gemeinderat bei einer Sitzung einige Suppen zum Probieren serviert hatte. Diese Geschichte dürfte vielen bekannt sein. Sie handelt von Jürgen Gosch. Aus der simplen Fischsuppe hat sich etwas Unglaubliches entwickelt. Ende der 70er Jahre begann der Name „Gosch Sylt“ zur Marke zu werden und eroberte ganz Deutschland. Die Expansion auf das Festland hatte jedoch nicht nur kommerzielle Gründe. Viele seiner Mitarbeiter waren spätestens ab Oktober nicht mehr zu beschäftigen.

Expansion – Das Fischbrötchen erobert Deutschland

Zu dieser Zeit steckte der „Ganzjahrestourismus“ noch in den Kinderschuhen. Jürgen Gosch wählte daher den Weg über den Hindenburgdamm und eröffnete Filialen an verschiedenen Standorten außerhalb der Insel. Er wollte seine Mitarbeiter nicht arbeitslos machen. Selbst auf der Kurpromenade in St. Peter Ording findet sich ein Restaurant mit dem Schild „GOSCH SYLT“, was eine gewisse Ironie nicht entbehrt. Seine soziale Ader und die Tatsache, dass er mit über 80 Jahren immer noch in seinen Betrieben arbeitet, haben dazu geführt, dass niemand auf der Insel ein schlechtes Wort über ihn verliert, auch wenn die Sylter selbst seine Restaurants eher selten besuchen.

Was Gosch und Seckler verbindet, ist ihre Liebe zum Meer. Auch Gosch Sylt betreibt ein Strandrestaurant in Wenningstedt, direkt in den Dünen. Getreu dem Motto „Meinen Laden verkaufe ich nicht, aber meinen Namen“ hat er zahlreiche Franchiselizenzen vergeben. Im Jahr 2020 waren es 35.

In den letzten Jahren ist Gosch Sylt zu einem der größten Systemgastronomen in Deutschland gewachsen. Jürgen Gosch erzielte 2019 mit seinem Unternehmen einen Umsatz von über 85 Millionen Euro. Das entspricht etwa 21 Millionen Fischbrötchen pro Jahr. Was auch immer Jürgen Gosch in Angriff nimmt, wird zu Gold, abgesehen von seinem Nobelrestaurant „Jünne“, das aufgrund von Personalmangel vorübergehend geschlossen werden musste und erst im März 2003 wieder eröffnet wird.

Die Coronakrise hat die Unternehmensgruppe vergleichsweise unbeschadet überstanden, obwohl Ende 2020 ein Umsatzverlust von 20 Millionen Euro zu verzeichnen war. Am Lister Hafen hatte nur ein kleiner Imbisswagen auf, aus dem heraus Fischbrötchen verkauft wurden. Es war beinahe so, wie Anfang der 70er Jahre. Apropos 20 Millionen…

Die Säbel und die Bentleys

Wenn Sie durch irgendeine deutsche Stadt fahren, sei es München oder Hamburg, stehen Sie mit Sicherheit an einer Ampel neben einer Luxuslimousine, auf deren Heck gekreuzte Säbel auf schwarzem Grund prangen. Dort steht „Sansibar“ unter den Säbeln. Hierbei handelt es sich nicht um die gleichnamige Inselgruppe vor Tansania, sondern um den Restaurant-Kiosk in den Dünen von Rantum. Aber warum kleben sich Gutverdienende das Logo eines Kiosks auf ihr Auto an das sonst nur Eselmilch und Angorafell kommt?

Kiosk und Fischbude als wertvolle Marke

Das/die (wir sind uns da nicht ganz sicher) Sansibar dürfte in Bezug auf den Markennamen noch wertvoller sein als Gosch Sylt. Wenn Gosch Microsoft wäre, wäre Sansibar Apple. Abgesehen davon, dass beide klein angefangen haben, unterscheiden sie sich in Image und Geschäftskonzept. Gosch hat sich zum Massenprodukt entwickelt und entspricht eher der Systemgastronomie. Der Sansibar-Chef Herbert Seckler hingegen zielt mehr auf die Oberschicht oder solche, die sich dafür halten. Das Piratenlogo hat er nicht ohne Grund gewählt. Als Kunden über die Preise meckerten, erklärte er, dass auf Sylt eben Piraten seien. Daher schien das Kreuzen von Piratensäbeln als Logo naheliegend. Es gab sogar einen Streit darüber, den Herbert Seckler 2003 geschickt schlichtete. Denn die Porzellanmanufaktur Meissen verwendete ein ähnliches Logo bereits seit dem 18. Jahrhundert. Letztendlich einigte man sich darauf, dass Meissener Porzellan in Produktentwicklungen der Firma Sansibar verwendet werden konnte.

Es ist faszinierend, diesen Ort zu betrachten. Eigentlich handelt es sich um einen Strandkiosk mit einigen Bierbänken vor der Tür und den obligatorischen Strandkörben. Dennoch ist es nahezu unmöglich, spontan einen Tisch für das Abendessen zu bekommen. „Man müsste sich schon vorher darum bemühen“, heißt es. 1977 übernahm der ausgebildete Koch Seckler den Strandkiosk für 250.000 Mark und verkaufte Pommes aus der Hütte heraus. Im ersten Jahr erwirtschaftete er einen Umsatz von 80.000 Euro, was heute wahrscheinlich einem schlechten Tagesumsatz entspricht. Damals handelte es sich um eine kleine Bretterbude von drei mal drei Metern, ohne Grundstück. Dieses kaufte er Anfang der 80er Jahre, als die Bundesregierung es verkaufen wollte. Der nächste Schritt war der Ausbau der kleinen Bretterbude zu einem Restaurant. Aber der Traum platzte im Juli 1982, als ein Brand die Existenzgrundlage vernichtete, und von der Hütte blieb nur Asche übrig. Ohne Versicherung stand Seckler vor dem Ruin. Doch mit viel Verhandlungsgeschick gelang es ihm, seine Gläubiger zu beschwichtigen. Danach ging es steil bergauf. Die ersten Prominenten kamen, und mit ihnen der Erfolg. Das war erstaunlich, denn Rantum galt eher als Durchgangsstation auf dem Weg nach Hörnum.

Wie es ihm gelungen ist, ist kein Geheimnis: Perfektion. Sowohl das Essen als auch der Wein erfüllen höchste Ansprüche. Es gibt eine 18-Liter-Flasche Wein für 25.000 Euro, die im kühlen Weinkeller aufbewahrt wird, und sogar einen eigenen Shuttleservice, der Gäste gelegentlich vom Parkplatz zum Restaurant bringt. Was das Essen betrifft, bietet der leidenschaftliche Gastronom alles, was das Herz begehrt, von einer Currywurst für den kleinen Hunger bis zu einem dreigängigen Menü. Die Currywurst kostet dabei stolze 12 Euro und ist ein Anzeichen für die Preisstruktur. Eine Nordsee-Seezunge schlägt mit 79 Euro zu Buche, und ein Wasser kostet 11,50 Euro. Der Preis spielt beim Publikum kaum eine Rolle. Egal zu welcher Jahreszeit – das Restaurant ist beinahe immer voll. Erkennbar am Parkplatz an der Schnellstraße Richtung Hörnum. Der füllt sich um die Mittagszeit und selbst im Februar ist die Vorbestellung eines Tisches sinnvoll.

23 Millionen Euro Umsatz im Restaurant

Bis zu 3000 Essen gehen pro Tag über den Tresen. Aber das ist noch nicht alles. Das Sansibar gilt zwar mit einem Umsatz von 23 Millionen Euro als das führende Restaurant in Deutschland, doch das dürfte nur einen Teil des Gesamtumsatzes ausmachen. Neben dem köstlichen Essen hat Herbert Seckler sein Logo an zahlreiche Lizenznehmer verkauft. Es gibt Premiumsalz für 85 Euro pro Kilo, und sogar Lidl verkauft die „Original Sylter Currywurst“. Fachleute bezweifeln jedoch, ob dies der Marke zuträglich ist.  Das Geschäft in der Friedrichstraße, in dem es ausschließlich Waren gibt, deren Verpackung die beiden Säbel zieht, erfreut sich bei Gästen großer Beliebtheit. Und natürlich gibt es auch hier den legendären Aufkleber.

Gosch und Seckler haben sich inzwischen aus den meisten Geschäftsfeldern ihrer Imperien zurückgezogen. Dennoch, und das vereint sie letztendlich mit Jürgen Gosch, haben sie nicht ihre Bodenständigkeit und Leidenschaft verloren. Auch für Herbert Seckler ist ein Arbeitstag von 16 Stunden die Regel. Das Geld ist längst nicht mehr der Antrieb. Es ist die Vision und die Leidenschaft, die Gosch und Seckler antreiben und immer weiter voranbringen.

Jünne schlägt Herbert – im Krabbenpulen

In einem Punkt ist Jürgen Gosch dem Sansibar-Wirt überlegen: das Krabbenpulen. Denn Gosch ist offizieller Weltmeister im Krabbenpulen. Und genauso wie Herbert seine Sticker hat, hat Jürgen seine kleinen roten Plastikhummer, die er über 200.000 Mal verkauft hat. Herbert Seckler erhielt am Montag auf der Busche-Gala eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. 2012 wurde er an gleicher Stelle Gastronom des Jahres. Diesen Preis erhielt Gosch 2020. Und natürlch auf die Auszeichnung für sein Lebenswerk im Jahre 2017. In Zeitung „Die Welt“ gab es dann noch den Preis zum Servicechampion für Gosch. Ziemlich sicher werden bei weiterer Recherche etliche andere Preise auftauchen.

Den wohl wichtigsten Preis gibt es allerdings von den Angestellten. Denn kaum ein Arbeitgeber auf der Insel hat einen so guten Ruf wie die beiden Unternehmer. Auch das ist auffällig. Sowohl in der Sansibar, als bei Fisch Gosch arbeiten Menschen gerne. Und dies teilweise seit Jahrzehnten. Aber auch der beste Arbeitgeber auf der Insel ist gegen den andauernden Personalschwund nicht gefeit.

Von uns gibt es denn Preis als MVP der Insel!

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