Es ist kein Geheimnis, dass unsere Insel die unangefochtene Wiege des deutschen Wellenreitens ist. Doch was sich in den 1950er Jahren an unseren Stränden abspielte, grenzt aus heutiger Sicht an puren, liebenswerten Wahnsinn. In der aktuellen Wochenshow hat sich unser Team mit der Sylter Surf-Legende Angelo Schmidt im neuen Surfmuseum getroffen, um über die wilden Anfänge, den harten Job der Rettungsschwimmer und ein lang ersehntes Herzensprojekt zu schnacken.
Als das Surfbrett noch ein Rettungsboot war und falsch gewachst wurde
Die Geburtsstunde des deutschen Surfens schlug im Jahr 1952, und der Grund dafür war – wie sollte es anders sein – die Liebe. Der Sylter Uwe Draht wollte damals einer Dame am Strand imponieren und schnappte sich dafür kurzerhand ein klobiges, schweres Rettungsbrett. Ohne Finne, ohne Leash, ohne Wachs und vor allem ohne jegliche Anleitung aus dem Internet ritt er damit die allererste dokumentierte Welle Deutschlands.
Dass der Anfang verdammt steinig war, zeigt eine herrliche Anekdote aus dem Museum: Aus reiner Gewohnheit vom Skifahren schmierte man das Board in den ersten zwei Jahren fälschlicherweise auf der Unterseite mit Wachs ein, in der Hoffnung, dadurch schneller zu werden. Später versuchte man es mit Sand und Farbe für mehr Grip – und ruinierte das Material komplett. Echte Pionierarbeit eben!
Mehr als nur Schickeria: Die Identität der Rettungsschwimmer
Doch Angelo Schmidt geht es in seiner Ausstellung um weit mehr als nur um alte Bretter und nostalgische Surf-Vibes. Ein zentraler und emotionaler Teil des Museums widmet sich der Identität und der Sicherheit der Sylter Rettungsschwimmer. Angelo saß selbst zehn Jahre auf dem Turm und weiß, dass der Job auf der Nordsee ein völlig anderer ist als an der zahmen Ostsee.
Während man auf dem Festland oft ehrenamtlich im Einsatz ist, stehen die Schwimmer hier im festen Dienst des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) und müssen auch bei schwerem Sturm und zwei gelben Flaggen raus in die Brandung, um Leben zu retten. Die tückischen Unterströmungen, wechselnden Gezeiten und Treckerströmungen erfordern eine harte Schule. Wer hier auf den Turm will, muss bei der Brandungsschwimmerprüfung erst einmal 1000 Meter unter 20 Minuten schwimmen und im Tiefwasser beweisen, dass er Mutter Natur gewachsen ist. Angelo möchte mit dem Museum ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es auf Sylt um Sicherheit und Identität geht – und nicht nur um Austern und Champagner.
Eine Surfschule mit eisernen Prinzipien
Diese tiefe Ehrfurcht vor den Elementen lebt Angelo Schmidt auch in seiner eigenen Surfschule (unter anderem an der K4 in Hörnum) weiter, die er gemeinsam mit seinem Sohn betreibt. Unzähligen Insel-Kids hat er das Surfen schon beigebracht, oft sogar unentgeltlich bei Aktionstagen inklusive Erster Hilfe und Naturkunde.
Dabei gilt im Hause Schmidt ein eisernes Prinzip: Es wird nur geschult, wenn die Bedingungen für die Kinder auch wirklich fair und sicher sind. Wenn ein stolzer Vater im Februar einen Kurs für den achtjährigen Filius im August bucht, kann es eben sein, dass man am Strand auch mal warten muss, weil der Westwind zu stark peitscht. Qualität und Sicherheit gehen hier kompromisslos vor Umsatz.
Nach 27 Jahren: Der Multipark-Traum wird endlich wahr
Zum Schluss gab es im Interview noch einen echten Meilenstein für alle Sylter Sportfans. Am 12. Juni 2026 öffnet der lang ersehnte Multipark am Westerländer Stadion seine Tore. Unglaubliche 27 Jahre ist es her, seit Angelo Schmidt den allerersten Antrag dafür eingereicht hat.
Der neue Park wird als sogenannter „Flowpark“ gestaltet, was ihn besonders rund und flüssig zu fahren macht – ideal für die Kids, aber eben auch für die ältere Generation. Auch wenn der reine Skatebereich nur etwa 15 Prozent ausmacht, wird das gesamte Areal mit Angeboten für Schulsport, Basketball, Yoga und Co. das neue, lebendige Sportzentrum für die gesamte Inselfamilie.
Wer Lust auf diese geballte Ladung echte Inselgeschichte, ein kleines integriertes Kino und tiefgründige Gespräche hat, sollte Angelo Schmidt unbedingt im Surfmuseum besuchen. Die Ausstellung läuft aktuell noch als leidenschaftliche One-Man-Show und ist immer von Donnerstag bis Sonntag zwischen 12:00 und 17:00 Uhr geöffnet. Kommt vorbei, schnackt mit den Jungs und nehmt ein Stück echtes Sylt mit nach Hause!
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