Wer früh aufsteht auf Sylt — wirklich früh, so gegen sieben, wenn der Strand noch gehört dem gehört, der ihn sucht — der sieht manchmal in der Ferne eine Gestalt über die Wellen der zweiten Sandbank gleiten. Leicht. Schnell. Als würde jemand über das Wasser laufen.
Das ist Sonni.
Sonni Hönscheid, aufgewachsen an den Stränden von Sylt, Fuerteventura und Hawaii, 12-fache Deutsche Meisterin im Wellenreiten, 7-fache Weltmeisterin im Stand-Up-Paddeln — ist zurück auf ihrer Insel. Und sie bleibt diesmal länger.
Die große Karriere, die internationalen Wettkämpfe, die Titel — das ist ein Kapitel, das sich langsam geschlossen hat. Aber das Wasser lässt sie nicht los. Das war nie eine Frage des Berufs. Das war immer eine Frage davon, wer sie ist. Morgens, wenn die Ausstellung noch geschlossen ist und Kampen noch schläft, gehört die See ihr. Nicht dem Sport. Nicht dem Wettkampf. Einfach ihr.
Und dann, wenn der Tag beginnt, wechselt sie die Welt. Von den Wellen in die Galerie. Von der Bewegung in die Farbe. Vom Neopren ins Kleid – in beiden Welten mit guter Laune und kreativ.
In Kampen zeigt Sonni Hönscheid noch bis zum 20. Juni 2026 ihre neuesten Werke — Peace Love Sylt 4. Leuchtende Farben, fließende Linien, Pop-Art-Bilder die von Unterwasserwelten erzählen, von fremden Küsten, von Meerjungfrauen und fliegenden Fischen. Entstanden an den schönsten Surfspots der Welt — auf Maui, in Tahiti, in Japan, auf Fuerteventura, auf Sylt. Mit Acrylstiften, die sie überallhin mitnimmt, weil ein Bild manchmal genauso entsteht wie eine Welle: dann, wenn der Moment es will.
Wer sie in der Galerie trifft, trifft jemanden der geerdet ist. Nahbar. Ohne das Gewicht der Titel. Sonni Hönscheid redet über ihre Bilder so, wie sie surft — direkt, ohne Umweg, mit echter Freude an dem was sie tut.
Sie sagt, Malen sei für sie wie das Schreiben eines Tagebuchs. Jedes Bild ein Ort. Eine Begegnung. Ein Morgen auf dem Wasser, den sie festhalten wollte.
Vielleicht ist das der schönste Gedanke bei einem Besuch in Kampen: Dass das Bild an der Wand an einem ganz bestimmten Tag entstanden ist. Irgendwo auf der Welt. Von jemandem, die um sieben Uhr morgens noch über die Wellen fliegt — und danach den Pinsel in die Hand nimmt.
Peace Love Sylt 4 · Galerie Kampen · bis 20. Juni 2026




