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Sylter Sport

Vizemeister mit Herzschmerz: TSV Westerland steigt auf – und weint trotzdem ein bisschen

Handballer des TSV Westerland
Foto: Redaktion
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Es war das letzte Spiel einer Saison, die alles hatte. Zu wenig Spielerinnen. Eine Halle, die monatelang unbespielbar war. Auswärtsspiele als Dauerzustand. Und trotzdem – oder genau deswegen – stand der TSV Westerland am letzten Spieltag noch im Titelrennen.

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Und dann das: 27:26. Zwölf Sekunden vor Schluss traf Glenna Chiara Zilz noch zum 26:27 – aber es reichte nicht mehr. Ein Tor. Ein einziges Tor. Die Meisterschaft blieb in Flensburg.

Kurze Pause. Tief durchatmen. Und jetzt das Wichtige:

Der TSV Westerland steigt auf. Als Vizemeister. Verdient. Aufrecht. Mit allem, was sie hatten.

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Das Spiel – 60 Minuten auf dem Hochseil

Was DGF Flensborg und der TSV Westerland an diesem Abend abgeliefert haben, war kein Handballspiel. Es war ein sechzigsekündiger Herzinfarkt, auf sechzig Minuten gedehnt.

Von Beginn an nichts für schwache Nerven. Westerland ging früh in Führung, Flensborg glich aus, Westerland wieder vorne, Flensborg wieder heran – ein Duell auf Augenhöhe, das sich durch die gesamte erste Hälfte zog und mit 14:14 in die Pause ging. Ausgeglichen. Alles offen. Beide Bänke vermutlich mit Magenschmerzen.

Die zweite Halbzeit gehörte dann einer Frau ganz besonders: Nadja Middeke. Die Sylter Spielerin traf immer wieder, per Siebenmeter, aus dem Feld, in den entscheidendsten Momenten. Sie hielt Westerland im Spiel, als Flensborg zu enteilen drohte. Sie war der Anker in einem Spiel, das ständig zu kippen drohte.

Und Jana Petersen – die sich mit einer Disqualifikation in der 48. Minute selbst aus dem Spiel nahm, was das Team in einer ohnehin angespannten Situation zusätzlich unter Druck setzte – hatte davor fünfmal getroffen und das Spiel mitgeprägt. Aber das ist Handball.

Die letzten drei Minuten – für Menschen mit gesunden Herze

  1. Minute. Westerland führt 25:24. Die Halle atmet flach. Dann trifft Lucy Döscher für Flensborg. 25:25. Dann wieder Döscher. 26:25. Dann ein Siebenmeter durch Nadja Middeke – 26:26, 57. Minute. Alles drin.
  2. Minute. Döscher wieder. 27:26 für Flensborg.

Was dann folgte, waren zwei der längsten Minuten des Sylter Handballjahres. Westerland angreifend, Flensborg verteidigend, die Uhr laufend. Und dann, 59:48 – zwölf Sekunden vor dem Ende – trifft Glenna Chiara Zilz. 27:26.

Der Abpfiff kam, bevor Westerland noch einmal an den Ball kam.

Ein Tor. Eine Sekunde. Die Meisterschaft weg.

Was diese Saison war

Man muss das einordnen, weil die nackte Zahl – Vizemeister, aufgestiegen – nicht erzählt, was hinter dieser Saison steckt.

Ein knapper Kader. Ausfälle, die bei einer kleinen Mannschaft nicht einfach aufzufangen sind. Und dann die Halle: monatelang unbespielbar, kein Heimtraining wie gewohnt, Heimspiele unter erschwerten Bedingungen oder anderswo. Das ist kein normaler Saisonrahmen. Das ist Improvisation auf Meisterniveau.

Und trotzdem: Platz zwei. 22:10 Punkte. Aufstieg.

Das Happy End – weil es eines ist

Die Kreisklasse Nord 1 steigt mit den ersten beiden Plätzen auf. HSG Tarp/Wanderup 3 als Meister, TSV Westerland als Vizemeister.

Das bedeutet: Diese Mannschaft, mit diesem Kader, unter diesen Bedingungen, hat sich in die nächste Liga gespielt. Nicht trotz allem. Sondern mit allem.

Nadja Middeke hat in dieser Saison Spiele im Alleingang gehalten. Maike Segner, Marisol Schnittgard, Jana Petersen, Glenna Chiara Zilz – Spielerinnen, die mehr gegeben haben als es ein Spielplan abverlangt. Eine Mannschaft, die auch dann noch trifft, wenn es 27:25 steht und die Uhr weiterläuft.

Die Meisterschaft bleibt in Tarp. Der Aufstieg gehört Sylt.

Und manchmal – nur manchmal – ist das Silber am Ende das, worauf man wirklich stolz sein kann. Weil man weiß, was es gekostet hat.

DGF Flensborg – TSV Westerland 27:26 (14:14) Frauen Kreisklasse Nord 1 | Letzter Spieltag

TSV Westerland: Nadja Middeke (8), Jana Petersen (5), Maike Segner (3), Glenna Chiara Zilz (2), Marisol Schnittgard (2), Shaira Carmen Barth (1), Norman Flock (1)

Abschlusstabelle: 1. HSG Tarp/Wanderup 3 – 23:9 Pkt. | 2. TSV Westerland – 22:10 Pkt. Beide Mannschaften steigen auf.

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