Es ist ein ebenso vertrautes wie herzerwärmendes Bild, das den Frühling in der Sylter Natur einläutet. Die Wanderschäferin Uta Wree ist gemeinsam mit ihrem Kollegen Oliver Zigahn und einer beeindruckenden Herde von 630 Fjordlandschafen in die Naturschutzgebiete der Inselmitte und zum Morsum Kliff zurückgekehrt. Doch hinter dem zauberhaften Anblick der Tiere verbirgt sich ein offizieller und ökologisch höchst bedeutsamer Auftrag, denn die robusten Schafe stehen als erfahrene Landschaftspfleger fest im Dienst des Landschaftszweckverbandes Sylt.
Die Arbeit der Fjordlandschafe ist für das sensible Ökosystem der Heide unverzichtbar. Indem jedes Tier täglich bis zu zwölf Kilogramm an Sträuchern und Kräutern verzehrt, verhindern sie das Verholzen der Heidepflanzen und schaffen wertvollen Lichtraum für bedrohte Arten. So profitieren Bodenbrüter wie die Feldlerche von der freien Sicht, während gleichzeitig seltene Insekten und Eidechsen neue Lebensräume finden. Ganz nebenbei fungiert die Herde als natürlicher Motor der Biodiversität, da die Schafe in ihrer Wolle tausende Pflanzensamen und Kleinstlebewesen über die Insel transportieren.
Damit diese wichtige Arbeit ungestört fortgeführt werden kann, bittet die Schäferin alle Inselfreunde um einen respektvollen Umgang und die nötige Distanz zur Herde. Dies gilt insbesondere für Spaziergänger mit Hunden. Da Hundekot nicht nur die mageren Böden unerwünscht düngt, sondern auch gefährliche Parasiten übertragen kann, die für die Schafe lebensbedrohlich sind, ist die konsequente Einhaltung der Leinenpflicht und die Entsorgung von Hinterlassenschaften ein entscheidender Beitrag zum Tierschutz.
Passend zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und Hirtenvölker 2026 unterstreicht Uta Wree die tiefe Verbindung zwischen Tradition und modernem Naturschutz. Die promovierte Tierärztin führt eine Rasse, die bereits seit der Bronzezeit perfekt an die rauen Küstenbedingungen angepasst ist. Ihr großes Engagement gilt dabei nicht nur dem Erhalt der Sylter Heide, sondern auch der Zukunft ihres Berufsstandes, für den sie sich mehr gesellschaftliche Sichtbarkeit und Anerkennung wünscht.



