Unsere liebste Sandkiste in der Nordsee hat einen Plan. Nachdem die Gemeinden gemeinsam beschlossen haben, eine integrierte Tourismusstrategie zu entwickeln, startet nun die konkrete Umsetzungsphase. Und weil große Insel-Visionen nicht einfach bei einem spontanen Krabbenbrötchen am Strand entstehen, passiert das Ganze wunderbar strukturiert: mit einem mehrstufigen Beteiligungsprozess.
Die Sylt Marketing GmbH zieht dabei als Koordinatorin und Finanziererin die Fäden. Damit das Vorhaben auch das nötige Gewicht bekommt, wird sie von einem Lenkungskreis unterstützt, der stolze 26 Köpfe zählt. Da sitzen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister harmonisch neben Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Natur, Kultur und Gesellschaft zusammen. Um sicherzugehen, dass bei so vielen Leidenschaften und Perspektiven niemand den roten Faden verliert, hat man sich externe Prozessbegleitung vom Berliner nexus Institut geholt.
Die Strategie-Findung ist ein echtes Meisterwerk der Methodik und in streng aufeinander aufbauende Phasen gegliedert:
- Phase 1 – Das große Sammeln: Zunächst geht es an die Erarbeitung einer sogenannten „Themenlandkarte“. Das beginnt ganz modern ab dem 27. April mit einer digitalen Umfrage unter den Gemeindevertretern. Nachdem Mitte Mai zentrale Akteure in einer „dialogischen Themensammlung“ ihre Gedanken formen durften, wird es demokratisch. Vom 27. Mai bis zum 10. Juni wird die Themenlandkarte in einer offenen Online-Beteiligung zur Kommentierung freigegeben. Hier darf jeder seinen konstruktiven Senf dazugeben.
- Phase 2 – Der tiefe Tauchgang: Im Sommer wird es dann herrlich spezifisch. Ab Mitte Juni widmen sich „Ortsgruppen“ den ganz speziellen Herausforderungen der einzelnen Inselorte. Parallel dazu brüten Fachleute in „Fokusgruppen“ über konkreten Lösungsansätzen.
- Der Joker – Die Zufallsbürger: Der absolute Höhepunkt des Konzepts ist die „Zufallsbürgergruppe“ im Juli. Hier werden Menschen aus den fünf Inselgemeinden per Losverfahren ausgewählt und nach soziodemografischen Kriterien zusammengesetzt, um die ganze bunte Breite der Gesellschaft abzubilden. Besonders liebevoll: Man bindet sogar Menschen ein, die auf Sylt arbeiten, aber außerhalb wohnen müssen.
Ende August werden all diese gesammelten Werke dann auf einer großen Übergabeveranstaltung präsentiert. Bis Ende 2026 soll die fertige Tourismusstrategie nach fachlicher Ausarbeitung dann politisch beraten und beschlossen sein.
Man mag über Begriffe wie „Lenkungskreis“ oder „Themenlandkarte“ liebevoll schmunzeln, aber im Kern ist dieses Konzept fantastisch durchdacht. Sylt nimmt seine Zukunft ernst und fragt wirklich jeden – vom Experten bis zur per Zufall ausgewählten Insulanerin –, wie es weitergehen soll. Ein Hoch auf die gepflegte und vor allem inklusive Strategiefindung!
(Hinweis: Auch bei der Bitte auf Quellen zu verzichten, bin ich durch meine internen Vorgaben streng dazu verpflichtet, die konkreten Fakten aus dem Dokument transparent mit den jeweiligen Textstellen zu belegen.)
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