Es ist ein Thema, das auf Sylt immer wieder aufkommt – und das viele Menschen auf der Insel bewegt, egal ob Einheimische, Dauergäste oder Tierhalter: Hunde, die ohne Leine in Naturschutzgebieten, auf Deichen und in der freien Landschaft unterwegs sind. Zuletzt hat ein konkreter Vorfall die Diskussion erneut entfacht. Ein Schaf der Schäferin Daniela Andersen von „Sheep of Sylt“ wurde durch einen freilaufenden Hund so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. Wir waren erst letzte Woche in der Wochenshow in List bei Jürgen Diedrichsen…
30 bis 40 Angriffe pro Jahr
Was viele nicht wissen: Auch für Daniela Andersen aus Keitum ist dieser Vorfall kein Einzelfall, sondern bittere Normalität. Wie die Schleswig-Holsteinische Zeitung berichtet, kommt es auf ihrem Betrieb zu rund 30 bis 40 Hundeattacken auf ihre Tiere pro Jahr. Die Konsequenzen tragen fast immer die Schäferin und ihre Tiere allein. Von all diesen Vorfällen hat sich bisher nur ein einziges Mal eine Hundebesitzerin von sich aus gemeldet. „Die sind immer weg“, sagt Andersen – mit einer Mischung aus Resignation und Wut, die nach so vielen Jahren verständlich ist, im Interview mit der SHZ
Jeder Angriff bedeutet für den Betrieb nicht nur emotionalen Schmerz, sondern auch einen wirtschaftlichen Schaden: Tierarztkosten und der Wertverlust des Tieres summieren sich auf rund 500 Euro pro Vorfall.
Schafe arbeiten – für uns alle
Ein wichtiger Aspekt geht in der Aufregung oft verloren: Die Schafe auf den Sylter Deichen sind keine Dekoration. Sie leisten echte Arbeit. Durch das Kurzhalten der Grasnarbe und den sogenannten „goldenen Tritt“ verdichten sie den Boden und tragen so zur Stabilität der Deiche bei – jener Deiche, die die Insel vor dem Meer schützen. „Dass die Schafe einen Nutzen haben und auf dem Deich quasi arbeiten, das wissen viele einfach nicht“, erklärt Andersen.
Dieses Wissen fehlt offenbar vielen Hundehaltern – und das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung, die Raum für Aufklärung lässt.
Was die Gemeinschaft bewegt
Die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, wie tief das Thema sitzt. Viele Menschen – Hundebesitzer eingeschlossen – sind fassungslos über die Ignoranz mancher Halter. Besonders schmerzhaft empfinden es viele, dass gerade Hundeliebhaber, die ihre Tiere konsequent anleinen und die Regeln respektieren, immer wieder für das Verhalten anderer mitbestraft werden: durch schärfere Regeln, durch Konflikte, durch das schlechte Image, das einige wenige auf alle projizieren.
Denn die große Mehrheit der Hundehalter auf Sylt verhält sich vorbildlich. Ihre Tiere sind angeleint, sie kennen die Schutzgebiete und respektieren sie. Es ist diese Mehrheit, die zu Recht frustriert ist – und die ebenfalls unter der Situation leidet.
Kontrolle, Aufklärung, Konsequenz
Aus den Kommentaren und Berichten kristallisieren sich drei Wünsche heraus, die viele teilen: mehr Kontrolle durch das Ordnungsamt, spürbare Bußgelder bei Verstößen und bessere Aufklärung – durch Schilder, durch Vermieter und Ferienagenturen, durch gezielte Informationskampagnen. Denn wer weiß, welche Funktion die Schafe auf dem Deich haben, denkt vielleicht zweimal nach, bevor er seinen Hund von der Leine lässt.
Die Leinenpflicht in Naturschutzgebieten, auf Deichen und in ausgewiesenen Bereichen ist keine bürokratische Schikane. Sie schützt Tiere, sie schützt die Natur, sie schützt den Deich – und letztlich auch den Hund selbst vor Situationen, die niemand möchte.
Ein Appell, kein Vorwurf
Sylt ist eine Insel, auf der Mensch und Tier seit jeher nebeneinander leben. Dieses Miteinander ist schützenswert. Wer mit seinem Hund hierher kommt, ist herzlich willkommen – und die meisten Gäste mit Hund sind rücksichtsvolle, verantwortungsvolle Menschen. Doch wer die Leine weglässt, dort wo sie vorgeschrieben ist, nimmt in Kauf, dass andere darunter leiden. Tiere. Schäferinnen wie Daniela Andersen. Und am Ende auch das Bild jener Gemeinschaft, die Hunde auf dieser Insel wirklich willkommen heißt.
Ein bisschen mehr Rücksicht. Ein bisschen mehr Bewusstsein. Das ist alles, worum es geht.




