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Das zweite Gleis nach Sylt: Eine Liebeserklärung an die Geduld – Marschbahn mit 140km/h

Das zweite Gleis nach Sylt: Eine Liebeserklärung an die Geduld - Marschbahn mit 140km/h
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Gute Nachrichten aus Berlin. Na ja. Fast. Man muss die Bundesregierung wirklich bewundern. Während andere Länder einfach Bahnstrecken bauen, verfeinert Deutschland zunächst jahrelang die Kunst der Vorplanung. Und nun ist es soweit: Die Vorplanung für den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn zwischen Niebüll und Westerland ist abgeschlossen.

Applaus, bitte.

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Leistungsphase 2, abgehakt. 2025 fertiggestellt. Das klingt nach Fortschritt. Das riecht nach Fortschritt. Es ist Fortschritt — wenn auch der sehr geduldige, sehr deutsche, sehr gründliche Typ.

Was geplant ist — und das klingt wirklich gut

Der Plan sieht vor, zwischen Niebüll und Klanxbüll ein zweites Gleis zu bauen und die Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 140 km/h zu erhöhen. Dreizehn Kilometer schnellere Marschbahn. Dazu kommt ein weiterer zweigleisiger Abschnitt zwischen Morsum und Tinnum, sechs Kilometer lang.

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Der Bereich dazwischen — Klanxbüll bis Morsum — hat bereits zwei Gleise. Und Tinnum bis Westerland braucht laut Gutachten gar nichts. Passt schon.

Lärmschutzwände, besohlte Schwellen gegen Erschütterungen, Schallschutz für siebzig Prozent der betroffenen Gebäude. Alles durchdacht, alles vernünftig, alles sehr ordentlich auf Papier gebracht.

Kurz gesagt: Ein solider Plan. Einer der wirklich helfen würde. Einer der den chronischen Engpass auf Deutschlands berühmtester Inselzufahrt endlich beseitigen könnte.

Was er kostet — Augen zu und durch

426 Millionen Euro. Das ist die offizielle Projektsumme.

910 Millionen Euro. Das ist die Gesamtwertprognose wenn man statistische Risiken, Baupreissteigerungen und die allgemeine Eigenart deutscher Großprojekte einrechnet.

Für alle die gerade nochmal nachgelesen haben: ja, das ist mehr als doppelt so viel.

Das Bundesverkehrsministerium sieht das entspannt. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis beträgt 1,32. Das Projekt ist also wirtschaftlich. Auf dem Papier. Mit den 426 Millionen. Nicht mit den 910. Aber das ist ein Detail.

Die kleine Fußnote ganz am Ende des Berichts

Man muss den Bericht wirklich bis zum letzten Absatz lesen um die eigentliche Nachricht zu finden. Dort, unauffällig, fast bescheiden, steht sie:

In der aktuellen Finanzplanung stehen mittelfristig keine Haushaltsmittel für den Bau zur Verfügung.

Ah.

Das heißt auf Deutsch: Der Plan steht. Das Geld nicht. Der Zug — im übertragenen Sinne — fährt noch nicht.

Wer jetzt auf Sylt lebt und täglich mit dem einen Gleis zwischen Niebüll und Westerland kämpft, zwischen verspäteten Autozügen, überfüllten Regionalbahnen und dem saisonalen Chaos wenn halb Hamburg gleichzeitig auf die Insel möchte, der darf an dieser Stelle kurz seufzen.

Fertig? Gut.

Was das für Sylt bedeutet

Die Marschbahn bleibt vorerst was sie ist: Eine der meistbelasteten Strecken Norddeutschlands, auf der ein einziges Gleis die gesamte Logistik einer Insel mit stetig wachsendem Tourismus schultern muss.

Die gute Nachricht: Irgendwann wird gebaut. Das steht im Bedarfsplan. Der Bedarfsplan ist Gesetz. Das Projekt wird kommen.

Die weniger gute Nachricht: Wann, das weiß gerade niemand so genau.

Wer also dieser Tage im Autozug sitzt, dem entgegenkommenden IC wartet und dabei die leere Landschaft der Marsch an sich vorbeizieht, der kann sich immerhin vorstellen wie das hier eines Tages aussehen wird. Zwei Gleise. 140 km/h. Pünktliche Züge.

Ein schöner Gedanke.

Bis dahin: gute Reise, viel Geduld, und willkommen auf Sylt.

Quelle: Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag, Vorplanung Ausbaustrecke Niebüll–Westerland / eisenbahn.de

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