Samstagabend in Tinnum. 55 Zuschauer in der Halle, ein Gegner aus Mildstedt, der mit breiter Brust antritt — und ein TSV Westerland, der es eigentlich besser wissen müsste, wie solche Abende enden können. Und doch fängt es gut an. Oder zumindest nicht schlecht.
Die ersten Minuten sind ausgeglichen, keiner reißt dem anderen den Kopf ab, es geht hin und her wie es Handball eben tut. Westerland hält mit, kämpft sich rein, Biallas trifft, Canaj trifft, Knudsen ist da. Man spielt auf Augenhöhe, und das ist zu diesem Zeitpunkt der Saison schon etwas wert. Aber Mildstedt hat Thomas Hansen mitgebracht, und der macht an diesem Abend einfach was er will. Zehn Tore wird er am Ende auf dem Konto haben — zehn. Ein Mann, der das Spiel alleine trägt, und gegen den Westerland nie wirklich eine Antwort findet.
Nach einer Viertelstunde liegt Mildstedt mit einem Tor vorn, 6:7, und das bleibt der rote Faden der ersten Halbzeit. Westerland kommt ran, kommt nicht vorbei, kommt wieder ran. Kurz vor der Pause ist Knudsen nochmal zur Stelle, 15:18 steht es zum Pausenpfiff. Drei Tore Rückstand. Aufholbar. Theoretisch.
In der Kabine muss irgendjemand gesagt haben, dass es geht. Und die zweite Hälfte beginnt tatsächlich so, als hätte man es geglaubt. Westerland ist da, Biallas läuft, Canaj kämpft, Knudsen drückt. Aber Mildstedt läuft auch. Und Mildstedt hat eben diesen Hansen, der einfach nicht aufhört zu treffen. Der Rückstand wächst nicht dramatisch, aber er wächst. Langsam, stetig, unaufhaltsam. Mit jeder Minute, die verstreicht, wird das Gefühl schwerer, dass dieser Abend nicht mehr zu drehen ist.
Dann, in der Schlussphase, kommt Westerland nochmal. Biallas, Canaj, Tillmann — plötzlich sind es noch drei Tore, noch zwei, die Halle lebt kurz auf. Aber Mildstedt nimmt eine Auszeit, schüttelt sich, und Gehm macht in der letzten Sekunde per Siebenmeter das 29:32. Endstand. Aus.
Was bleibt, ist ein Blick auf die Tabelle, den man lieber nicht zu lange anstarrt. Vier Punkte fehlen auf das rettende Ufer. Vier Punkte, die irgendwo in den letzten Spielen dieser Saison herkommen müssen — und die Möglichkeiten werden täglich weniger. Noch zwei Siege aus drei Spielen, das wäre der Weg. Aber von diesen drei Spielen ist nur noch eines zuhause in Tinnum, vor den eigenen Fans, in der eigenen Halle. Die Luft wird eng.
Nächsten Samstagabend geht es nach Munkbrarup. Das Hinspiel ging 22:39 verloren — keine Einladung, das stimmt. Aber es ist Handball, und Handball kann sich drehen. Man muss nur hingehen und es versuchen. Was sonst bleibt.
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