Wenn der Frühling auf Sylt einkehrt, beginnt am nördlichsten Zipfel der Insel eine besonders intensive Zeit. In List, am windumtosten Ellenbogen, dreht sich derzeit alles um den Nachwuchs. Schafhalter Jürgen Diedrichsen hat in diesen Wochen einen Fulltime-Job, denn über 260 Lämmer sind bereits geboren worden.
Von Hand aufgezogen: Die Flaschenlämmer
Ein besonderes Highlight im Stall sind die sogenannten Flaschenlämmer. Das sind die Sorgenkinder der Herde, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden oder bei Drillingsgeburten zu kurz gekommen wären.
• Zutrauliche Gesellen: Da sie dreimal täglich von Hand gefüttert werden, verlieren sie jede Scheu vor dem Menschen.
• Kein Leben in der Freiheit: So süß sie auch sind – diese Lämmer dürfen später nicht auf die großen Freiflächen am Ellenbogen. Da sie auf Menschen geprägt sind, würden sie Touristen hinterherlaufen, anstatt bei der Herde zu bleiben.
Überleben am Ellenbogen: Ein harter Job
Die „echten“ Sylter Schafe, eine robuste Landschaf-Mischung, leben fast das ganze Jahr über draußen. Doch das Idyll trügt, denn die Gefahren sind vielfältig:
• Raubtiere: Neben dem Fuchs sorgte im letzten Jahr ein Goldschakal für Unruhe und riss zahlreiche Tiere.
• Verkehr: Rücksichtslose Autofahrer, die mit Tempo 60 oder mehr über den Ellenbogen fahren, sind eine ständige Gefahr für die jungen Lämmer.
• Hunde: Diedrichsen mahnt zur Vorsicht – ein Hund, der „nur mal gucken“ will, bedeutet für die Herde puren Stress.
Lebensretter-Tipp: Das „abgelegte“ Schaf
Jürgen Diedrichsen hat eine wichtige Bitte an alle Inselfreunde: Sollten Sie ein Schaf sehen, das hilflos auf dem Rücken liegt und die Beine in die Luft streckt, ist Eile geboten. In dieser Position (das sogenannte „Ablegen“) sammeln sich Gase im Magen, die für das Tier tödlich enden können.
So helfen Sie richtig: Greifen Sie beherzt in die Wolle und rollen Sie das Schaf mit Schwung wieder auf die Beine. Jeder Schafhalter ist dankbar für diese direkte Hilfe!
Zwischen Tradition und Handwerk
Dass die Schafhaltung auf Sylt überhaupt noch existiert, ist Idealismus zu verdanken. Wolle allein ist heute kaum noch lukrativ. Erst durch Kooperationen, bei denen die Sylter Wolle zu hochwertigen Bettdecken verarbeitet wird, trägt sich dieser Zweig wieder. Es ist ein ehrliches Handwerk, das die Kulturlandschaft der Insel prägt und den Ellenbogen zu dem macht, was er ist.






















































