Bei strahlendem Sonnenschein und allerschönstem Inselwetter war es im Bahnhof Westerland endlich so weit: Der allererste Zug der jüngsten ICE-Generation, der brandneue ICE L, wurde feierlich auf den Namen „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ getauft. Stilecht mit echtem Nordseewasser, versteht sich.
Nun wird dieser hochmoderne, stufenlose und top-ausgestattete Zug also ausgerechnet über unsere geliebte Marschbahnstrecke geschickt. Jene legendäre Trasse, auf der die Zeit gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes stillzustehen scheint und die Sylt-Pendler traditionell in tiefe Zen-Meditation versetzt. Doch wenn man künftig wegen einer der liebgewonnenen „Verzögerungen im Betriebsablauf“ auf offener Strecke die Schafe beim Grasen beobachten darf, dann tut man das ab sofort immerhin in beispiellosem Luxus!
Zur offiziellen Betriebsaufnahme ließen es sich die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck, Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Nationalparkleiterin Franziska Junge nicht nehmen, den Neuzugang gebührend zu feiern.
Komfort trifft Naturschutz Ute Plambeck betonte die gelungene Verbindung von Reisekomfort und Naturschutz: Das Wattenmeer sei als Weltnaturerbe und Sinnbild unberührter Natur mit dem neuen Zug als Fahrtziel künftig noch besser erreichbar. Die Fahrgäste dürften sich über stufenlose Einstiege, viel Platz für Familien und – auf der Marschbahn fast schon ein kleines Wunder – spürbar verbesserten Mobilfunkempfang freuen.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen wies darauf hin, dass von dem Neuzugang nicht nur Sylt-Gäste, sondern die gesamte Küstenregion profitiere. Zwar sei die direkte Kurswagenanbindung des Fährhafens Dagebüll nun Geschichte, aber man habe einen optimalen Pendelverkehr ab Niebüll bestellt. Jeder ICE soll dort einen Anschlusszug nach Dagebüll vorfinden. (Wir drücken der Marschbahn-Pünktlichkeit liebevoll die Daumen, damit der Anschluss dann auch wirklich reibungslos klappt!)
Für Franziska Junge, Leiterin des Nationalparks, ist die Zugtaufe eine besondere Würdigung des seit 40 Jahren geschützten Naturraums. Um dieses sensible, von Biodiversität geprägte Ökosystem vor dem Klimawandel zu bewahren, sei der Umstieg auf umweltschonende und klimafreundliche Mobilität essenziell. Die Kooperation „Fahrtziel Natur“ (getragen von BUND, NABU, VCD und DB) engagiert sich hier bereits seit 2001.
Wann fährt der ICE L?
- Seit dem 1. Mai läuft der reguläre Betrieb mit zwei Zugpaaren (Hin- und Rückfahrt) zwischen Westerland und Hamburg.
- Ab dem 14. Juni kehrt die Direktverbindung Westerland–Berlin zurück.
- Ab dem 11. Juli folgen touristische Verbindungen von Frankfurt (Main) über Gießen sowie von Köln über Münster nach Westerland.
Warten auf höchstem Niveau: Der Fahrgastkomfort Sollte die Marschbahnstrecke mal wieder ihren charakteristischen Rhythmus einlegen, bietet der ICE L fantastische Möglichkeiten für die Fahrgäste:
- Wohnzimmer-Feeling: Das neue Innenraumdesign mit neuen Farben, Materialien und einer tageszeitabhängigen Lichtsteuerung sorgt in den kürzeren Wagen für ein angenehmes Raumgefühl.
- Hightech-Fenster: Die neuen Scheiben lassen Handysignale direkt in den Wagen – so kann man der Familie in bester Qualität durchgeben, dass man „gleich“ da ist.
- Bequemes Sitzen: Die 562 Sitze sind eine Neuentwicklung, erprobt von über 1.600 Testpersonen. Alle Plätze haben Steckdosen, die Reihensitze verfügen über Klapptische und Tablethalter.
- Intelligente Reservierung: Farbige LED-Leuchten informieren auf den ersten Blick über freie und reservierte Plätze.
- Barrierefreiheit: Neben dem stufenlosen Einstieg gibt es für Reisende im Rollstuhl breitere Türen und elektrisch höhenverstellbare Tische.
- Familienparadies: Mit 46 Plätzen bietet der ICE L den größten Familienbereich der gesamten ICE-Flotte, ergänzt durch unschlagbare neun Plätze im Kleinkindabteil.
So wird selbst die gemütlichste Fahrt über die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke und die flachen Weiten Nordfrieslands künftig zu einem echten Erlebnis. Gute Reise!
Copyright Titelfoto: Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann




