Es gibt Samstagnachmittage auf Sylt, die man einfach genießt. Einen Strandspaziergang vielleicht. Ein Fischbrötchen in der Sonne. Oder man setzt sich ins Schwimmbad und schaut zu, wie der TV Keitum 1881 einer Mannschaft vom Festland sehr höflich, aber sehr unmissverständlich erklärt, wo der Wasserball-Hammer hängt.
26:6. Für Lübeck und Ahrensburg war es kein schöner Samstag.
16 Sekunden. Mehr brauchte es nicht.
Schiedsrichter Daniel Thiele pfiff an, die Uhr lief – und noch ehe sich die Gäste so richtig im Becken orientiert hatten, ob links Rantum und rechts Kampen liegt, hatte Hagen Decker bereits getroffen. 16 Sekunden. Auf Sylt nennt man das einen gemächlichen Start.
Was folgte, war weniger ein Wasserballspiel als eine freundliche Lektion in Insel-Überlegenheit. Schmiedel, Reichardt, Martens Fajersson – die Namen prasselten auf das Lübecker Tor ein wie Regentropfen auf den Weststrand im November. Nur eben deutlich zielgenauer. Nach dem ersten Viertel stand es 7:1, und die Gäste durften sich immerhin zuguthalten: Sie hatten getroffen. Einmal.
Zwei Männer, ein Alptraum
Wer an diesem Nachmittag besonders kein Lübecker Verteidiger sein wollte, hatte die Wahl zwischen Lasse Reichardt und Simon Schmiedel. Beide steuerten je sechs Treffer bei – zusammen also zwölf. Fast die Hälfte des gesamten Keitumer Ergebnisses. Das ist die Art von Effizienz, die man sonst nur von der Sylt-Fähre kennt: pünktlich, verlässlich, und man kommt garantiert ans Ziel.
Torhüter Harro Buchholz auf der anderen Seite durfte das Spiel weitgehend als entspannter Zuschauer verfolgen. Ein Beruf, an dem schlechtere Tage zweifellos schlechter verlaufen.
Das letzte Viertel: Schaulaufen mit Meerblick
Spätestens im vierten Viertel hatte die Partie den Charakter eines Testspiels angenommen – mit dem kleinen Unterschied, dass der TV Keitum auch dann keine Gnade kannte. 7:0 im Schlussabschnitt. Den Schlusspunkt setzte Rasmus Ipsen, der es sich nicht nehmen ließ, 19 Sekunden vor Spielende noch einmal einzunetzen. Weil man es kann. Weil man auf Sylt ist. Weil 26:6 einfach runder klingt als 25:6.
Um 17:02 Uhr verließen die Keitumer unter Applaus das Becken. Die Gäste aus Lübeck verließen die Insel vermutlich schweigend.
Der Titel fährt nicht mit der Fähre
Rechnerisch – ja, rechnerisch – ist die Meisterschaft noch nicht offiziell. Irgendwo in einem Büro mit Taschenrechner und Tabellenkalkulation hält noch jemand tapfer die Restunsicherheit aufrecht. Wir respektieren das.
Aber wer diese Mannschaft an diesem Samstagnachmittag gesehen hat, weiß: Dieser Titel bleibt auf der Insel. Er braucht keinen Ausweis. Er braucht kein Ticket. Er gehört einfach hierher.
Glückwunsch, TV Keitum. Sylt ist stolz. Und Lübeck fährt jetzt erstmal eine Weile geradeaus.
Statistik: TV Keitum 1881 – Buchholz; Jessen, Martens Fajersson (4), Lödige, J. Decker (1), Margitan (1), H. Decker (3), M. Reichardt (1), Ipsen (4), M. Decker, L. Reichardt (6), Schmiedel (6), Bennewitz, Lindenberg.
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