Während viele Vereine heutzutage mit Nachwuchssorgen und schwindender Relevanz kämpfen, beweist die Sölring Foriining, dass Tradition alles andere als verstaubt sein muss. Mit rund 2.000 Mitgliedern ist sie der mit Abstand größte Heimatverein des Landes – und präsentierte sich am vergangenen Freitag im Keitumer Friesensaal in Bestform.
Trotz eines Altersdurchschnitts, der optisch eher jenseits der 50 lag, herrschte eine Aufbruchstimmung, die auch die Politik beeindruckte. Andreas Dobrzinski, Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt, brachte es in seinem Grußwort sichtlich begeistert auf den Punkt: „Ihr seid ein lebendiger Verein!“
Solide Finanzen und großzügige Unterstützung
Die positive Grundstimmung stützte sich nicht zuletzt auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament. Geschäftsführer Sven Lappoehn präsentierte einen mehr als ausgeglichenen Haushalt. Erreicht wurde dieses Ergebnis durch angepasste Zuschüsse der Inselgemeinden sowie eine spürbar gestiegene Spendenbereitschaft unter Insulanern und Sylt-Fans.
Besonders hervorzuheben ist ein bedeutender Erfolg im musealen Bereich: Unter der zehnjährigen Ägide von Alexander Römer haben die Sölring Museen massiv an Profil gewonnen. Dank der großzügigen Spende einer kunstverbundenen Familie ist die Finanzierung von anderthalb wissenschaftlichen Stellen für die nächsten fünf Jahre gesichert. Für Römer ein „echter Lichtblick“, um die Qualität der Museumsarbeit weiter zu steigern.
Generationenwechsel im Fokus
Die Sölring Foriining deckt ein gewaltiges Spektrum ab – von Brauchtum und Historie über Naturschutz bis hin zur Pflege der Sylter Sprache Sölring. Die Vorsitzende Maren Jessen, selbst leidenschaftliche Verfechterin der Muttersprache, setzt verstärkt darauf, auch jüngere Insulaner für die Vereinsziele zu begeistern.
Ein Paradebeispiel für diesen Kurs ist die Wahl von Katharina Kress. Die gebürtige Sylterin und Mutter zweier Kinder überzeugte die Versammlung mit einer authentischen Vorstellungsrede und wurde einstimmig als neue Beisitzerin in den Vorstand gewählt. Ebenfalls bestätigt wurde der stellvertretende Vorsitzende Mathias Lauritzen.
Herausforderungen und kritische Stimmen
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. In Vertretung für die entschuldigte Maren Jessen führten Karin Börnsen und Roland Grüger souverän durch den Abend, mussten sich aber auch kritischen Einwürfen stellen:
• Manfred Uekermann (MdL) mahnte an, den Verjüngungsprozess trotz aller Erfolge noch entschiedener voranzutreiben.
• Das Morsumer Urgestein Alfred Bartling entgegnete kritisch, dass die Politik erst einmal die Rahmenbedingungen schaffen müsse, damit junge Menschen überhaupt eine Existenzgrundlage auf der Insel finden können.
Maren Jessen betont dazu: „Die Sölring Foriining versteht sich hier als aktiver Partner und wird sich bei diesem existenziellen Thema weiterhin engagiert einbringen.“
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