Der TSV Westerland hat sein erstes Heimspiel der Saison gewonnen: 31:28 gegen die HSG Jörl-Doppeleiche Viöl II, am Samstagabend im Neuen Sportzentrum Tinnum. Nach einem ausgefallenen Auftakt und einer Niederlage im zweiten Spiel stehen damit die ersten beiden Punkte auf dem Konto.
Es war kein souveräner Sieg. Es war einer mit Blitzstart, Einbruch, Konter und Zitterphase – also alles, was ein erstes Heimspiel so hergibt.
Erste Halbzeit: 11:4 – und dann?
Die ersten fünf Minuten waren offen, danach lief es. Zwischen der 5. und der 15. Minute zog Westerland von 3:3 auf 11:4 weg: Tim Luca Holst traf dreimal in vier Minuten, dazu Dennis Woysch und ein Treffer von Alexander Zaspel zum höchsten Vorsprung des Abends. Jörl nahm in der 15. Minute Auszeit und verwarf kurz darauf einen Siebenmeter.
Die Auszeit wirkte – leider auf der falschen Seite. Aus 11:4 wurde bis zur 28. Minute ein 15:13. Neun der nächsten dreizehn Tore gingen an die Gäste, Michel Stolley stellte dabei zweimal nach, auch Westerland nahm in der 26. Minute Auszeit. Erst zum Schluss der Halbzeit fing sich das Team: Mattes Melius, Eike Sjard Knudsen und Melius noch einmal mit der Schlusssirene – 18:13 zur Pause.
Unterm Strich: Fünf Tore Vorsprung, die sich besser anfühlten, als sie zwischendurch aussahen.
Zweite Halbzeit: einmal zittern, einmal durchatmen
Jörl kam besser aus der Kabine. Stolley traf zweimal, dazwischen und danach blieb Westerland lange blass: Zwischen der 34. und der 40. Minute fielen sechs Minuten lang keine Sylter Tore, der Vorsprung schmolz auf 19:17. Kurz darauf stand es 21:19, dann 22:20 – die Gäste waren dran.
Dann kam die Phase, die das Spiel entschied. Mattes Melius traf fünfmal in Folge (39. bis 46. Minute), Knudsen und Holst legten nach, und aus 22:20 wurde bis zur 50. Minute ein 27:21. Sechs Tore Luft, zwei Jörler Zeitstrafen inklusive.
Ganz ruhig wurde es trotzdem nicht. Über Pascal Hergen Heesch, Stolley und zweimal Cord Görrissen kamen die Gäste auf 30:27 heran. Melius stellte 90 Sekunden vor Schluss auf 31:27, Stolley verkürzte noch auf 31:28 – zu spät.
Der Trainer, der sich selbst einwechselt
Die Geschichte des Abends stand nicht auf dem Spielberichtsbogen ganz oben: Lars Schnittgard, Trainer des TSV, Sylter Handball-Urgestein, 60 Jahre alt, wechselte sich ab der 40. Minute selbst ein. Das war keine Geste. Er hielt das Tempo mit, und vor allem: Er ordnete das Spiel. Genau in der Phase, in der Jörl auf zwei Tore herangekommen war, bekam der Angriff wieder Struktur – und Westerland zog auf sechs davon.
Man kann darüber diskutieren, ob ein 60-Jähriger in der Kreisliga mithalten kann. Nach 20 Minuten Einsatzzeit und dem ersten Heimsieg der Saison fällt die Diskussion aber ziemlich kurz aus.
Torschützen und Zahlen
TSV Westerland (31): Mattes Melius 13, Tim Luca Holst 8, Eike Sjard Knudsen 7, Dennis Woysch 2, Alexander Zaspel 1.
HSG Jörl-Doppeleiche Viöl II (28): Michel Stolley 11, Robin Schrank 5, Pascal Hergen Heesch 4, Dominik Drax 2, Jasper Julius Leu 2, Cord Görrissen 2, Marten Thomsen 1, Malte Hünefeld 1.
| TSV Westerland | HSG Jörl-Viöl II | |
| Endstand | 31 | 28 |
| Halbzeit | 18 | 13 |
| Torschützen | 5 | 8 |
| Zeitstrafen | 4 | 3 |
| Verworfene Siebenmeter | 0 | 3 |
Zwei Zahlen stechen heraus. Erstens: Melius und Holst zusammen 21 der 31 Tore – die Last verteilt sich noch sehr ungleich. Zweitens: Jörl vergab drei Siebenmeter (Schrank, Hünefeld, Drax). Bei einem Drei-Tore-Endstand ist das genau der Unterschied.
Nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga ist die Mannschaft neu zusammengesetzt, und das war zu sehen. Die Phase von 11:4 auf 15:13 war ein Team, das sich noch sucht – zwei Auszeiten in einer Halbzeit sprechen für sich.
Aber: Nach dem Einbruch kam die Antwort, und in der entscheidenden Phase der zweiten Halbzeit traf Westerland sechsmal in sieben Minuten. Dass ein Team, das sich erst findet, ein Drei-Tore-Ende übersteht, ist mehr wert als ein ruhiger Kantersieg.
Und das Wichtigste stand ohnehin nie zur Debatte. Die Mannschaft ist in dieser Saison angetreten, um Spaß zu haben. Am Samstag in Tinnum sah es genau danach aus – mit zwei Punkten obendrauf.
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