TSV Westerland siegt 26:25 – Schnittgard trifft 16 Sekunden vor Schluss
Man kann sich ein Drehbuch ausdenken. Besser als das hier wird es nicht.
60 Minuten lang hängt der TSV Westerland der SG Mittelangeln hinterher oder knapp davor, achtmal gleicht der Gegner in Halbzeit zwei aus, beim 25:25 sind noch 32 Sekunden zu spielen – und dann wirft ein 60-jähriger Trainer in Unterzahl das Ding rein. 26:25. 16 Sekunden vor Schluss. Lars Schnittgard, Nummer 10, ein Tor in diesem Spiel.
Es war genau das richtige.
Die letzten 85 Sekunden
58:36 – Mattes Melius trifft zum 25:23. Zwei Tore Vorsprung, anderthalb Minuten zu spielen. Das sollte reichen.
59:07 – Tim Marvin Albertsen verkürzt auf 25:24.
59:28 – Albertsen noch einmal: 25:25. Im selben Moment sieht Norman Flock die Zeitstrafe. Westerland hat jetzt den Ball, 32 Sekunden – und einen Mann weniger.
59:35 – Auszeit TSV Westerland. Sieben Sekunden nach dem Ausgleich. Der Trainer hat ein Brett in der Hand und eine Mannschaft davor, die gerade einen Zwei-Tore-Vorsprung verloren hat.
59:44 – Tor durch Lars Schnittgard. 26:25.
60:00 – Spielende.
Der Mann, der die Auszeit genommen hat, war der Mann, der danach geworfen hat. In Unterzahl. Mit 60 Jahren.
Erste Halbzeit: 24 Minuten hinterherlaufen
Der Anfang gehörte den Gästen. Tim Luca Holst traf zwar nach drei Minuten zum 1:0, danach lag Westerland aber fast die komplette erste Halbzeit zurück. Lucca Christiansen und Philipp Heussen trafen für Mittelangeln, Eric Jaeger stellte in der 20. Minute auf 7:10 – der höchste Gästevorsprung des Abends.
Drei Tore. Mehr ließen die Insulaner nie zu.
Eike Sjard Knudsen traf zweimal binnen einer Minute zum 9:10, Heussen verwarf in der 25. Minute einen Siebenmeter, Mattes Melius glich zum 11:11 aus. Und dann kam Kevin Sebastian Tillmann: drei Tore zwischen der 26. und der 30. Minute, alle drei in Folge. Aus 11:11 wurde ein 14:11.
Christiansen verkürzte mit der Schlusssirene noch auf 14:12. Nach 24 Minuten Hinterherlaufen ging Westerland mit zwei Toren Vorsprung in die Kabine.
Zweite Halbzeit: acht Ausgleiche
Wenn man eine Zahl braucht, die diese Halbzeit beschreibt, dann diese: achtmal glich Mittelangeln aus. 15:15, 16:16, 17:17, 18:18, 19:19, 21:21, 22:22, 25:25.
Achtmal legte Westerland vor, achtmal zogen die Gäste nach. Knudsen traf, Gostomsky traf, Flock traf zweimal, Zaspel traf – und jedes Mal stand kurz darauf wieder ein Unentschieden auf der Anzeige.
In Führung lag Mittelangeln in der gesamten zweiten Halbzeit genau 30 Sekunden: Tim Marvin Albertsen traf in der 38. Minute zum 16:17, Lars Gostomsky glich eine halbe Minute später aus. Das war’s.
Die letzte scheinbare Entscheidung fiel in der 58. Minute. Zwischen der 54. und der 59. Minute zog Westerland über Knudsen (zweimal) und Melius auf 25:23 davon, Mittelangeln hatte seine Auszeit schon in der 54. Minute verbraucht. Dann kam Albertsen zweimal in 21 Sekunden. Und dann kam Schnittgard.
Torschützen und Zahlen
TSV Westerland (26): Eike Sjard Knudsen 10 (2/2 Siebenmeter), Mattes Melius 4, Tim Luca Holst 4, Kevin Sebastian Tillmann 3, Norman Flock 2, Lars Gostomsky 1, Alexander Zaspel 1, Lars Schnittgard 1.
SG Mittelangeln (25): Lucca Christiansen 7 (2/2), Tim Marvin Albertsen 6, Christoph Andresen 4, Philipp Heussen 3, Eric Jaeger 2, Noah Carstensen 2, Max Davids 1.
| TSV Westerland | SG Mittelangeln | |
| Endstand | 26 | 25 |
| Halbzeit | 14 | 12 |
| Eingesetzte Spieler | 11 | 9 |
| Torschützen | 8 | 7 |
| Zeitstrafen | 4 | 0 |
| Auszeiten | 2 | 1 |
Drei Dinge fallen auf. Erstens Knudsen: 10 der 26 Tore, beide Siebenmeter verwandelt, in beiden Halbzeiten der Mann, der den Anschluss hielt. Zweitens die Bank: neun Spieler bei Mittelangeln, elf bei Westerland – bei vier Zeitstrafen auf Sylter Seite war das knapp.
Und drittens die schönste Randnotiz des Abends: Auf beiden Seiten stand der Trainer selbst auf dem Feld. Lucca Christiansen, Trainer der SG Mittelangeln, war mit sieben Toren bester Werfer seines Teams. Lars Schnittgard, Trainer des TSV Westerland, kam auf genau einen Treffer. Es war der zum Sieg.
Platz 3 nach dem ersten Spieltag
Die Kreisliga Männer Staffel A hat am 10. Oktober begonnen, und der TSV Westerland steht nach Spieltag eins auf Platz 3 – 2:0 Punkte, Tordifferenz +1, punktgleich mit Glücksburg und Hürup III.
| Pl. | Mannschaft | Sp. | Pkt. | Tore | Diff. |
| 1 | TSV Glücksburg 09 | 1 | 2:0 | 27:23 | +4 |
| 2 | TSV Hürup III | 1 | 2:0 | 22:21 | +1 |
| 3 | TSV Westerland | 1 | 2:0 | 26:25 | +1 |
| 7 | SG Mittelangeln | 1 | 0:2 | 25:26 | –1 |
Für ein Team, das nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga neu zusammengewürfelt wurde, ist das eine Ansage. Vor drei Wochen gegen Jörl-Viöl II hieß es noch: Die Mannschaft muss sich finden. Am Samstag hat sie ein Spiel gewonnen, das sie achtmal hätte aus der Hand geben können – und in der Schlussminute in Unterzahl den Ball dem Mann gegeben, der seit Jahrzehnten weiß, wo das Tor steht.
Das Ziel der Saison war, Spaß zu haben. 16 Sekunden vor Schluss dürfte das erfüllt gewesen sein.
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