Team Sylt: 108 Minuten, 13 Tore und ein Nordfriesen-Haaland
Team Sylt gewinnt gegen die SZ Arlewatt III mit 7:6 (2:2). Neuzugang Jakub Michal Starzak trifft viermal.
Wer am Freitagabend ins Sportzentrum Sylt-Ost gekommen war, bekam reichlich geboten: 108 Minuten Spielzeit, 13 Tore und elf Gelbe Karten. Team Sylt lag zweimal zurück und gewann am Ende mit 7:6 gegen die SZ Arlewatt III. Die Sylter Offensive traf in jeder Phase des Spiels. Die Defensive legte den Begriff Ordnung dagegen sehr großzügig aus. Trainer Rüdiger Mikolassek hatte keinen gelernten Innenverteidiger zur Verfügung. Die Abwehr spielte in dieser Besetzung zum ersten Mal zusammen, und zu Beginn standen mit Anton Felix Borkenhagen und John John Müller zwei Stürmer hinten, die eigentlich für das andere Tor zuständig sind.
In dem Video sind Mitte der zweiten Halbzeit Zuschauer zu hören, die NICHT zu Team Sylt oder SC Norddörfer gehören, sondern vom Festland kamen.
Starzak brauchte sechs Minuten für sein erstes Tor. Er zog mit rechts hart ab und traf unhaltbar in die untere rechte Ecke zum 1:0. Arlewatt antwortete schnell. In der 12. Minute hebelte ein Pass in die Tiefe die Sylter Abwehr aus. Marco Krah kam heraus und versuchte noch zu retten, doch Marvin-Enrico Erhardt traf zum 1:1. Wie schon in Drelsdorf hatte der Sylter Torwart dabei kein Glück.
Nevio Rosowski blieb im gegnerischen Strafraum abgebrüht und brachte Sylt in der 14. Minute wieder in Führung. Vier Minuten später lief er allein auf das Tor zu, scheiterte diesmal aber am Arlewatter Keeper.
In der 24. Minute kam Kapitän Jakub Andrzej Lwow in die Innenverteidigung. Er hatte am Freitagabend noch arbeiten müssen, so ist das in der Kreisklasse. Ruhe brachte er nicht mit, die war offenbar im Feierabendverkehr hängen geblieben.
Das 2:2 in der 29. Minute zeigte, wie es um die Sylter Hintermannschaft stand. Nach einer eigentlich geklärten Situation spielte sie den Ball zuvorkommend direkt in die Füße eines Gegenspielers. Erhardt nahm das Geschenk dankend an und traf zu seinem zweiten Tor. Eine Minute später hatte Starzak die erneute Führung auf dem Fuß, sein Schuss ging aber links am Tor vorbei.
Zur Pause stand es nach einer abwechslungsreichen und spannenden ersten Hälfte 2:2. Danach wurde der Abend zur großen Show der drei Sylter Aktivposten Rosowski, Amir Hassein Ahmadi und Starzak.
Der Start in die zweite Hälfte ging für Sylt daneben. Nach einem leichten Ballverlust hatte Arlewatts Nummer 99 alle Zeit der Welt zum Flanken und fand Marvin Thoms, um den sich niemand kümmerte. Thoms musste in der 47. Minute nur noch einnicken. Arlewatt führte zum ersten Mal an diesem Abend mit 2:3.
Sylt kam schnell zurück. In der 54. Minute spielte Ahmadi Starzak an, der den Torwart umkurvte und zum 3:3 traf. Sieben Minuten später gingen die Gastgeber wieder in Führung. Der Arlewatter Torwart unternahm im eigenen Strafraum einen Ausflug mit unklarem Ziel, und Rosowski traf zum 4:3.
Die Gäste steckten nicht auf. Team Sylt rückte zu weit auf, ein Arlewatter überlief die Verteidigung, und Philipp Clausen glich in der 68. Minute zum 4:4 aus.
Kurz darauf folgte die umstrittenste Szene des Abends. Lwow klärte auf der Linie, die Arme hatte er dabei brav auf dem Rücken verschränkt. Der Schiedsrichter sah trotzdem ein Handspiel und entschied auf Strafstoß. Als Lwow reklamierte, zeigte er ihm in der 72. Minute die Gelbe Karte. Nach den Regeln passt das nicht zusammen: Verhindert ein Feldspieler mit der Hand ein Tor, gibt es neben dem Strafstoß die Rote Karte. Wer auf Handspiel auf der Linie entscheidet, muss also auch Rot zeigen. Nach Sylter Sicht hatte Lwow den Ball aber gar nicht mit der Hand gespielt. Thoms verwandelte in der 73. Minute zum 4:5.
Diese Entscheidung machte die hitzige Partie noch hektischer. Die Vorteilsregel bekam an diesem Abend ohnehin wenig Einsatzzeit, mehrfach pfiff der Schiedsrichter ab, obwohl Vorteil möglich gewesen wäre. Die Szene auf der Linie war aber klar falsch bewertet.
Einige auswärtige Zuschauer machten ihrem Ärger über den Schiedsrichter lautstark Luft. Ahmadi wandte sich daraufhin ans Publikum: „Wir klären das hier selbst.“ Dafür bekam er Applaus, und er sollte recht behalten.
Zunächst war es Starzak, der sich in der 80. Minute energisch durchsetzte und zum 5:5 ausglich. Drei Minuten später traf er zum 6:5, es war sein viertes Tor. Auf dem Video der Szene ist der Jubel deutlich zu hören.
In der 89. Minute erhöhte Stephani Jean Fabrice Randrianaridor auf 7:5. Er war 90 Minuten lang auf der rechten Seite unermüdlich auf und ab gelaufen und belohnte sich mit diesem Treffer.
Erhardt verkürzte in der zweiten Minute der Nachspielzeit auf 7:6, es war sein dritter Treffer. In der 94. Minute verteilte der Schiedsrichter noch drei Gelbe Karten. Nach 108 Minuten war der Sylter Sieg perfekt. Mikolasseks Vorgabe, immer ein Tor mehr zu schießen als der Gegner, setzte die Mannschaft damit auf den Treffer genau um.
Den Spitznamen „Haaland“ trägt Starzak wegen seines Spielstils, der dem des Stürmers von Manchester City ähnelt. Die Fans in Manchester könnten allerdings auch „Jakubooo“ rufen. Starzak hat nach seinen beiden Toren gegen Drelsdorf und den vier gegen Arlewatt mindestens sechs Saisontore erzielt. Haaland stand in der Premier League zuletzt bei fünf.
Die Zahlen: 36 Schüsse, 13 Tore
Wer die Torflut erklären will, muss nur auf die Quote schauen: 36 Torschüsse, 13 Tore, also war mehr als jeder dritte Abschluss drin. Beim 4:0 des SC Norddörfer gegen Stedesand eine Woche zuvor brauchte es sieben Schüsse pro Treffer. Arlewatt machte aus 15 Abschlüssen sechs Tore, in der zweiten Halbzeit vier aus acht. Team Sylt kam auf 21 Schüsse, davon sieben im Netz.
Ein einseitiges Spiel war es nicht. Die Schussbilanz (21:15), Abstöße (16:15) und Fouls (16:16) lagen nah beieinander, nur bei den Ecken hatte Arlewatt mehr (8:5). Aus den 32 Fouls wurden elf Gelbe Karten, sieben gegen Sylt, vier gegen Arlewatt. Drei davon zeigte der Schiedsrichter noch in der Nachspielzeit.
| Team Sylt | SZ Arlewatt III | |
|---|---|---|
| Tore | 7 | 6 |
| Torschüsse 1. Halbzeit | 11 | 7 |
| Torschüsse 2. Halbzeit | 10 | 8 |
| Torschüsse gesamt | 21 | 15 |
| Ecken | 5 | 8 |
| Fouls | 16 | 16 |
| Einwürfe | 35 | 25 |
| Abstöße | 16 | 15 |
| Elfmeter | 0 | 1 (Tor zum 4:5) |
| Gelbe Karten | 7 | 4 |
Schüsse, Ecken, Fouls, Einwürfe und Abstöße per Videoanalyse (Veo) erhoben.
Tore: 1:0 Starzak (6.), 1:1 Erhardt (12.), 2:1 Rosowski (14.), 2:2 Erhardt (29.), 2:3 Thoms (47.), 3:3 Starzak (54.), 4:3 Rosowski (61.), 4:4 Clausen (68.), 4:5 Thoms (73., Strafstoß), 5:5 Starzak (80.), 6:5 Starzak (83.), 7:5 Randrianaridor (89.), 7:6 Erhardt (90.+2)
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