Wer aktuell an den Inselstränden spazieren geht, muss oft Slalom laufen. Überall dekorieren kleine und große, wabbelige Kunstwerke den Sand. Schuld an dieser gallertartigen Flut ist ausgerechnet der Ostwind. Klingt paradox? Ist es auch! Wenn der ablandige Ostwind das Oberflächenwasser aufs offene Meer drückt, strömt als Ausgleich Wasser aus der Tiefe an die Küste zurück – und saugt die Meeresbewohner als Unterströmung unnachgiebig direkt an unsere Strände. Aktuell haben wir zwar Westwind, aber sobald die Strömung wieder auf Ost dreht, heißt es wieder: Augen auf beim Strandspaziergang!
Vorsicht, untoter Glibber brennt auch!
Die wichtigste Regel vorweg: Man könnte meinen, so ein leblos gestrandeter Wabbel im trockenen Sand sei völlig harmlos. Falsch gedacht! Auch tote Quallen oder im Spülsaum liegende, abgerissene Tentakel können noch richtig fies nesseln. Das Gift in den Nesselkapseln bleibt oft auch nach dem Ableben des Tieres noch lange aktiv – echte Strand-Zombies eben. Daher gilt: Auch wenn sie regungslos im Sand liegen, am besten nicht barfuß drauftreten oder mit bloßen Händen auf Kuschelkurs gehen.
Wenn man im Wasser oder am Strand auf die Tiere trifft, ist es hilfreich, die Gäste zu kennen:
- Die imposante Wurzelmundqualle, die gerne mal die Ausmaße einer Familienpizza erreicht, ist für uns völlig ungefährlich.
- Die gefürchtete Feuerqualle macht sich an unseren Stränden zum Glück eher rar.
- Deutlich häufiger kreuzt man hier hingegen den Weg der Kompassqualle oder der Blauen Nesselqualle. Deren Kontakt beschert einem schnell heftige Hautreizungen, Schmerzen oder gar handfeste Kreislaufprobleme.
Die Rache des Strandläufers: Quallen-Snack gefällig?
Während wir uns in Europa meist nur über die Tentakel-Träger ärgern, schmatzt man in Asien genüsslich. Knapp eine Million Tonnen der Tiere landen dort jährlich in den Woks. Von den rund 1.200 existierenden Quallenarten lassen sich gut 30 problemlos verdauen. Für den heimischen Herd eignet sich die feste, völlig ungiftige Wurzelmundqualle am besten (fiese Nesselquallen würden in der Pfanne ohnehin zu Matsch zerfallen).
Wer also kulinarisch mutig ist und seinen Horizont erweitern möchte, kann den Spieß einfach umdrehen.
Rezept für den asiatischen Wabbel-Schmaus
Das brauchst du für die Meeres-Delikatesse:
- 250 Gramm fangfrische Quallen-Ausbeute (ausschließlich die dicke Wurzelmundqualle!)
- 2 Esslöffel Sojasoße
- 1 Esslöffel Reisessig
- 1 Esslöffel Sesamöl
- 1 Teelöffel Zucker
- 1 feingehackte Knoblauchzehe
- 1 Teelöffel frisch gehackter Ingwer
- Für die Optik: Frühlingszwiebeln und Sesamkörner
So wird aus dem Meeresbewohner ein Gourmet-Snack:
- Sandpeeling: Die Qualle extrem ausgiebig unter kaltem Wasser abwaschen. Nichts ruiniert das feine Geschmackserlebnis so sehr wie knirschender Sylter Strandsand zwischen den Zähnen. Danach den festen Schirm in feine Streifen schneiden.
- Wellness-Bad: Die Quallen-Streifen zusammen mit Sojasoße, Reisessig, Sesamöl, Zucker, Knoblauch und Ingwer in eine Schüssel geben. Ordentlich durchmischen und dem Meeresgetier mindestens eine halbe Stunde Ruhe in der Marinade gönnen.
- Ab in die Hitze: Eine Pfanne auf mittlere Temperatur bringen. Die Streifen von jeder Seite etwa zwei bis drei Minuten anbraten, bis sie leicht Farbe bekommen und durch sind.
- Anrichten: Auf einem Teller drapieren, etwas Grünzeug (Frühlingszwiebeln) und Sesam darüberstreuen und am besten zu einer Portion warmem Reis servieren.
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