Während Kampen mit Champagner und Promi-Dichte von sich reden machen möchte, vollzieht sich ein paar Kilometer weiter ein faszinierender Wandel. Keitum entwickelt sich zunehmend zum wahren Herzschlag der Insel. Zwar hat auch Kampen mit Modi’s, dem neuen Breitling-Store oder dem Esel zuletzt frisches Blut bekommen, doch wirkliche, nennenswerte Veränderungen bleiben aktuell aus. In Keitum hingegen formiert sich eine lebendige Gemeinschaft, angetrieben von Machern wie Axel Börgers.
Kaffee, Visionen und die „großen Kleinigkeiten“
Mit Axel in seinem Garten bei einer Tasse Kaffee zu sitzen, ist extrem spannend. Es geht um den Austausch von Visionen und vor allem ums Zuhören, denn der Multi-Unternehmer sprudelt nur so vor Ideen. Er versucht, Keitum mit seinen Aktionen behutsam, aber konsequent weiterzuentwickeln.
Dabei geht es oft um die „großen Kleinigkeiten“, wie etwa die Einführung von Tempo 30. Im Gegensatz zu Orten wie List oder Kampen sind die Straßen im Kapitänsdorf verwinkelt und eng. Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer teilen sich hier notgedrungen Geh- und Fahrweg – und dazwischen navigieren noch die schweren Lkw der Lieferanten. Hier Lösungen zu finden, die den Charme des Ortes erhalten und gleichzeitig Sicherheit schaffen, ist eines der vielen Themen auf seiner Agenda.
Ein Netzwerk, das bewegt: Von AW Fashion bis zum Gänsehof
Die Initialzündung für das neue Gemeinschaftsgefühl gab Alexander Wirth von AW Fashion, der die ortsansässigen Gewerbetreibenden an einen Tisch holte. Aus dieser Runde entstand die Bewegung „Wir Keitum“. Axel Börgers ist heute der kreative Kopf dahinter. Das prägnante Logo der Initiative – ein Herz in den friesischen Nationalfarben, umrahmt von den Worten Fashion, Kunst und Kulinarik – hat er selbst neu designt, bevor eine Künstlerin es noch einmal fein ausgearbeitet hat.
Längst ist daraus ein Netzwerk gewachsen, das das reine Konkurrenzdenken über Bord geworfen hat. Ob Sternekoch Johannes King, Heiner Johannsen mit seinem Edeka, Ana-Rike Jansen vom Grünhof oder Landwirt Kai Petersen vom Gänsehof – sie alle ziehen an einem Strang, tauschen sich aus und beleben das Dorf gemeinsam.
Die Liebe zum Detail: Wackelnde Hummer im AFJ
Axels eigener Laden, AFJ, fällt dabei nicht nur durch die durchaus schöne Fashion auf, sondern vor allem durch die unkonventionellen Details. Schon im letzten Jahr stachen die bedruckten Jutebeutel zu den „Wir Keitum“-Tagen ins Auge.
Ein absolutes Highlight gab es im Frühjahr: Axel präsentierte magnetische Hummer, die auf einer Metallplatte hingen. Sie bewegten ihre Köpfe und sahen in der Masse derart eindrucksvoll aus, dass man gar nicht anders konnte, als fasziniert stehen zu bleiben – da haben wir in der Begeisterung doch gleich mal spontan welche mitverkauft.
Vorfreude auf die „Wir Keitum“-Tage im August
Wenn vom 15. bis 22. August die geplante Keitum-Woche ansteht, wird es kein steriles Zentralevent geben. Stattdessen wird das ganze Dorf zur Bühne für kleine Feste, Lesungen und Aktionen; überall machen die Menschen einfach mit. Nach all den kreativen Vorstößen der letzten Monate sind wir mehr als gespannt, was sich der Visionär für diese Tage noch alles einfallen lässt.
Eines steht jedenfalls fest: Es geht darum, Spuren zu hinterlassen und einen Unterschied für den Ort zu machen – und genau das gelingt in Keitum derzeit authentischer und eindrucksvoller als irgendwo sonst auf Sylt.
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