Die Sommerferien sind da. Die Koffer sind gepackt, die Kinder frei, die Vorfreude groß. Nur einer hat die Einladung offenbar ignoriert: der Sommer selbst. Der Ferienkalender wurde von der Kultusministerkonferenz sorgfältig beschlossen, das Wetter hat ihn vermutlich ungelesen abgeheftet.
Auf Sylt sieht der Plan für die nächsten drei Tage so aus: 16 bis 19 Grad, dazu Regen und morgen noch einmal ordentlich Wind, bevor er ab Mittwoch die Puste verliert. Nachts kuschelige 14 Grad. Die Sonne schaut zwischendurch vorbei, bleibt aber unverbindlich. Man kennt das von ihr.
Und trotzdem: Wer jetzt die Buchung stornieren will, hat Sylt gründlich missverstanden. Diese Insel war nie ein Versprechen auf Liegestuhlwetter. Sie ist eher der Freund, der zu spät kommt, zerzaust zur Tür reinweht und trotzdem der Liebling des Abends ist. Der Wind hier ist keine Störung, er ist Programm. Man geht bei Schietwetter an den Strand, lässt sich durchpusten, sieht der Nordsee beim Angeben zu und belohnt sich anschließend mit Tee, Kuchen oder einem Fischbrötchen, das nach diesem Spaziergang doppelt so gut schmeckt.
Das Schöne am Sylter Wetter ist ohnehin seine Kurzlebigkeit. Wer den Regen nicht mag, wartet einfach eine Stunde. Wer die Sonne nicht mag, auch. Und irgendwann steht man dann doch in den Dünen, die Haare unrettbar, die Laune bestens, und versteht: Sylt ist keine Insel für gutes Wetter. Sylt ist eine Insel für gute Laune. Das Wetter liefert nur die Kulisse. Mal dramatisch, mal freundlich, nie langweilig.




