Es gibt Dinge, auf die ist auf dieser Insel Verlass. Die Gezeiten. Die Preise in Kampen. Und die Marschbahn, die sich immer dann eine kleine Auszeit gönnt, wenn halb Deutschland Ferien hat und die andere Hälfte gerade abreisen möchte. Diesmal ist es wieder so weit, und die Deutsche Bahn hat sich für die Ankündigung ein besonders schönes Zeitfenster ausgesucht: Ab Sonntag, 10 Uhr, fallen alle Fernzüge zwischen Hamburg und Westerland aus. Alle. Ersatzlos. Bis Mittwoch, 13 Uhr.
Der Grund ist ausnahmsweise nicht der Klassiker – kein Bahnübergang, kein Böschungsbrand, keine defekte Weiche bei Lehnshallig. Nein, diesmal wird gebaut, und zwar gründlich: Gleisarbeiten bei Tornesch und die Dauerbaustelle an der Hamburger Sternbrücke legen den Süden der Strecke lahm. Man modernisiert. Für uns. Da möchte man fast gerührt sein.
Die gute Nachricht: Der RE6 fährt – jedenfalls hier oben
Bevor jetzt jemand panisch den Autozug bucht: Zwischen Klanxbüll und Westerland rollt der Regionalverkehr ganz normal weiter. Die Baustellen liegen alle tief im Süden, zwischen Elmshorn und Hamburg – aus Inselsicht also ungefähr auf halbem Weg nach Australien. Wer morgens von Klanxbüll, Niebüll oder Morsum zur Arbeit über den Damm pendelt, steigt in seinen RE6 wie immer.
Wie immer, nur voller. Denn die ausfallenden IC-Züge sind auf dem nördlichen Abschnitt ja mit dem Nahverkehrsticket nutzbar – sie waren die heimlichen Entlastungszüge der Marschbahn. Die fehlen jetzt. Bleibt der RE6, und der darf ab Sonntag alle alleine mitnehmen: die Pendler, die Abreisenden, die Anreisenden, die Koffer, die Hunde und die schlechte Laune. Ein Spaß für die ganze Familie, besonders sonntags zur Abreisewelle und Montagfrüh. Wir empfehlen: früh da sein, tief atmen, Sitzplatz als das betrachten, was er auf dieser Strecke schon immer war – ein Geschenk.
Die weniger gute Nachricht: Aus Hamburg wird’s eine Weltreise
Wer von Hamburg nach Sylt will, braucht bis Mittwochmittag dagegen Abenteuerlust. Der RE6 endet wegen der Sternbrücke ohnehin schon seit Samstag meist in Pinneberg statt in Altona – und das bleibt bis zum 20. August so. Von Sonntag bis Dienstag kommt zwischen Tornesch und Elmshorn noch Busersatzverkehr dazu. Die Reisekette lautet dann sinngemäß: S-Bahn, Regionalzug, Bus, Regionalzug, Hoffnung. Wer das mit zwei Kindern, drei Koffern und einem Bollerwagen plant, sollte die Reisezeit großzügig kalkulieren und die Bordverpflegung ernst nehmen.
Immerhin: Der Autozug zwischen Niebüll und Westerland fährt unbeeindruckt weiter. Wer also ein Auto besitzt oder jemanden kennt, der eines besitzt, hat einen Trumpf im Ärmel. Alle anderen haben den DB Navigator.
Was Sie jetzt tun sollten
Pendler Klanxbüll–Westerland: Alles läuft, nur voller. Puffer einplanen.
Abreise Richtung Hamburg: Bis Mittwoch, 13 Uhr, keine Fernzüge. Verbindung vorher aktuell in DB Navigator oder auf nah.sh prüfen – Ersatzfahrpläne ändern sich bei solchen Lagen gern über Nacht.
Anreise aus dem Süden: Mehr Zeit einplanen. Deutlich mehr.
Ab Mittwoch, 13 Uhr: soll wieder alles regulär fahren. Sagt die Bahn. Wir notieren das mal vorsichtig mit Bleistift.
Und falls es doch länger dauert: Die Insel läuft nicht weg. Das ist bei diesem Küstenschutz ja das Schöne.
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