Hörnum ist immer für eine Überraschung gut. Wo sonst der stete Westwind den Sand über die Dünen peitscht, weht nun ein Hauch von Rotterdam durch den Inselsüden. Die ehemalige „Brandung“ schräg gegenüber dem Tourismus-Service hat eine Metamorphose durchgemacht und erstrahlt nun als „Leuchtturm Lounge“. Wer hier allerdings gediegene Friesenromantik und leise Hintergrundmusik erwartet, hat die Rechnung ohne das neue Dreamteam gemacht. Insel-Urgestein und Muschelfischer Jan Schott fungiert bei diesem Projekt als Mit-Ideengeber und Inhaber, während am Tresen ein Mann das Zepter schwingt, dessen Name Programm für beste Unterhaltung ist: Hans Monster.
Hans ist auf der Insel längst kein Unbekannter mehr. Vor zehn Jahren tauschte der gebürtige Rotterdamer sein hektisches Leben als Marketing-Agentur-Besitzer gegen die Nordseeluft. Nach kurzen Gastspielen hinter Insel-Tresen kutschierte der 54-Jährige acht Jahre lang als Taxifahrer quer über Sylt. Er wunderte sich über Touristen, die ihre Lebensmittel in Koffern nach Wenningstedt schleppten, und studierte ganz nebenbei akribisch, was den Gästen auf der Insel abends wirklich fehlt. Die Erkenntnis: Die Leute wollen nicht nur trinken, sie wollen unterhalten werden. Hans sieht sich dementsprechend auch nur zu 20 Prozent als Barmann und zu 80 Prozent als „Gästebetreuer“.
Und diese Betreuung wird in der Leuchtturm Lounge regelrecht zelebriert. Die echte, ungeschönte holländische Barkultur hält Einzug! Kulinarisch setzt man auf eine wunderbar ehrliche Pragmatik, die jede elitäre Sylter Austern-Attitüde im Keim erstickt. Auf die Feinheiten der heimatlichen Küche angesprochen, gibt Hans unumwunden zu: „Wir frittieren eigentlich alles.“ Neben dem klassischen Flensburger oder alkoholfreien Heineken gibt es Frikandel speciaal, Bitterballen und „Vlammetjes“ – feuriges Hackfleisch im Teigmantel. Wer ganz lieb fragt, bekommt womöglich sogar ein Snickers in die Fritteuse geworfen.
Dass es Hans mit dem Entertainment ernst meint, zeigt ein Blick in die Lounge. Ein interaktiver Hightech-Spieltisch leuchtet neben dem Dartautomaten, und gewaltige Boxen warten nur darauf, beim Public Viewing der WM 2026 die Wände in Hörnum wackeln zu lassen – notfalls auch bis tief in die Nacht, wenn in Übersee spät angepfiffen wird. Doch damit nicht genug: In Hans‘ kreativem Kopf spuken bereits herrlich verrückte Ideen für die Zukunft. Wie wäre es mit einer eigenen Talkshow? Oder einem „Big Lebowski“-Abend, bei dem die Gäste stilecht im Bademantel am Tresen lehnen?
Die Leuchtturm Lounge ist ein Ort, der sich selbst erfreulich wenig ernst nimmt, dafür aber seine Gäste umso mehr. Dass Hans ein absoluter Meister der Betreuung ist, zeigte sich übrigens schon bei den Dreharbeiten der Wochenshow. Da wird dann auch gerne mal die schwere Kamera abgesetzt, um sich mit dem Wirt völlig tiefenentspannt auf feinstem Niederländisch über die Heimat auszutauschen – sehr zum Leidwesen der restlichen Crew, die derweil durstig auf dem Trockenen sitzt.
Hörnum ist um eine laute, herzliche und herrlich unkonventionelle Attraktion reicher. Ein Besuch lohnt sich definitiv – und sei es nur, um herauszufinden, ob Hans seinen Gästen wirklich jeden Wunsch von den Lippen – oder aus der Fritteuse – ablesen kann.




