Sylt News – Wenn dem Sprayer die Rechtschreibung ausgeht
An einer grauen Backsteinwand in einer Seitenstraße unweit der Strandstraße hat sich dieser Tage ein kleines Drama in roten Großbuchstaben abgespielt. Gleich mehrfach prangt da, in kräftigem Rot und mit der üblichen Subtilität, das altbekannte Kürzel „ACAB“. Für alle, die sich fragen, welch geistige Großtat dahintersteckt: Das Kürzel stammt ursprünglich aus britischen Gefängnissen der 1940er Jahre und richtet sich pauschal gegen die Polizei. Schon damals war es weder besonders originell noch besonders klug – und daran hat sich in rund achtzig Jahren erstaunlich wenig geändert. Es ist und bleibt eine plumpe Pauschalbeleidigung, die vor allem eines beweist: dass dem Verfasser zu einem differenzierten Gedanken schlicht die Farbe fehlt.
Doch damit nicht genug. Offenbar vom eigenen künstlerischen Schwung mitgerissen, verewigte sich der unbekannte Wandgestalter gleich noch ein paar Zentimeter weiter – und schaffte es dabei, sogar am eigenen Vier-Buchstaben-Wort zu scheitern. „AOAB“ steht da nun, und die Insel rätselt: Was mag das bedeuten? „All Officers Are Buchstabierschwach“? „Ausnahmslos Ohne Ahnung, Basta“? Vielleicht auch schlicht „Am Objekt Alphabet Blamiert“. Ob es sich um eine kühne Neuinterpretation des Alphabets, einen spontanen Beitrag zur Legasthenieforschung oder das Ergebnis eines Konzentrationsverlusts handelt, der zeitgleich mit der Sprühdose einsetzte – das bleibt das Geheimnis des Meisters. Man kennt ja den alten Spruch: Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Selten hat er sich so wörtlich, so buchstäblich und so buchstabierschwach bewahrheitet.
Nun mag mancher einwenden, so ein bisschen Farbe an der Wand sei doch halb so wild. Ist es aber nicht. Und das ist der Punkt, an dem der Spaß aufhört: Was hier steht, ist keine Streetart, kein mutiges Statement, keine Provokation mit Botschaft. Es ist schlicht Sachbeschädigung. Wer echte Graffiti-Kunst kennt – aufwendige Werke, Können, Farbe mit Idee dahinter –, der weiß: Das hier hat damit exakt nichts zu tun. Hier hat jemand eine fremde Hauswand, mutmaßlich bei Regen und im Schutz der Dämmerung, mit Frust und Farbe vollgeschmiert. Am Ende steht ein privater Eigentümer, der die Sauerei auf eigene Kosten wieder abtragen darf. Farbe auf Backstein bekommt man nicht mit einem feuchten Lappen weg; das bedeutet Fachfirma, Strahlgerät und eine Rechnung, die niemand freiwillig zahlt.
Bleibt am Ende die nüchterne Erkenntnis: Hier war weder Kunst noch Haltung am Werk, sondern Dummheit mit ruhiger Hand – und einem schütteren Wortschatz. Die Insel hat schon klügere Köpfe gesehen und deutlich bessere Rechtschreiber. Wer glaubt, mit vier roten Buchstaben die Welt verbessern zu müssen, sollte vielleicht erst einmal die Ordnung im eigenen Alphabet wahren. Und wer partout sprühen muss, sei an ein bewährtes Hausmittel erinnert: Es gibt Papier. Das ist geduldig, verzeiht Tippfehler – und kostet keinen fremden Menschen die Reinigungsrechnung.
Wer Hinweise zu den Verantwortlichen geben kann, wendet sich an die örtliche Polizei. Sachbeschädigung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat – und wird auch so verfolgt.
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