14 Meter hohe Wellen: Wie wild war die Nordsee vor Sylt wirklich?
Das BSH hat bei den Stürmen „Luise“ und „Manja“ Wellen bis 14 Meter gemessen. Nur nicht vor Sylt. Was die Zahlen bedeuten und was vor der Insel los war.
Auf Sylt war „Manja“ für manche vor allem ein Orkan, der eher in den Schlagzeilen wehte. Draußen auf der Nordsee sah das anders aus. Dort hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am 25. und 26. Oktober Werte gemessen, bei denen selbst Fachleute von „außergewöhnlich hohen Wellen“ sprechen.
Die Zahl, die seitdem durch die Medien läuft, lautet 14 Meter. Bevor jetzt jemand am Weststrand nach Spuren sucht: Diese 14 Meter wurden nicht vor Sylt gemessen.
Wo die 14 Meter herkommen
Gemessen hat sie die BSH-Station „Deutsche Bucht“. Die steht in einem Windpark etwa 95 Kilometer nordwestlich von Borkum, also eher vor Ostfriesland als vor Nordfriesland. „An der Station ‚Deutsche Bucht‘ … wurden signifikante Wellenhöhen von etwa neun Metern mit maximalen Werten von bis zu 14 Metern gemessen“, heißt es in der Mitteilung des BSH.
Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen ist wichtig. Die signifikante Wellenhöhe ist der Mittelwert aus dem höchsten Drittel aller Wellen in einem Messzeitraum. Sie beschreibt also, wie rau die See insgesamt war. Die 14 Meter sind dagegen die höchsten einzelnen Wellen, gemessen vom Tal bis zum Kamm. Einzelne Ausreißer, aber eben sehr große.
Und vor Sylt?
Ganz ruhig war es vor der Insel trotzdem nicht. Auf der Forschungsplattform FINO3, etwa 45 Seemeilen vor Sylt, maß das BSH Windgeschwindigkeiten von bis zu 37 Metern pro Sekunde. Das sind rund 133 Kilometer pro Stunde, also Orkanstärke. Die höchsten Wellen erreichten dort etwa zehn Meter.
Zum Vergleich: Zehn Meter, das ist ungefähr ein dreistöckiges Haus. Gut, dass zwischen FINO3 und dem Strandkorb noch reichlich Nordsee liegt.
Warum gemessen wird
Die FINO-Plattformen in Nord- und Ostsee messen seit mehr als 20 Jahren Wind und Seegang. Die Daten fließen in die Planung von Offshore-Windparks, in den Bau und Betrieb von Anlagen auf See und in die Forschung. „Solch hoher Seegang beeinträchtigt nicht nur die Sicherheit der Seeschifffahrt; auch die Windparks in der Nordsee müssen den starken Belastungen standhalten“, schreibt das BSH. Die Messungen helfen auch dabei, Vorhersagemodelle zu verbessern.
Was das für die Insel hieß
Auf dem Festland und auf den Inseln hatte man vorgesorgt. Die Inselfähren in der Nordsee stellten ihren Betrieb vorübergehend ein, und auf Sylt stoppten am 25. Oktober beide Autozüge. Rückblickend wirkt das nicht übervorsichtig, sondern ziemlich vernünftig.
Wer also beim nächsten Sturm am Fenster steht und findet, so schlimm sei es doch gar nicht: Das stimmt meistens für den Garten. Für die Nordsee eher selten.
Quellen: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Hamburger Abendblatt
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