Sylt/Kiel. Wissenschaftler rätseln seit Jahren, aber am 1. Februar 2026 wurde der endgültige Beweis erbracht: Wenn man Menschen auf einem Haufen Sand aussetzt, der komplett von Wasser umzingelt ist, lernen sie zwangsläufig, sich darin schneller zu bewegen als der Rest der Menschheit.
An besagtem Sonntag haben die Damen der Schwimmsparte des TSV Westerland/Sylt e.V. nämlich nicht einfach nur an der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft (DMS) teilgenommen. Nein, sie haben die Festland-Konkurrenz mit einer fast schon unhöflichen Dominanz in Grund und Boden – pardon – in Grund und Wasser geschwommen.
Der „biologische“ Vorteil Mit einem Gesamtergebnis von 12.678 Punkten sicherte sich das Team den direkten Durchmarsch in die 1. Landesliga. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Über 700 Punkte Vorsprung vor den Zweitplatzierten aus Heide und den Dritten von Neptun Kiel. Das ist im Schwimmsport kein „Vorsprung“ mehr, das ist eine andere Postleitzahl. Böse Zungen könnten behaupten, es sei unfair, echte Insulanerinnen gegen Menschen antreten zu lassen, die Wasser meist nur aus der Dusche kennen.
Die Hauptdarstellerinnen des Wasserballetts Besonders eilig hatte es Hailey-Moreen Klusch (Jahrgang 2007). Als fleißigste Punktesammlerin (2.203 Punkte) pflügte sie durch das Becken, als würde die letzte Fähre warten. Mit 29,13 Sekunden über 50 Meter Freistil war sie so schnell, dass mancher Zuschauer noch nicht mal seinen Kaffee umgerührt hatte, als sie schon wieder am Beckenrand anschlug.

Dann wäre da noch Johanna Gerlach (2012), die physikalische Gesetze offenbar nur als grobe Empfehlung betrachtet. Sie verbesserte sich über 200 Meter Lagen mal eben um über zehn Sekunden. Zehn Sekunden! In der Schwimmerwelt ist das eine Ewigkeit, in der man sich normalerweise noch kurz die Haare föhnen könnte.
Auch Leni Klukas (2011) kratzte an der 2.000-Punkte-Marke und schmetterte (im wahrsten Sinne des Wortes) über 100 Meter Schmetterling zu einer neuen Bestzeit. Scheinbar ist der Weg zum Festland weit, da trainiert man sich besser rechtzeitig Ausdauer an.
Magdeburg, zieht euch warm an! Besonders bitter für das Binnenland: Die Sylter Invasion weitet sich aus. Tilda Thielebein (2013) und Emma Grothkopp (2014) qualifizierten sich mit ihren Fabelzeiten direkt für die Norddeutschen Meisterschaften in Magdeburg. Magdeburg liegt bekanntermaßen nicht am Meer – man darf gespannt sein, ob das dortige Wasser mit so viel nordfriesischer Kompetenz überhaupt klarkommt.
Komplettiert wurde das „Überfallkommando“ von Vasilisa Khramkov, Chiara Ruge, Ella Raspé, Paula Ulrich, Lotta Talida Lunk und der (zum Glück für die Konkurrenz) erkrankten Ursula Dünne.
Es ist erst das zweite Jahr nach der ersten Meldung, und schon sind die Sylter Damen in der höchsten Landesklasse angekommen. Man könnte fast meinen, Schwimmen läge in der Natur der Sache, wenn der Schulweg theoretisch durch die Nordsee führen könnte. Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg – die 1. Landesliga sollte schon mal die Deiche erhöhen!




