Sylt hat ein Buch geschrieben. Alexander Lenz hat es nur notiert — so jedenfalls erzählt er es. Und wer die ersten Seiten liest, ist geneigt, ihm das zu glauben. Seit gestern liegt die Neuerscheinung in den ersten Läden der Insel.
Es gibt viele Bücher über Sylt. Bildbände, in denen der Himmel immer richtig steht. Reiseführer, die wissen, wo man parkt. Und dann gibt es jetzt dieses eine Buch, das anders anfängt, weil es jemand anderes erzählt: die Insel selbst. In „Söl. Ich. Ein Geständnis“ kommt Sylt höchstpersönlich zu Wort — eigensinnig, zärtlich, manchmal spöttisch, manchmal schwermütig. Eine Insel, die von „meinen Dünen“ spricht, von „meinen langsamsten und beharrlichsten Geschöpfen“, und die sich, wie sie selbst zugibt, herzlich wenig um menschliche Kalender schert.
Alexander Lenz, auf Sylt aufgewachsen, hat dieser Stimme zugehört. Auf 248 Seiten im handlichen DIN-A5-Format führt das Buch zu über hundert Orten — zu den großen, weltberühmten, und zu jenen, die sonst nur die Insel selbst kennt. Der Ellenbogen ist dabei und die Wanderdünen von List, aber eben auch die Klöntür, das Möwen-Ballett, die Panzerstraße oder der Bastianplatz. Orte, an denen man tausendmal vorbeigelaufen ist, ohne zu ahnen, dass sie eine Geschichte haben. Jedes Kapitel endet mit einem kleinen, praktischen Wink, was man dort tun sollte — und gelegentlich auch, was besser nicht. („Nicht ins Wasser gehen“, rät die Insel am Ellenbogen. Sie meint es gut.)
Dass hier einer schreibt, der nicht zu Besuch war, sondern zu Hause ist, merkt man auf jeder Seite. Lenz erzählt im Vorwort von einer Kindheit, in der das Kinderzimmer im Sommer für die Gäste geräumt wurde und es dafür in den Keller ging. Von Quallenfallen am Strand, vom Angeln am Munkmarscher Hafen mit Wattwürmern als Köder, von tauben Fingern beim Muschelsammeln am Ellenbogen im Winter. Und von diesem einen Geruch — Salz, Tang, nasse Erde nach Regen aus Westen —, den man ein Leben lang nicht vergisst. „Das ist mein Sylt“, schreibt er. „Nicht das der Hochglanzprospekte.“
Vielleicht ist das der eigentliche Ton des Buches: keine Postkarte, sondern ein Geständnis. Mal wild, mal ruhig, mal humorvoll, mal melancholisch — wie die Insel eben selbst. Wer Sylt kennt, wird sich wiedererkennen. Wer Sylt noch kennenlernen will, bekommt einen Führer, wie es ihn so noch nicht gab: einen, in dem das Reiseziel selbst das Wort führt.
Auch optisch ist das Buch ein Stück Insel. Das Cover stammt von Lotte Dänner — gezeichnet mit Bleistift, einem Schaf und einer Präzision, die man nicht lernen kann, wie es in der Danksagung heißt. „Das Cover ist nicht Illustration. Es ist Heimat.“ Die Bilder im Buch hat unter anderem Nick Bosch beigesteuert, einer, der hingeschaut hat, wo andere weggeguckt hätten.
Und dann ist da noch diese eine Sache, über die man auf der Insel vermutlich bald schmunzeln wird: Die erste Auflage enthält einen Druckfehler. Nicht irgendeinen — den vielleicht charmantesten Druckfehler, den ein Buch über eine eigensinnige Insel haben kann. Der Verlag nimmt es sportlich und erklärt die Erstausgabe damit kurzerhand zur Limited Edition. Es passt ja auch: Eine Insel, die seit Jahrhunderten macht, was sie will, lässt sich auch von einer Druckerei nicht vollständig bändigen. Wer jetzt zugreift, hält also ein Exemplar in den Händen, das es so kein zweites Mal geben wird.
Besonders berührend ist die Widmung an all jene, die das Buch bestellt haben, bevor es überhaupt existierte. „Das ist kein Kauf. Das ist Vertrauen. Dieses Buch gehört auch euch“, schreibt Lenz. Diese Vorbesteller halten ihr Exemplar inzwischen in den Händen — alle Vorbestellungen sind ausgeliefert.
Seit gestern ist „Söl. Ich. Ein Geständnis“ nun auch im Handel. Erhältlich ist es bislang bei Abbys in Rantum, bei Modis in Kampen, in Keitum bei AFJ sowie am Kiosk an der Autoverladung bei Pascal — weitere Verkaufsstellen auf der Insel kommen in den nächsten Tagen dazu. Das Buch kostet 24,90 Euro und ist im Söl Verlag erschienen.
Über 100 Orte. Eine Stimme. Ein Geständnis. Man könnte auch sagen: Sylt hat endlich einmal selbst erzählt, wie es wirklich ist. Alexander Lenz war so freundlich, mitzuschreiben. Mehr darüber auch im Sylter-Fernsehen
Alexander Lenz: „Söl. Ich. Ein Geständnis“, Söl Verlag 2026, 248 Seiten, DIN A5, 24,90 Euro, ISBN 978-3-9825883-8-4. Erhältlich u. a. bei Abbys (Rantum), Modis (Kampen), AFJ (Keitum) und am Kiosk an der Autoverladung — weitere Verkaufsstellen folgen.
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