Die Nordsee ist für uns normalerweise der Inbegriff von Erholung, frischer Brise und sorgenfreier Auszeit. Doch die Gezeiten spülen gelegentlich nicht nur Treibholz und Bernstein an, sondern auch die weitaus düstereren Kapitel des echten Lebens. Nur einige Inseln und Sandbänke weiter südlich von uns, auf dem Süderoogsand, endete die letzte Reise eines Hamburger Unternehmers auf tragische Weise – ein Fall, der nun auch unsere heimische Polizeidirektion in Flensburg intensiv beschäftigt.
Die Geschichte, die derzeit die Flensburger Kriminalpolizei in Atem hält – die bekanntlich auch für die Sicherheit in unseren Sylter Dünen zuständig ist –, liest sich wie ein unheilvoller Küsten-Krimi. Am 29. April 2024 stach der Hamburger Unternehmer Frank P. im niedersächsischen Stade allein mit einem hochseetauglichen Festrumpfschlauchboot in See. Während sein Boot wenig später führerlos auf der Außenelbe-Reede vor Cuxhaven im Wasser dümpelte, dauerte es bis zum 9. Juli 2024, bis das Wattenmeer den Verstorbenen auf der unbewohnten Sandbank freigab.
Ein tragisches Bootsunglück? Die Ermittlungsbehörden sind da skeptisch. Die Kriminalisten aus Flensburg schließen ein vorsätzliches Tötungsdelikt nicht aus. Da konkrete Hinweise auf Täter bislang fehlen, ging die Polizei nun an die breite Öffentlichkeit: Der mysteriöse Fall wurde am gestrigen Mittwochabend bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ einem Millionenpublikum präsentiert.
Warum das auch auf unserer Insel Thema sein sollte? Die maritime Route über die Elbe Richtung Nordsee wird nicht selten auch von gut betuchten Wochenend-Kapitänen und Nordsee-Liebhabern genutzt, die zu uns oder den Nachbarinseln pendeln. Die Hamburger und Schleswig-Holsteiner Boots-Community ist bestens vernetzt. Wer am besagten 29. April 2024 gegen 08:30 Uhr an der Anlegestelle „Gewerbepark Grünendeich“ im Landkreis Stade oder später im Bereich der Außenelbe-Reede etwas Auffälliges beobachtet hat, könnte unwissentlich den entscheidenden Puzzlestein besitzen.
Für Hinweise, die zur Ergreifung eines möglichen Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Flensburg eine Belohnung in Höhe von 7.000 Euro ausgelobt – eine Summe, die durchaus für das eine oder andere exquisite Abendessen in den heimischen Spitzenrestaurants reicht, aber vor allem helfen könnte, ein dunkles Kapitel in unserem Wattenmeer aufzuklären.
Wer etwas gesehen hat (auch scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten) oder über Foto- und Videoaufnahmen aus dem entsprechenden Zeitraum verfügt, erreicht die Polizei Flensburg unter der 0461-484 5555. Wer lieber unerkannt bleiben möchte, kann die anonyme Rufnummer 0160 20 68 666 nutzen. Digitales Material lässt sich bequem über das Hinweisportal der Landespolizei (sh.hinweisportal.de) hochladen.



