Es war das große Schreckgespenst, das durch die Flure der Sylter Rathäuser und die Wohnzimmer der Vermieter geisterte: Die neue EU-Verordnung zur Kurzzeitvermietung. Ab Mai 2026 sollte alles anders werden – Registrierungsnummern, totale Transparenz und das Ende der digitalen Freiheit auf Portalen wie Booking.com oder Airbnb. Doch wir von SYLT1 können euch beruhigen: Das „Damoklesschwert“ entpuppt sich vorerst als stumpfes Buttermesser.
Was lange währt, wird… erst mal gar nichts
Erinnert ihr euch? Wir hatten es bereits vor einigen Monaten prophezeit. Während Brüssel sich die Welt so schön digital und geordnet vorstellt, regiert auf unserer Insel das „Prinzip Realität“. Denn damit die Registrierungspflicht überhaupt greift, bräuchte es eine sogenannte Zweckentfremdungssatzung und ein digitales Verfahren der Gemeinde.
Und hier kommt der charmante Sylter Schutzschirm ins Spiel: Unsere Verwaltung ist mit der Überarbeitung der rund 110 Bebauungspläne und dem Stapel an Bauanträgen so herrlich ausgelastet, dass für neue, komplexe Satzungen schlichtweg die Zeit (und vielleicht auch die Lust) fehlt.
Der „passive Schutzschirm“ der Überlastung
Es ist fast schon ironisch: Die oft beklagte Langsamkeit der Bürokratie wird hier zum besten Freund der Gastgeber. Solange das Rathaus nicht offiziell „Ja“ zur Zweckentfremdungssatzung sagt, bleibt alles beim Alten. Für die Vermieter bedeutet das: Aufatmen!
Eure Objekte können auch weiterhin ohne die magische Nummer in den großen Portalen glänzen. Ob eine Vermietung im Einzelfall vielleicht gar nicht so ganz legal ist, spielt für die Darstellung auf Booking.com & Co. vorerst keine Rolle. Wo kein Kläger (und kein digitales Meldesystem), da kein Richter.
Ein Instrument für die (ferne) Zukunft
Natürlich hält sich die Gemeinde Sylt die Option offen, dieses Werkzeug irgendwann aus der Schublade zu holen – als „zusätzliches Instrument“, wie es aus dem Rathaus heißt. Aber bis es so weit ist, fließt noch viel Wasser das Morsum Kliff hinunter.
Die Insel bleibt – zumindest in Sachen Vermieter-Bürokratie – vorerst eine gallische Enklave der Gelassenheit. Wer hätte gedacht, dass wir der Arbeitsüberlastung im Bauamt einmal dankbar sein würden?
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