Zwei Gleise für ein Halleluja – Petition will Marschbahn-Geld aus Berlin festnageln
Wer regelmäßig mit der Marschbahn nach Sylt fährt, kennt das Gefühl: Man sitzt im Zug, schaut aufs Watt, schaut auf die Uhr, schaut wieder aufs Watt. Das Watt bleibt, die Zeit vergeht. Damit sich das irgendwann ändert, kursiert derzeit eine Online-Petition, die vor allem über WhatsApp die Runde macht. Ihr Anliegen: Der Bund soll den zweigleisigen Ausbau der Strecke nicht nur gut finden, sondern auch bezahlen.
Gut finden tut er ihn nämlich schon. Im Mai hat der Bundestag beschlossen, dass die beiden eingleisigen Nadelöhre (Niebüll–Klanxbüll auf dem Festland und Morsum–Tinnum auf der Insel) ein zweites Gleis bekommen sollen. Das Land Schleswig-Holstein hat längst die Ärmel hochgekrempelt und streckt die Planungskosten aus eigener Tasche vor. Fehlt also nur noch eine Kleinigkeit: das Geld. Genauer gesagt, eine verbindliche Zusage aus dem Bundeshaushalt.
Und da wird es spannend. Im November beschließt der Bundestag den Haushalt für 2027. Die Initiatoren der Petition sehen darin den Moment der Wahrheit: Entweder bleibt der Ausbau planbar, oder es droht, was man im Norden inzwischen als Dreiklang kennt: Verzögerung, Kostensteigerung, Ungewissheit. Frühere Medienberichte, wonach der Bund einzelne Projekte wie dieses erst nach 2045 oder 2050 anpacken wolle, haben die Nerven an der Westküste nicht gerade beruhigt.
Dabei sind die Zahlen eindeutig. Rund 7.300 Menschen steigen der Petition zufolge täglich allein am Bahnhof Westerland ein oder aus: Pendler, Azubis, Handwerker, Patienten auf dem Weg zum Arzt, Urlauber auf dem Weg zum Fischbrötchen. Die Strecke gilt als störungsanfällig, und wer morgens zur Arbeit auf die Insel muss, plant inzwischen einen Puffer ein, der früher für eine Fährüberfahrt nach Helgoland gereicht hätte. Landesverkehrsminister Claus Ruhe Madsen sprach im Frühjahr sinngemäß von einer giftigen Mischung aus Bahntechnik fürs Museum und einer hoffnungslos überlasteten Strecke. Selten hat ein Minister so liebevoll über eine Bahnlinie geredet.
Die Petition richtet sich nun an alle, die finden, dass ein Beschluss ohne Geld ungefähr so viel wert ist wie ein Strandkorb ohne Strand. Unterschreiben kann man online, ein Klick genügt. Ob er in Berlin gehört wird, entscheidet sich im November. Bis dahin gilt auf der Marschbahn das alte Sylter Motto: Ankommen tut man immer, nur wann, das weiß der Wind.
Zur Petition: actionnetwork.org/petitions/marschbahn
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