Die blau-weißen Kisten im Wind – am Bahnhof Westerland
Sylt hat eine neue Attraktion. Sie steht direkt vor dem Bahnhof, ist fünffach vorhanden, strahlend blau und hat sogar ein Schloss, das man von innen abschließen kann. Die Rede ist von den mobilen Toiletten, die die Deutsche Bahn vor dem Bahnhof Westerland aufgestellt hat.
Viele dachten zuerst, die Bahn habe endlich auf die Pendler gehört, die sich nach 21 Uhr fragen, wohin mit sich. Die Bahn hat das freundlich klargestellt: Das WC-Center wird renoviert, die Klos sind eine Übergangslösung, bis der Rohrbruch behoben ist. Die Pendler haben also nur zufällig Glück gehabt. Das ist bei der Bahn ja schon etwas.
Dabei passen die fünf Blauen so gut zum Bahnhof, dass man sich fragt, warum sie nicht bleiben dürfen. Denn wer hier auf den Zug wartet, hat Zeit. Viel Zeit. „Verspätung ca. 40 Minuten“ ist auf der Marschbahn keine Warnung, sondern eher eine Einladung. Wenn dann noch „Zug fällt aus“ auf der Anzeige erscheint, weiß der erfahrene Sylter: Jetzt kann man in Ruhe ein Fischbrötchen essen, den Sonnenuntergang anschauen und vielleicht die Kinder großziehen. Für so lange Wartezeiten ist ein festes Örtchen kein Luxus. Es gehört zur Grundausstattung.
Man stelle sich vor, die Klos blieben einfach stehen. Sie wären die zuverlässigste Einrichtung am ganzen Bahnhof: pünktlich da, kein Schienenersatzverkehr, keine Weichenstörung, kein „Grund dafür ist eine Reparatur am Zug“. Nur ein Frostschaden könnte ihnen etwas anhaben, und der kommt auf Sylt bekanntlich auch im August.
Natürlich sieht nicht jeder gern Baustellen-Klos auf der schönsten Insel der Welt. Aber seien wir ehrlich: Es gibt Schlimmeres als ein Dixi vor dem Bahnhof. Zum Beispiel gar keins, um 21:15 Uhr, bei Gleisstörung in Niebüll.
Am 30. September sollen die fünf wieder abgeholt werden, falls der Abholwagen denn pünktlich kommt. Bei der Bahn weiß man ja nie. Vielleicht bleiben sie doch noch eine Weile. Wir würden uns freuen.
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