Adler-Schiffe streicht ab 21. September einzelne Fahrtage. Offizieller Grund: Diesel. Der tatsächliche Grund ist derselbe, er kostet nur gerade 2,43 Euro pro Liter.
Drei Schiffe der Reederei Adler-Schiffe fahren ab Montag, dem 21. September 2026, an einzelnen Tagen nicht mehr. Die „Adler Rüm Hart“ legt sonntags und montags Liegetage ein und bedient Dagebüll nur noch dienstags und mittwochs, an den übrigen Fahrtagen startet sie in Wyk. Der „Adler-Express“ nimmt sich den Montag frei, zwischen Dienstag und Donnerstag ändern sich einzelne Verbindungen zwischen Nordstrand, Hooge, Amrum und Sylt, von Freitag bis Sonntag bleibt alles beim Alten. Die „Adler CAT“ macht ebenfalls montags Pause, die Helgoland-Fahrten am Dienstag und Mittwoch bleiben.
Als Begründung nennt die Reederei die stark gestiegenen Dieselpreise. Weniger Verbrauch, weniger CO2. Beides stimmt gleichzeitig, und für einen Satz in einer Pressemitteilung ist das eine bemerkenswerte Doppelverwertung.
Was hinter der Zahl steht
Der Dieselpreis ist in diesem Jahr durch die Decke gegangen. Das Statistische Bundesamt meldet für den 14. September 2026 einen Tagesdurchschnitt von 2,43 Euro je Liter, 4,3 Prozent mehr als in der Vorwoche. Der ADAC verzeichnet für den August einen Monatsschnitt von 2,223 Euro, und der 7. April 2026 war mit 2,446 Euro je Liter der teuerste Tanktag seit Beginn der Preisaufzeichnungen. Zur Erinnerung: Im September 2022, als das Land den Spritpreis wochenlang in den Hauptnachrichten hatte, lag der Diesel bei 2,10 Euro.
Die Ursachen liegen teils weit weg, teils erstaunlich nah. Internationale Konflikte treiben den Rohölpreis, und im Westen Deutschlands hat nach ADAC-Angaben ein Rhein-Pegel unter zehn Zentimetern am Messpunkt Kaub den Kraftstofftransport per Binnenschiff gestört. Der Rhein führt zu wenig Wasser, deshalb fahren an der Nordsee Schiffe seltener. Man muss sich die Zusammenhänge dieser Volkswirtschaft nicht ausdenken, sie liefert selbst.
Für die gewerbliche Schifffahrt kommt eine Besonderheit dazu: Sie ist von der Energiesteuer befreit. Ein Ausflugsschiff zahlt also nicht die 47 Cent Energiesteuer und nicht die CO2-Abgabe, die auf jeder Tankquittung an Land stehen. Was durchschlägt, ist der reine Produktpreis, und der schwankt ohne dämpfende Steuerquote umso heftiger. Wenn eine Reederei mit 29 Schiffen anfängt, Fahrtage zu zählen, hat das eine Vorgeschichte in der Buchhaltung.
Wie groß der Einschnitt wirklich ist
Überschaubar. Die Nordseesaison endet am 1. November, es geht also um sechs Wochen. Der „Adler-Express“ fuhr in diesem Jahr ohnehin bis zum 18. Mai montags nicht, der freie Montag kehrt am Saisonende lediglich zurück. Von Freitag bis Sonntag, wenn die Tagesgäste kommen, ändert sich nichts.
Spürbar wird es an anderer Stelle. Hörnum lebt im Herbst von Tagesgästen, die mittags aufs Schiff steigen und nachmittags in der Hafenstraße stehen. Jeder gestrichene Fahrtag ist ein Tag ohne diese Leute, und die Fischbrötchenwirtschaft an der Südspitze rechnet in Stückzahlen, nicht in Quartalen. Für Föhr und Amrum gilt dasselbe mit umgekehrtem Vorzeichen.
Und der Fluchtweg nach Föhr, den wir an dieser Stelle gestern in aller Ausführlichkeit rekonstruiert haben, hat ab sofort zwei Liegetage. Wer unsere Ortsschilder zurückbringen möchte, sollte den Fahrplan vorher prüfen.
Was Adler sonst noch alles anbietet
Wer die Reederei nur als Fähre nach Amrum kennt, unterschätzt den Umfang des Programms erheblich.
Ab Hörnum fährt der „Adler-Express“ um 12:00 nach Amrum, Aufenthalt rund dreieinhalb Stunden, Rückkehr gegen 17:10. Dieselbe Abfahrt bringt Gäste zur Hallig Hooge, dort mit gut zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Richtung Festland geht es um 12:00 und 17:15 nach Nordstrand, die Hin- und Rückfahrt kostet 52,50 Euro, über Amrum und Dagebüll 65 Euro. Autos nimmt das Schiff nicht mit, was den Charme der Verbindung ausmacht.
Dazu kommen die Seehundfahrten ab Hörnum und ab List, inklusive Seetierfang mit Erläuterung durch die Schutzstation Wattenmeer. Zwischen Sylt und Amrum liegt eines der größten Seehundsrudel der deutschen Nordseeküste, vor Hörnum werden bis zu 1000 Tiere angegeben. Die Kutter „Gret Palucca“ und „Rosa Paluka“ fahren ab List zu Austernbank- und Krabbentouren mit Verkostung an Bord, zum Whisky-Tasting oder zum Makrelenangeln auf offener See. Ab Hörnum gibt es mit der „Adler VI“ die Muschelsafari zur Sylter Muschelkultur, 90 Minuten, Verkostung und ein Glas Wein inbegriffen. Für alle, die das Wattenmeer lieber laut mögen, liegt die MS „KOI“ als Partyschiff bereit.
Weiter draußen: Die „Adler CAT“ verbindet Helgoland mit dem Festland und Cuxhaven mit Sylt. Ab Nordstrand fährt die flachgehende „Adler V“ zu den Halligen Gröde und Nordstrandischmoor sowie nach Pellworm, Gröde immerhin die kleinste Gemeinde Deutschlands. Im Programm stehen außerdem Whisky-Verkostungen auf Föhr und Dinnerfahrten auf dem Schaufelraddampfer „Freya“.
Die Reederei sitzt in der Boysenstraße in Westerland, fuhr ihre erste Tour 1950 mit einem Fischkutter von Nordstrand nach Nordstrandischmoor und wird seit 1986 in zweiter Generation von Sven Paulsen geführt. Aus einem Kutter sind 29 Passagierschiffe geworden, von der Kieler Förde über Wismar bis Swinemünde. Wer in diesem Maßstab Treibstoff einkauft, merkt jeden Cent doppelt.
Für die Reiseplanung
Adler-Schiffe bittet Gäste, sich vor der Buchung über die aktuellen Fahrtage zu informieren. Das ist in diesem Fall mehr als die übliche Floskel am Ende einer Mitteilung, denn die Änderungen betreffen einzelne Wochentage und einzelne Verbindungen, nicht ganze Routen. Fahrpläne und Buchung: www.adler-schiffe.de, Servicenummer 04651 – 9870888.
Wer montags ans Schiff denkt, denkt in den nächsten sechs Wochen besser an den Dienstag.
Bild von Maurids Grode






