Sylter trifft auf 15-Sekunden-Waffeln: Klärchens süße Rebellion
Wer an Sylts exklusivste Adressen denkt, hat unweigerlich Kaviar, Schampus und sündhaft teure Designerboutiquen im Kopf. Doch der heimliche Star der High-Society-Insel pfeift auf Konventionen, steuert einen klapprigen 1989er Peugeot über die Insel, nennt sich schlicht „Klärchen“ und weigert sich standhaft, auf Kosten der Urlauber reich zu werden.
Hier geht es direkt zum Video und dem ganzen Interview in der aktuellen Wochenshow:
Inmitten von Luxuskarossen und Austernschlürfern steht dieser aus Berlin stammende Patissier an seinem kleinen Wagen in Wenningstedt-Braderup. Sein Lebenslauf passt auf keine Postkarte: Schon mit süßen 17 Jahren übernahm er in einem Bozener 5-Sterne-Hotel die Patisserie-Leitung. Nach diversen Gastro-Großprojekten in der Hauptstadt – darunter ganze Foodtruck-Flotten und Hafenanlagen – ist er nun an der Nordsee gelandet und betreibt eine für hiesige Verhältnisse geradezu rebellische Preispolitik. Seine Waffeln kosten bescheidene 4 Euro. Der Grund? Er sei „nicht so der Kapitalist“ und könne es schlichtweg nicht übers Herz bringen, Familien mit Kindern 10 Euro für ein bisschen Teig abzuknöpfen. Ein Geschäftsmodell, das auf Sylt fast schon revolutionär wirkt.
Für die chronisch eilige Inselkundschaft hat Klärchen zudem in jahrelanger Tüftelei einen wahren Zauberteig entwickelt. Gestählt durch die hungrigen Massen auf dem Berliner Mauerpark-Flohmarkt, wo man keine fünf Minuten pro Bestellung trödeln darf, dauert der Backvorgang bei ihm nun exakt 15 Sekunden. Wer also beim Flanieren keine Zeit zu verlieren hat, bekommt unter dem augenzwinkernden Motto „We make Waffels great again“ den wahrscheinlich rasantesten Snack der Insel gereicht.
Er selbst beißt übrigens in keine einzige seiner Kreationen. Nach 15 Jahren am heißen Eisen vergeht wohl selbst dem talentiertesten Bäcker der Appetit auf die eigene Ware. Gut für die Kundschaft – so bleibt mehr für alle anderen.
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