Wer dieser Tage über den Strönwai in Kampen spaziert, könnte fast meinen, er sei in einer sehr exklusiven Geisterstadt gelandet. Der legendäre „Zauber“, der früher wie ein permanenter Champagnernebel über der Whiskymeile hing, hat sich ein wenig verflüchtigt. In den Inselosten, in das kleine Dorf Keitum. Abgesehen von der Weihnachtszeit, wenn der Ort kurzzeitig aus seinem Koma erwacht, und dem Dauerbrenner Manne Pahl, wo die Welt noch in Ordnung scheint, herrscht in Kampen oft… nun ja, vornehme Ruhe. Im Gegensatz zu Keitum, wo sich einiges tut, wirkt Kampen von Oktober bis in das Frühjahr hinein abgehängt.
Brüderliches Pizzabacken gegen die Stille
Doch Rettung ist in Sicht! Wo früher im Odin die Götter (und der Wein) thronten, ziehen jetzt die „Fratellis“ ein. Tom Kinder vom Pony und die Knochenhauer-Brüder von der Sturmhaube haben sich laut SHZ zusammengetan, um dem Strönwai wieder Leben einzuhauchen. Der Name ist Programm: „Fratello“ – denn man fühlt sich wie Brüder und will die Gäste auch so behandeln.
Das Konzept klingt nach dem, was Kampen dringend braucht: Ein bisschen weniger Steifheit, ein bisschen mehr „Teilen“. Es gibt Pizza und Pasta auf großen Platten. Die Idee: Man rückt wieder zusammen. Das ist auch nötig, denn gegenüber vom neuen Glück klafft eine Lücke, die größer ist als so manches Ego auf der Insel – der Rauchfang ist weg, dem Erdboden gleichgemacht. Wo früher Promis tanzten, parken jetzt wahrscheinlich nur noch die Träume von Juwelier Wempe.
Pfingsten – Der einzige Feiertag der Meile?
Ironischerweise ist der Zeitplan der „Fratellis“ perfekt auf das einzige Wochenende abgestimmt, an dem Kampen sich noch so anfühlt wie früher: Pfingsten. Es ist dieser eine magische Moment im Jahr, an dem die Whiskymeile kurzzeitig vergisst, dass sie den Rest der Zeit eigentlich im Dornröschenschlaf liegt. Man hat fast das Gefühl, die Meile wurde nur für dieses eine Wochenende gebaut – und für die Zeit dazwischen brauchen wir jetzt eben ein italienisches „Come together“.
Die Macher betonen im Interview mit der SHZ: „Es wird kein zweites Pony.“ Gott sei Dank! Denn wer will schon zwei Ponys, wenn er eigentlich eine ganze Herde an Gästen braucht, um den Strönwai wieder zum Beben zu bringen?
Zwischen Baustelle und Bar-Hocker
Während drinnen gewerkelt wird, um pünktlich zum Pfingst-Ansturm die erste Pizza aus dem Ofen zu holen, bleibt die Frage: Kann ein italienischer Bruder den „Kampen-Zauber“ zurückholen? Oder bleibt der Ort ein exklusives Winterquartier für die, die bei Pius gerade keinen Tisch bekommen haben?
Wir sind gespannt! Synergien werden genutzt, das Personal wird hin- und hergeschoben wie die Jetsets zwischen List und Kampen, und wir hoffen, dass der Strönwai spätestens im Mai wieder mehr zu bieten hat als nur den Blick auf eine Wempe-Baustelle.
Ein bisschen italienische Lockerheit schadet dem Strönwai sicher nicht. Ob die Pizza ausreicht, um den Zauber der 80er Jahre wiederzubeleben, wissen wir spätestens zu Pfingsten. Bis dahin halten wir es wie die echten Kampener: Wir warten ab und trinken schon mal vor – am besten bei Manne Pahl, da ist es wenigstens warm.
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