Sylt und Schnee – das ist eine Liebesbeziehung auf Distanz. Sie sehen sich selten, vielleicht alle paar Jahre mal so richtig intensiv, aber wenn sie aufeinandertreffen, entsteht eine Magie, die selbst alteingesessene Insulaner kurz innehalten lässt. Wenn sich die weiße Pracht auf die Reetdächer legt und der Strandhafer unter kleinen Eiskristallen glitzert, verwandelt sich die raue Nordseeinsel in ein stilles Winterwunderland.
Doch gerade weil Frau Holle hier oben im Norden so selten ihre Betten ausschüttelt, trifft uns die weiße Pracht oft etwas unvorbereitet. „Huch, es bleibt liegen?“ ist der meistgehörte Satz dieser Tage. Und während wir noch staunen, meldet sich leise, aber bestimmt die Realität in Form des Fachbereichs Ordnung und Soziales. Denn was schön aussieht, kann auf den Gehwegen schnell zur Rutschpartie werden.
Damit der Insel-Winter für alle – vom Postboten bis zum Spaziergänger – ein unfallfreies Vergnügen bleibt, gibt es ein paar Spielregeln, die wir charmant als „Sylter Schneeschaufel-Etikette“ bezeichnen könnten:
Der frühe Vogel fängt die Flocke Werktags gilt: Ab 07:00 Uhr morgens sollten die Gehwege frei sein. Das ist sportlich, aber notwendig. Dafür zeigt sich die Inselverwaltung an Sonn- und Feiertagen gnädig – hier darf der Schneeschieber bis 09:00 Uhr ruhen. Die Pflicht endet jeweils um 20:00 Uhr.
Platz für Begegnungen Sylt ist eine Insel der Begegnung. Damit man sich auch im Winter freundlich passierend „Moin“ sagen kann, ohne im Tiefschnee zu versinken, muss eine Schneise von 1,50 Metern Breite geräumt werden. Das reicht bequem für zwei Fußgänger oder einen Kinderwagen.
Natur schützen, Salz vermeiden Das ist vielleicht der wichtigste Punkt für unsere empfindliche Inselnatur: Der Griff zum Streusalz sollte tabu sein. Salz schadet den Pflanzen und Tieren und ist auf Sylt grundsätzlich nicht gern gesehen. Greifen Sie lieber zu Sand oder Granulat – oder verlassen Sie sich auf gute alte Muskelkraft. Nur in extremen Ausnahmefällen, wie bei gefährlichem Eisregen, darf das Salzfass geöffnet werden.
Wohin mit dem weißen Gold? Bitte schippen Sie den Schnee nicht auf die Straße (die Autos haben es schon schwer genug) und blockieren Sie keine Hydranten. Bauen Sie einfach einen kleinen Wall am Rand des Gehweges – das sieht hübsch aus und stört niemanden.
Nehmen wir es also sportlich. Die Bewegung an der frischen, klaren Winterluft ersetzt das Fitnessstudio, und der anschließende heiße Tee oder Pharisäer schmeckt nach getaner Arbeit ohnehin am besten. Genießen wir den Schnee, solange er da ist – auf Sylt weiß man schließlich nie, ob er morgen nicht schon wieder Geschichte ist.




