Sylter Festspiele im Becken: TV Keitum 1881 lässt Wiking Kiel im Regen stehen
Man sagt ja, auf Sylt liefe alles ein wenig entspannter ab. Doch wer am vergangenen Wochenende in der Keitumer Schwimmstätte Zeuge des Duells gegen den SV Wiking Kiel wurde, sah davon wenig. In einer Partie, die manch einer im Vorfeld bereits zum „vorzeitigen Finale“ hochstilisiert hatte, zeigten die Insulaner, dass sie nicht nur Austern und Champagner, sondern auch erstklassigen Wasserball beherrschen. Mit 18:11 wurden die Kieler Gäste zurück auf die Fähre (oder wahlweise den Hindenburgdamm) geschickt.
Ein Viertel zum Warmwerden, drei zum Genießen
Dabei fing alles so höflich an. Im ersten Viertel übten sich beide Teams noch in vornehmer Zurückhaltung (5:2), fast so, als wollte man den Gästen vom Festland den Einstieg nicht zu schwer machen. Doch die Gastfreundschaft hatte im zweiten Viertel ein jähes Ende: Während die Kieler noch nach ihrem Rhythmus suchten, zog Keitum das Tempo an und stellte zur Halbzeit auf ein komfortables 10:4.
Zwar erlaubten sich die Hausherren im dritten Viertel eine kleine „kreative Pause“ (9:14), was die Kieler Hoffnung auf ein Wunder kurzzeitig nährte, doch im letzten Abschnitt wurde der Sack mit hanseatischer Trockenheit zugebunden.
Die Statistik: Wenn die Effizienz an der Küste wohnt
Besonders charmant liest sich die Statistik der Überzahlsituationen. Während der TV Keitum mit einer 50 %-Quote (2 Tore bei 4 Gelegenheiten) glänzte, schien das Kieler Überzahlspiel eher an eine gemütliche Kaffeefahrt zu erinnern: Nur 14 % ihrer sieben Chancen fanden den Weg ins Netz.
Ein ganz wesentlicher Grund für die Kieler Verzweiflung trug die Nummer 1: Harro Buchholz. Unser „Fels in der Brandung“ im Tor parierte alles, was nicht bei drei auf den Startblöcken war. Man munkelt, die Kieler Stürmer hätten nach dem Spiel beim Schiedsrichter angefragt, ob das Tor von Buchholz eventuell kleiner sei als das eigene – war es natürlich nicht, er stand nur einfach immer im Weg.
Die Torschützen-Gala
Dass der Keitumer Kader trotz einiger Ausfälle so tief besetzt ist wie das Wattenmeer bei Flut, bewies die Verteilung der Tore. Fast jeder durfte mal ran.
Kurs Meisterschaft
Ein herzliches Dankeschön geht an den Hamburger Schiedsrichter Zoran Matanovic, der die Partie so souverän leitete, dass selbst die hitzigsten Gemüter sich eher auf das Torewerfen als auf das Diskutieren konzentrierten.
Sollte der TV Keitum diese Form konservieren, wird das Rückspiel in Kiel Ende März wohl eher eine Formsache als eine Zitterpartie. Der Sekt für die Meisterschaftsfeier ist zwar noch nicht kaltgestellt, aber die Flaschenkühler sind bereits in Reichweite.

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