Chayenne-Sophie sagt die Mittagstisch-Woche bei EDEKA Johannsen voraus – ohne einen einzigen Bissen probiert zu haben
KEITUM. Sie kam mit einem Ringlicht, das sie noch nie eingeschaltet hat, und einer Freundin, die sie „mein Team“ nennt. Chayenne-Sophie (26) hat sich vorgenommen, den Mittagstisch bei EDEKA Johannsen zu testen. Nur eben vorher. Wir haben sie am Montagvormittag an der heißen Theke getroffen, zwanzig Minuten bevor diese öffnete. Sie hatte den Wochenzettel bereits abfotografiert.
Zur Person und zur Methode
Sylt1: Frau … Chayenne-Sophie, wie soll ich Sie ansprechen?
Chayenne-Sophie. Ein Wort, mit Bindestrich. Ohne Bindestrich bin ich eine andere Person.
Sie sind aus Hamburg.
Ich bin offiziell aus Hamburg. Gefühlt bin ich von hier. Ich komme seit 26 Jahren drei Wochen im Jahr her. Rechnen Sie das mal hoch. Das sind über anderthalb Jahre. Es gibt Leute in Westerland, die waren kürzer hier als ich.
Kommen wir zu Ihrem Format. Sie bewerten den Mittagstisch für die kommende Woche.
Genau.
Die Woche hat heute Morgen angefangen.
Genau.
Sie haben also noch nichts davon gegessen.
Nichts. Keinen Bissen. Und ich finde, das ist die ehrlichste Form von Kritik, die es gibt, weil ich völlig unvoreingenommen bin.
Das ist normalerweise nicht die Definition von Kritik.
Das Wetter wird auch vorhergesagt, bevor es passiert. Niemand regt sich darüber auf. Ich mache dasselbe, nur mit Mittagessen.
Sie sind also …
Eine Vorhersagerin. Ich lese Speisekarten wie andere Leute Sternenkarten. Ich sehe da Dinge.
Die Vorhersage, Tag für Tag
Montag — Hackbraten mit Bratensauce, Erbsen-Möhrengemüse & Püree, 9,90 €
Fangen wir mit heute an.
Okay, ganz ehrlich: „Hackbraten“ hat ein Image-Problem. Das Wort klingt nach Kantine, nach Neonlicht, nach Sportunterricht danach. Ich hab beim Lesen erst gedacht: Das wird kein Content.
Und dann?
Dann hab ich das Wort „Püree“ gesehen. Und da wusste ich Bescheid.
Was wussten Sie?
Dass da heute Mittag ein Moment passiert. So ein Moment, wo man kurz nichts sagt. Ich sage sonst immer was.
Sie prognostizieren einen Moment der Sprachlosigkeit.
Gegen 12:15. Ich schicke dann ein Foto an meine Mutter und sie ruft an und denkt, ich hätte mich verlobt.
Warum sollte sie das denken?
Ich schicke selten Fotos von warmem Essen. Das hat in unserer Familie eine Bedeutung.
Ihre Prognose?
Neun von zehn Sonnenuntergängen. Mit leichter Tendenz nach oben, je nach Sauce.
Dienstag — Hühnerfrikassee mit Erbsen & Spargel, dazu Reis, 8,90 €
Morgen dann Frikassee.
Frikassee ist doch so ein Wort, das man nur von Omas kennt?? Ich hab jahrelang genickt, wenn das jemand gesagt hat, und nie nachgefragt, was es eigentlich ist.
Wissen Sie es inzwischen?
Ich hab es gestern Abend nachgelesen. Es ist offenbar eine Umarmung. Mit Reis.
Auf dem Zettel steht Spargel. Im September.
Ja! Ich hatte Fragen.
Die Spargelsaison endet in Deutschland traditionell am 24. Juni.
Sehen Sie, und genau deshalb hab ich aufgehört zu fragen. Ich hinterfrage keine Wunder. Ich plane sie ein.
8,90 Euro.
Ich zahle in Hamburg mehr für einen Matcha. Für einen! Und der umarmt mich nicht.
Ihre Prognose?
Neun von zehn.
Mittwoch — Roastbeef mit Bratkartoffeln & Remoulade, 12,90 €
Mittwoch wird teurer.
Und schöner. Ich sehe das schon vor mir. Dieses ROSA in der Mitte.
Sie haben es noch nicht gesehen.
Ich sehe es. Das ist ein Unterschied.
Wie viele Fotos planen Sie?
Sechzig. Leni-Marie wird den Teller dreimal drehen müssen wegen dem Licht, das weiß ich jetzt schon, weil mittwochs die Sonne anders reinkommt.
Und dann ist das Essen kalt.
Nein. Und das ist genau der Punkt, wo diese Küche mich fassungslos machen wird: Es wird noch warm sein. Ich sag Ihnen das jetzt und Sie können es Mittwoch nachprüfen.
Und die Remoulade?
Da muss ich ehrlich sein: Ich dachte bis vorgestern, Remoulade sei ein Gebäck. So eine kleine Rolle. Ich hab jahrelang keine bestellt, weil ich dachte, das passt nicht zu Fleisch.
Es ist eine Mayonnaise mit Kräutern und Gurke.
Es ist Mayo, die etwas erlebt hat. Ich freu mich sehr darauf.
Ihre Prognose?
Zehn von zehn. Mein erster Zehner der Woche. Ich werde danach kurz rausgehen müssen.
Donnerstag — Rindergulasch „Stroganoff“ mit Rotkohl & Butterspätzle, 11,90 €
Donnerstag steht „Stroganoff“ in Anführungszeichen auf der Karte.
In Anführungszeichen! Ich finde das so mysteriös. Wie ein Geheimnis, das man nur andeuten darf.
Es ist eine Zubereitungsart, benannt nach einem russischen Grafen.
Ein GRAF. Ich esse also für 11,90 ein Gericht, das nach einem Grafen benannt ist. In Hamburg zahle ich das für einen Cold Brew mit Hafer.
Was erwarten Sie vom Rest des Tellers?
Die Spätzle werden pure Butter sein. Das ist keine Kritik, das ist eine Erwartungshaltung. Und Rotkohl – ich sag’s ungern so technisch – Rotkohl ist farblich der beste Freund von jedem Feed. Dieses Violett neben dem Braun? Da muss man gar nichts mehr machen.
Sie haben angekündigt, sich donnerstags neben einen bestimmten Gast setzen zu wollen.
Es gibt hier einen älteren Herrn im Fischerhemd, der beim Essen immer den Kopf schüttelt. Mein Mentor.
Haben Sie mit ihm gesprochen?
Nein. Aber wir haben eine Verbindung. Er schüttelt den Kopf, ich verstehe. So läuft das zwischen uns.
Es könnte auch Ablehnung sein.
Auf Sylt? Niemals.
Ihre Prognose?
Neun von zehn.
Freitag — Gebratenes Lengfischfilet mit Kartoffel-Sauerkrautpüree & Speckstippe, 12,90 €
Kennen Sie Leng?
Nein. Ich hab gegoogelt. Und ich sag mal so: Bis Freitag hat über diesen Fisch niemand geredet.
Der Leng ist ein seit Jahrhunderten bekannter Speisefisch.
Bekannt, ja. Aber bekannt bekannt? Ich werde ihm am Freitag eine Story widmen. Ich rechne mit 1.100 Aufrufen. Sie können mir nicht erzählen, dass der Leng jemals 1.100 Menschen an einem Tag erreicht hat.
Doch.
Wir haben da unterschiedliche Definitionen von Reichweite.
Dazu gibt es Kartoffel-Sauerkrautpüree.
Sauerkraut im Püree. Wer denkt sich sowas aus? Ich brauche den Namen dieser Person, ich möchte ihr etwas schenken. Salzig und cremig und säuerlich gleichzeitig – ich verstehe jetzt schon nicht, warum das funktionieren wird, aber es wird.
Und die Speckstippe?
„Speckstippe“ klingt wie ein Schimpfwort. Wie etwas, das man jemandem an den Kopf wirft. Und es wird das Beste auf dem ganzen Teller sein, ich wette meinen Ordner darauf.
Sie planen dazu bereits ein Produkt.
Eine Duftkerze. Erste Sorte: „Speckstippe“. Ich weiß, wie das klingt. Riechen Sie das mal am Freitag, dann reden wir weiter.
Ihre Prognose?
Zehn von zehn. Ich werde danach so ein Nordsee-Mensch sein. Sorry schon mal an Hamburg.
Samstag — Kartoffel-Suppe mit Einlage, 5,90 €
Zum Wochenschluss: 5,90 Euro.
FÜNF NEUNZIG. Ich hab dreimal auf den Zettel geguckt, ob da eine Null fehlt.
Da fehlt keine Null.
Ich hab die Verkäuferin gefragt, ob das ein Fehler ist. Sie hat gelacht. Sie hat gelacht.
Und die Suppe selbst?
Wird fantastisch. Ich rechne damit, dass ich ab dem zweiten Löffel aus dem Berufsleben aussteige. Das ist so ein Hoodie-Wetter-Essen, verstehen Sie? Draußen Wind, drinnen das.
Trotzdem geben Sie nur neun von zehn.
Ja. Weil sie sich schwierig fotografieren wird. Suppe sieht auf jedem Bild aus wie Suppe. Das ist keine Vermutung, das ist Erfahrung.
Sie ziehen also vorsorglich einen Punkt ab, weil Suppe wie Suppe aussehen wird.
Ich schlafe jetzt schon schlecht deswegen. Aber Journalismus tut manchmal weh.
Zum Schluss
Frau Chayenne-Sophie, was passiert, wenn Ihre Vorhersage nicht eintrifft?
Dann korrigiere ich sie. Wie beim Wetter auch. Da beschwert sich ja auch niemand.
Und wenn es Ihnen tatsächlich nicht schmeckt?
Das ist statistisch ausgeschlossen. Ich hab mir die Karte dreimal durchgelesen.
Es gibt Berichte, Sie hätten dem Markt eine Kooperation vorgeschlagen.
Ich habe angeboten, meine Reichweite zur Verfügung zu stellen. Auf Gegenseitigkeit.
Und?
Herr Johannsen hat gesagt, ich darf gerne jeden Tag kommen und bezahlen wie alle anderen.
Wie haben Sie reagiert?
Ich fand das sehr fair. Ehrlich. Das hat mich berührt. Diese Bodenständigkeit. Ich hab davon eine Story gemacht.
Wir bedanken uns für das Gespräch.
Warten Sie – das Licht ist gerade perfekt. Können wir das noch mal machen?
Die Vorhersage auf einen Blick
| Tag | Gericht | Preis | Prognose |
|---|---|---|---|
| Montag | Hackbraten mit Bratensauce, Erbsen-Möhrengemüse & Püree | 9,90 € | 9 🌅 |
| Dienstag | Hühnerfrikassee mit Erbsen & Spargel, dazu Reis | 8,90 € | 9 🌅 |
| Mittwoch | Roastbeef mit Bratkartoffeln & Remoulade | 12,90 € | 10 🌅 |
| Donnerstag | Rindergulasch „Stroganoff“ mit Rotkohl & Butterspätzle | 11,90 € | 9 🌅 |
| Freitag | Gebratenes Lengfischfilet mit Kartoffel-Sauerkrautpüree & Speckstippe | 12,90 € | 10 🌅 |
| Samstag | Kartoffel-Suppe mit Einlage | 5,90 € | 9 🌅 |
Täglich außerdem: Nudeln Bolognese ab 7,50 € · Chili con Carne ab 7,50 € · Rindergulasch ab 9,50 €
Die Auflösung – ob die Vorhersage eingetroffen ist – gibt es kommenden Sonntag.
Gut zu wissen
EDEKA Johannsen Munkmarscher Chaussee 6a 25980 Keitum auf Sylt
Telefon: 04651 – 93 55 80 Web: edeka-keitum.de
Öffnungszeiten Montag – Samstag: 7:00 – 19:00 Uhr Sonntag & feiertags: 11:00 – 17:00 Uhr
Heiße Theke: täglich ab 11:00 Uhr
Social Media: Instagram @edeka.keitum · Facebook @Edeka Keitum
Alle Gerichte täglich frisch gekocht. Wechselnde Wochenkarte. Zusatzstoff- und Allergenkennzeichnung auf dem Aushang im Markt.
Inhaltsverzeichnis
Toggle- Chayenne-Sophie sagt die Mittagstisch-Woche bei EDEKA Johannsen voraus – ohne einen einzigen Bissen probiert zu haben
- Zur Person und zur Methode
- Die Vorhersage, Tag für Tag
- Montag — Hackbraten mit Bratensauce, Erbsen-Möhrengemüse & Püree, 9,90 €
- Dienstag — Hühnerfrikassee mit Erbsen & Spargel, dazu Reis, 8,90 €
- Mittwoch — Roastbeef mit Bratkartoffeln & Remoulade, 12,90 €
- Donnerstag — Rindergulasch „Stroganoff“ mit Rotkohl & Butterspätzle, 11,90 €
- Freitag — Gebratenes Lengfischfilet mit Kartoffel-Sauerkrautpüree & Speckstippe, 12,90 €
- Samstag — Kartoffel-Suppe mit Einlage, 5,90 €
- Zum Schluss
- Die Vorhersage auf einen Blick
- Gut zu wissen
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