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Der Bus, den es auf Sylt noch nicht gibt

Der Bus, den es auf Sylt noch nicht gibt
Foto: Redaktion
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In Wenningstedt-Braderup soll ein Dorfbus entstehen. Morgens für die Kinder, danach für alle anderen. Gesucht werden jetzt nicht Fahrzeuge, sondern Menschen.

Es fängt fast immer gleich an. Viertel vor acht, Wind von Nordwest, ein Kind im Regenanzug, eine Mutter, die eigentlich längst woanders sein müsste. Zwei Kilometer, die mit dem Auto vier Minuten dauern und zu Fuß eine gefühlte Ewigkeit. Also fährt man. Und im Dorf fahren an diesem Morgen zwanzig andere dasselbe Stück, jeder für sich, jeder allein im Auto.

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Genau da setzt eine Idee an, die gerade in Wenningstedt Fahrt aufnimmt: ein Dorfbus. Die Ortsgruppe Wenningstedt hat sie im Rahmen der Arbeit an der Tourismusstrategie für die Insel entwickelt — als eine von drei Maßnahmen, die kurzfristig umsetzbar sein sollen. Weniger Autoverkehr, sichere Wege, mehr Mobilität. Und, das ist der eigentliche Kern: mehr Miteinander.

Morgens Schulbus, danach Dorfbus

Gedacht ist das Ganze bewusst größer als ein Schul- oder Kindergartenbus. Morgens holt der Bus die Kinder an festen Treffpunkten ab und bringt sie zur Schule oder in den Kindergarten. Und danach? Steht er nicht herum.

Danach fährt er die Nachbarin zum Einkaufen, die das mit den Tüten und dem Gegenwind nicht mehr so gut schafft. Er fährt jemanden zur Physiotherapie. Zum Amt. Abends zum Konzert. Er fährt den, der sich nach einer Operation gerade nicht selbst fahren kann und dem es unangenehm ist, schon wieder zu fragen. Und er fährt all das, was sich erst noch zeigen wird, wenn man einmal anfängt — denn was ein Dorf wirklich braucht, weiß man selten vorher.

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Wer heute fährt, wird übermorgen gefahren

Das Schöne an dieser Idee ist, dass sie ohne großes Pathos auskommt. Sie ist im Grunde nur eine sehr praktische Form von Anstand.

Wer heute am Steuer sitzt, sitzt in ein paar Jahren vielleicht hinten und ist froh, dass jemand anderes fährt. Wer eine halbe Stunde Zeit verschenkt, bekommt dafür etwas zurück, das sich schlecht in Stunden rechnen lässt: ein Gespräch auf zwei Kilometern, ein Gesicht, das man vorher nur vom Sehen kannte, das Gefühl, in einem Dorf zu wohnen und nicht nur in einer Adresse.

Das ist nichts Neues. Das haben Dörfer immer so gemacht. Es ist nur ein bisschen aus der Übung geraten.

Und jetzt kommt der Teil, in dem es um Sie geht

Damit aus einer guten Idee ein echtes Projekt wird, fehlen jetzt Menschen. Nicht viele — eine kleine, verlässliche Gruppe reicht für den Anfang.

Im ersten Schritt geht es schlicht darum, herauszufinden, was gebraucht wird: Wer würde den Dorfbus nutzen, wann und wofür? Wer könnte fahren, und sei es einmal im Monat? Und, besonders wichtig: Wer traut sich zu, die Koordination in die Hand zu nehmen?

Danach kommen die Dinge, die weniger romantisch klingen, aber dazugehören: rechtliche und versicherungstechnische Fragen klären, ein tragfähiges Organisationsmodell finden, Fahrten koordinieren, Spender und Sponsoren für Anschaffung und Betrieb gewinnen. Vielleicht liest gerade jemand mit, für den der letzte Punkt eine kleine Sache wäre.

Angesprochen sind Eltern, die Fördervereine von Schule und Kindergarten, Senior:innen, Vereine — und alle, die einfach Lust haben, etwas aufzubauen, das dem eigenen Dorf gehört.

Man muss dafür nicht alles wissen. Man muss nur anfangen.

Einsteigen?

Wer mitmachen möchte — als Fahrer:in, in der Organisation, als Unterstützer:in oder auch nur mit der Rückmeldung, wofür man den Bus bräuchte — meldet sich bei Heike Müller-Jörgensen vom ÜüsTerp: heikesylt@aol.com

Für Kinder. Für Senior:innen. Füreinander.

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