Es ist ein Bild, das viele Insulaner und Gäste so schnell nicht vergessen werden: Vor genau einem Jahr sorgte ein 14,3 Meter langer Pottwal am Strand von Hörnum für Schlagzeilen. Während heute der Schnee die Fundstelle bedeckt, liegen nun die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen vor, wie die dpa aktuell berichtet. Es ist eine Geschichte über die gewaltige Natur der Weltmeere und die Arbeit der Forscher hinter den Kulissen.
Spurensuche im Labor: Tiefseekalmare und weite Reisen
Die Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum sowie Wissenschaftler der Universität Lüttich haben die Proben des 15 Tonnen schweren Tieres laut dpa genauestens analysiert. Im Magen des Walbullen machten die Tierärzte eine faszinierende Entdeckung: Sie fanden Reste seiner letzten Mahlzeiten, darunter zahlreiche Tintenfischschnäbel.
Da diese speziellen Tintenfische – oft riesige Tiefseekalmare – nur in den tiefen, ozeanischen Gewässern des Nordatlantiks vorkommen, ist nun belegt: Der Sylt-Wal war ein echter Tiefseejäger. Bevor er den verhängnisvollen Weg in das für ihn viel zu flache Wattenmeer einschlug, hatte er in tausenden Metern Tiefe gejagt.
Gesundheitscheck: Ein Gigant der Weltmeere
Die Untersuchungen lieferten wertvolle Einblicke in den Zustand des Tieres. Zwar waren die inneren Organe aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung schwer zu beurteilen, doch die Analysen zeigten hohe Quecksilberwerte in der Leber. Für langlebige Räuber an der Spitze der Nahrungskette ist dies leider keine Seltenheit. Viren konnten hingegen nicht nachgewiesen werden. Als wahrscheinlichste Ursache für das Ende des Giganten gilt, dass er im flachen Tidengewässer von seinem eigenen enormen Körpergewicht erdrückt wurde – ein Phänomen, dem diese Tiefseetiere schutzlos ausgeliefert sind.
Besuch beim Kiefer des Giganten in List
Wer die Dimensionen dieses Tieres einmal selbst begreifen möchte, kann dies jetzt im Erlebniszentrum Naturgewalten in List tun. Dort ist der präparierte Unterkiefer des Wales ausgestellt. Ein wichtiges Detail für Besucher: Die markanten Elfenbeinzähne wurden durch täuschend echte Kunststoffkopien ersetzt. Die Originale werden aus Sicherheitsgründen verwahrt und sollen ab 2028 hinter Panzerglas in einer neuen Ausstellung glänzen.
Gibt es auch Haie vor Sylt?
Die Strandungen von Großwalen – allein drei im Jahr 2025 – werfen bei vielen die Frage auf, ob sich auch andere Meeresriesen wie Haie zu uns verirren. Tatsächlich ist die Nordsee Lebensraum für verschiedene Haiarten, etwa den Hundshai oder den Heringshai. Doch während sich Wale aufgrund von Navigationsfehlern in die flachen Küstengewässer verirren, bleiben die größeren Haie meist in tieferen Zonen. Für den Menschen sind sie in der Regel keine Gefahr; sie sind eher scheue Bewohner der offenen See, die den Trubel an den Badeständen meiden.
Haben Sie den Unterkiefer in List schon gesehen? Es ist ein beeindruckendes Zeugnis der Naturgewalten direkt vor unserer Haustür.
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