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Burnout? Sylt erneut ohne Verwaltungschef – ein Kommentar

Nikolas Häckel

In diesem Sylt News Artikel

Ein Nachrichtenmagazin berichtet über aktuelle Geschehnisse. Dies sollte wertfrei und neutral geschehen. Doch die Geschehnisse im Rathaus machen persönlich betroffen. Nikolas Häckel ist der erste Bürger der Stadt. Der Bürgermeister, nicht nur Westerlands, sondern der Gemeinde Sylt, die Rantum, Tinnum, Keitum, Morsum, Archsum und natürlich Westerland umfasst. Seine Aufgaben sind nicht nur das Repräsentieren bei offiziellen Anlässen. Er ist auch gleichzeitig Chef der Verwaltung.

Bereits im letzten Jahr setzte ihn eine Depression außer Gefecht. Der Burnout war den vielen Vorkommnissen geschuldet, die auf Sylt in den letzten Jahren für Unruhe gesorgt hatten. Die monatelange Krankmeldung hatte allerdings zur Folge, dass die Sorgen nicht weniger wurden.

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Nach seiner Genesung sollte es bergauf gehen. Das Gegenteil war der Fall. Die seit Jahren schwelende Haushaltsfrage, die Straßensanierungen, Dekoration am Rathausplatz, Straßenba –  ja selbst beim Weihnachtsmarkt kam es zu Ungereimtheiten, die im Nachhinein zumindest bei letzterem keine waren.

Kaum war das alte Jahr vergangen, kochte das Thema der Insel-Zentralverwaltung hoch, gefolgt – beziehungsweise relativ zeitgleich – die Probleme im Obdachlosenheim. Absehbare Probleme, zum Teil hausgemacht. Für jemanden, der mental ohnehin auf tönernen Füßen steht, ein Minenfeld. Nun ist Herr Häckel wieder ausgeschieden. Auf unbestimmte Zeit. Eine ernstzunehmende Krankheit.

Ich hatte dies als Publisher des größten deutschen Longboardmagazins selbst erlebt. Ein kanadischer Kollege, eine Koryphäe in seinem Bereich. Erfolgreicher Autor mit eigener TV-Show kam mit der Krise in der Branche nicht mehr zurecht. Die Kritik an ihm wurde lauter und lauter. Dann nahm er sich eine Auszeit. Sein international anerkanntes Magazin verkaufte er für einen Dollar. Er tauchte unter. Nur wenigen war es vorbehalten, seinen weiteren Weg zu beobachten. Er wurde Leichenwäscher, schrieb ein Buch über den Tod. Auf meine Frage, warum dies alles? Er habe nicht mehr die Kraft, gegen die Kritik anzukämpfen. Überforderung überall. Laut seiner Aussage hatte er sein Mojo verloren. Den Willen, den Flow und den Spaß. In Michael Brooks‘ Fall war es einfach. Er konnte es sich leisten. Andere in der Branche hatten weniger Glück. Selbstmorde, bankrotte Firmen, Massenentlassungen oder einfach… stilles Verschwinden von der Bildfläche.

Der Leser wird sich fragen: Was zum Henker hat das mit unserem Bürgermeister zu tun? Ich denke, er hat sein Mojo verloren. Die Kraft ist weg, Überforderung und damit einhergehender Burnout. Die Zeit für einen Wechsel an der Spitze des Rathauses ist gekommen. Viele wichtige Entscheidungen stehen an. Der Vize-Bürgermeister, Carsten Kerkamm, hat signalisiert, dass er aus beruflichen Gründen auf keinen Fall das Amt übernehmen könnte.

Eine Frage, die in diesen Tagen deshalb viele stellen: Muss der  Bürgermeister ersetzt werden? Wer würde als Kandidat in Frage kommen? Wieder jemand vom Festland? Vielleicht ist dies die bessere Variante, wie das Hörnumer und auch das Wenningstedter Vorbild zeigt. Beide Bürgermeister überzeugen durch kluge Aussagen und überlegtes Handeln. Oder ein Sylter Urgestein wie in List. Die Zeilen dürften dem, was kommt, nicht unbedingt einmal zugreifen.

Am Ende braucht die Gemeinde Sylt jemanden, der auch dem starken Sturm, der so weit oben herrscht, entsprechend mentale Stärke entgegensetzt. Denn die Verwaltung schlingert gewaltig. Es ist ist Zeit, dass Ruhe einkehrt und Entscheidungen getroffen werden.

Ach, und Michael Brooke, der kanadische Skateboardguru und Gründer von Longboarding for Peace, ist nach ein paar Jahren wieder zurück. Nicht ganz so groß wie damals. Aber er hat sein Mojo zurück und geht die Sachen mit einem Lächeln an.

Es ist Zeit an sich zu denken. Gesundheit geht vor. Hang Loose, Nikolas!

 

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