Während die C-Jugend auf dem Festland spielte, blieb es in der Halle am Sportzentrum still. Vier Heimspiele des TSV Westerland fielen aus –unter anderem, dass mit Spannung erwartete Spiel der Männer gegen SG Mittelangeln, Frauen, weibliche Jugend C und männliche Jugend E.
Für die Mannschaften ist das der bitterste Auftakt, den es gibt. Zwei Monate Vorbereitung liegen dahinter: Training seit den Sommerferien, drei- bis viermal die Woche in Tinnum und am Schulzentrum, Testspiele, Turniere. Der Lohn dafür ist der erste Heimspieltag vor eigenem Publikum. Er fand nicht statt.
Und für einen Inselverein ist eine Absage nie nur ein leeres Wochenende. Die Halle war gebucht, das Kampfgericht eingeteilt, der Kiosk besetzt, Eltern hatten Schichten übernommen – und die Gastmannschaften mussten Anreisen über den Damm oder mit dem Autozug planen. Ein Heimspiel auf Sylt organisiert sich nicht nebenbei. Nun müssen alle Spiele nachgeholt werden. Für die Sylter, die sich eine Halle mit anderen Sportarten und recht vielen Handballteams aus den eigenen Reihen teilen, ein Riesenaufwand.
Woran die Absagen im Einzelnen lagen, ist öffentlich nicht dokumentiert. Ein Zusammenhang mit der neuen Verbandssoftware liegt zeitlich nahe, ist aber nicht belegt. Es sind eher die kleinen Kader, die Vereine in den unteren Klassen immer wieder ausbremsen.
Zur Saison 2026/27 hat der deutsche Handball sein komplettes Verwaltungssystem ausgetauscht. Handball360 ersetzt nuLiga, Phoenix II, Handball4All und das alte handball.net auf einen Schlag – Spielerpass, Spielberechtigung, Kadermeldung, elektronischer Spielberichtsbogen, Schiedsrichteransetzung.
Der Start verlief so schwierig, dass neun der 17 Landesverbände die Einführung gestoppt haben und die Saison weiter mit nuLiga spielen, darunter Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen/Bremen. Der HVSH gehört nicht dazu: Schleswig-Holstein hat an der Umstellung festgehalten und Handball4All verlassen. Für den TSV Westerland heißt das – kein Rückfallsystem.
Der DHB selbst räumte Ende August in einem offenen Brief ein: „Die Stimmung ist nicht gut.“ – „Die Kritik daran ist berechtigt.“ – „Es wird dennoch ruckeln.“ Als Baustellen benannte er unter anderem den elektronischen Spielberichtsbogen, das Frontend von handball.net und die Anlage von Mannschaftskadern. Der Spielberichtsbogen wurde erst am 21. August für funktionsfähig erklärt, gut zwei Wochen vor dem ersten Spieltag; er setzt jetzt Internet in der Halle voraus.
Sichtbar ist der Zustand für jeden: Die Suche auf handball.net liefert null Treffer – auch für den THW Kiel – und meldet das auf Spanisch. Alte Vereins- und Spielplanlinks laufen ins Leere. Wer den Spielplan seiner Kinder sucht, findet ihn nicht.
Die eigentliche Last trägt das Ehrenamt. Jede Person muss sich einzeln registrieren, mit Ausweisdokument und Passfoto, Minderjährige über die Eltern. Ein Verband mit Geschäftsstelle federt das ab. Eine Handballsparte, die von wenigen Ehrenamtlichen neben dem Beruf geführt wird, nicht. Störungen nimmt der HVSH ausschließlich über ein Ticketsystem entgegen – Antwortzeit in der Regel 24 Stunden, am Wochenende länger. Also nicht dann, wenn gespielt wird.
Ein durchgehend erreichbarer Support am Spieltag und ein klar geregeltes Papier-Backup, wie es andere Verbände vorhalten, wären das Mindeste. Kein Spiel sollte an einer Software scheitern.
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