Sylt News
Apokalypse im Saisontakt: Warum Sylt (schon wieder) in den Fluten versinkt

SYLT. Es ist ein Naturgesetz, so verlässlich wie die Gezeiten: Sobald die Tage kürzer werden und die ersten Herbststürme an der Westküste rütteln, beginnt auf dem Festland die große Saison der Sylt-Nekrologe.
Auch in diesen Tagen ist es wieder so weit. Große Online-Portale haben ihre bewährten Archiv-Artikel entstaubt, die Schlagzeilen poliert und verkünden der besorgten Nation aufs Neue: Die Insel schrumpft!
Es ist ein faszinierendes Ritual, das einem festen Drehbuch folgt. Man nehme:
- Die Schock-Zahl: Die Hörnum Odde, die sich (wie jedes Jahr) um bis zu 40 Meter verlagert.
- Die Experten-Warnung: Ein Geologe (gerne Ekkehard Klatt) wird mit einem Zitat versehen, das er, in ähnlicher Form, bereits vor über einem Jahrzehnt getätigt hat. Es ist zeitlos, wie das Problem selbst.
- Die globale Bedrohung: Eine Studie, oft schon mehrere Jahre alt, wird zitiert, die das Verschwinden von Stränden weltweit prognostiziert.
- Das Katastrophen-Bild: Ein Archivfoto von „Trümmern“ (idealerweise nach einem Orkan von 2013) oder eine dramatische Aufnahme der Sandaufspülungen.
Das Ergebnis ist ein Garant für Klicks. Die emotionale Verbindung der Festländer, insbesondere der Hamburger, zu ihrer Sehnsuchtsinsel ist ein Hebel, der nie seine Wirkung verfehlt. Die Vorstellung, dass dieser mythische Ort der Reichen und Schönen (und natürlich aller anderen Urlauber) im Meer versinkt, besitzt eine unwiderstehliche, dramatische Fallhöhe.
Der „verzweifelte Kampf“ – oder auch: Alltag
Während das Festland also gebannt auf Satellitenbilder starrt und berechnet, ob Kampen oder Morsum als „Solitärbereiche“ aus den Fluten ragen werden, blicken wir hier auf der Insel… nun ja, auf die Nordsee.
Ja, sie ist da. Ja, sie nimmt sich was. Und ja, die Kollegen vom LKN (Landesbetrieb für Küstenschutz) sind mit ihren großen Schiffen im Einsatz und spülen Sand auf. Das, was in den Artikeln oft als „verzweifelter Kampf gegen die Fluten“ oder „Abmildern“ beschrieben wird, nennen wir hier schlicht: Küstenschutz. Es ist ein fortlaufender Prozess. Routine. So normal wie die Gezeiten selbst.
Man muss den Redaktionen auf dem Festland fast dankbar sein. Sie erinnern uns jährlich daran, in welch prekärer und zugleich wunderschöner Lage wir leben dürfen.
Also, liebe Insulaner: Wenn Sie demnächst wieder online lesen, dass Sie eigentlich schon gar nicht mehr hier sein dürften – keine Panik. Wir sind es noch. Die Berechnungen, wann wir verschwinden, scheinen für die Klickzahlen der Anderen wichtiger zu sein als für unseren Alltag. Wir machen derweil weiter. Noch so 2000-3000 Jahre, wie im Artikel beschrieben.





















































































































