Vier Kabarettisten, ein Bauer und null Euro Eintritt: Lachmuskelkater in List
Im Erlebniszentrum Naturgewalten geht es sonst um Sturmfluten, Wanderdünen und die Kraft des Meeres. Am 20. November kommt eine weitere Naturgewalt dazu, und zwar in vierfacher Ausführung.
Der November auf Sylt hat einen gewissen Ruf. Die Strandkörbe sind eingemottet, die Sonne hat Teilzeit beantragt, und der Wind übernimmt die Gesprächsführung. Wer in diesen Wochen in List am nördlichsten Zipfel der Republik steht, hat vor allem eines: viel Himmel und wenig zu lachen. Die Listland Stiftung will das ändern und holt dafür gleich vier Männer auf die Bühne, die beruflich nichts anderes tun, als Menschen zum Lachen zu bringen.
Am Freitag, 20. November, um 20 Uhr tritt im Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt ein kabarettistisches Quartett auf: Nils Lönicker, Christian Springer, Lars Reichow und Reiner Kröhnert. Gastgeber des Abends ist Bauer Hader, und das Beste kommt zum Schluss: Der Eintritt ist frei.
Der Bauer lädt ein
Wer Bauer Hader noch nicht kennt, hat im Norden einiges verpasst. Die Kunstfigur von Nils Lönicker gilt zwischen Elbe und Eider längst als Kult. Die Hamburger Morgenpost nannte das Programm einmal schlicht „Kabarett pur“. Bauer Hader ist ein Landwirt, der das Leben, die Politik und die Menschheit im Allgemeinen so betrachtet, wie man auf einem norddeutschen Hof eben auf die Welt schaut: geradeaus, ohne Umwege und mit einem Schnack, der sitzt. Er erzählt Dönsche, singt Lieder mit doppeltem Boden und schafft es dabei, selbst die unangenehmsten Wahrheiten so freundlich zu verpacken, dass man sich hinterher fast dafür bedankt.
Für den Abend in List hat der Bauer seine Scheune sozusagen weit geöffnet und Kollegen eingeladen. Die Listland Stiftung verspricht in ihrer Ankündigung, dass er die Gäste „in typisch norddeutscher Manier“ präsentiert. Für alle, die nicht von hier sind: Das heißt, die Vorstellung dauert nicht länger als nötig, ist aber umso herzlicher gemeint.
Ein Bayer mit Herz
Aus dem tiefen Süden reist Christian Springer an. Der Münchner, Jahrgang 1964, hat in seiner Heimatstadt Semitistik und bayerische Literaturgeschichte studiert. Das macht ihn vermutlich zum einzigen Kabarettisten, der sowohl Aramäisch als auch Oberbairisch versteht. Viele kennen ihn als „Fonsi“, den uniformierten Kassierer von Schloss Neuschwanstein, den er jahrelang gespielt hat. Im Bayerischen Fernsehen moderierte er mit Michael Altinger die Sendung „Schlachthof“. Für seine Arbeit hat er unter anderem den Bayerischen Kabarettpreis bekommen.
Springer macht aber nicht nur Spaß. Seit 2011 reist er mit einem ehrenamtlichen Team in den Libanon, nach Jordanien und nach Syrien, um geflüchteten Menschen zu helfen. Aus diesem Engagement ist der Verein Orienthelfer entstanden. Wer also am 20. November über ihn lacht, lacht über einen Mann, der auch abseits der Bühne weiß, was er tut.
Der Klaviator aus Mainz
Lars Reichow bringt das Instrument mit, das bei Kabarettabenden selten fehlen darf und noch seltener so gut gespielt wird: das Klavier. Der Mainzer, ebenfalls Jahrgang 1964, wird in der Branche „Der Klaviator“ genannt. Sein Vater brachte ihm Gitarre, Klavier und Posaune bei, mit 16 spielte er schon in dessen Jazzband. Später studierte er Musik und Germanistik, 1997 bekam er den Deutschen Kleinkunstpreis.
In seinem aktuellen Programm „Boomerland“ nimmt Reichow die Generation der Babyboomer aufs Korn, zu der er selbst gehört. Für ein Publikum auf Sylt im November ist das ein ausgesprochen mutiger Ansatz. Der Altersdurchschnitt im Saal dürfte ihm reichlich Material liefern, und vermutlich lacht am Ende genau derjenige am lautesten, der sich am meisten wiedererkennt.
Der Mann mit den vielen Gesichtern
Zum Schluss Reiner Kröhnert, einer der bekanntesten Parodisten im Land. Kröhnert verwandelt sich auf der Bühne in echte Menschen, und die meisten davon würden sich darüber vermutlich nicht freuen. In seinem 14. Programm „ER – Jetzt wird’s MERZwürdig“ steht Friedrich Merz im Mittelpunkt, dazu kommen unter anderem Donald Trump, Robert Habeck, Boris Becker und Klaus Kinski. Kritiker loben, wie nah er seinen Vorbildern in Mimik und Sprache kommt und dass er dabei bissig bleibt, ohne gemein zu werden. Wer also in List plötzlich das Gefühl hat, der Kanzler stehe im Saal, kann beruhigt sein. Es ist nur Kröhnert, und der ist deutlich lustiger.
Vier Stile, ein Abend
Ein Bauer aus dem Norden, ein Bayer mit Haltung, ein Pianist aus Mainz und ein Mann, der sich in Politiker verwandelt: Diese Mischung bekommt man selbst in Hamburg oder München nicht jeden Abend zu sehen. In List gibt es sie für einen Abend und ohne einen Cent Eintritt. Die Listland Stiftung, die den Abend veranstaltet, spricht von einem „Fest für jeden Kabarettfan“ und gibt dem Publikum einen ernst gemeinten Rat mit auf den Weg: Für den Tag danach unbedingt Lachmuskelkater einplanen.
Diesen Hinweis hört man auf Sylt im November nicht oft. Normalerweise plant man für den nächsten Tag eher Gegenwind, Nieselregen oder einen Spaziergang am Ellenbogen ein, bei dem die Mütze davonfliegt. Ein schmerzendes Zwerchfell ist da eine willkommene Abwechslung.
Der Ort passt übrigens hervorragend. Im Erlebniszentrum Naturgewalten lernt man, wie Wind und Wasser die Insel formen, wie Sturmfluten die Küste verändern und warum hier oben nichts so bleibt, wie es ist. Vier Kabarettisten auf einer Bühne sind in gewisser Weise auch eine Naturgewalt, nur mit Mikrofon statt Meer.
So kommt man an Karten
Wichtig für alle, die jetzt schon den Freitagabend im Kalender blockieren: Der Eintritt ist zwar frei, Karten braucht man trotzdem. Die kostenlosen Tickets gibt es über die Homepage der Listland Stiftung unter listland-stiftung.de. Erfahrungsgemäß sind Gratisveranstaltungen mit großen Namen schneller vergriffen als Fischbrötchen am ersten Sonnentag. Wer dabei sein möchte, sollte also nicht bis zum 19. November warten.
Auf einen Blick
Was: Bauer Haders kabarettistisches Quartett mit Nils Lönicker, Christian Springer, Lars Reichow und Reiner Kröhnert
Wann: Freitag, 20. November, 20 Uhr
Wo: Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt, List
Eintritt: frei, kostenlose Tickets über listland-stiftung.de
Veranstalter: Listland Stiftung
Quellen: Pressemitteilung der Listland Stiftung, muenchenwiki.de, de-academic.com, eventim.de, visitberlin.de, batavia-wedel.de
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