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Warum Sylts Fußball eigentlich zusammengehört  – Kommentar

Titelkampf im Sportzentrum: Team Sylt spielt heute Abend um die Meisterschaft. Seid dabei!
Foto: Redaktion
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An manchen Tagen gehen einem die interessantesten Dinge durch den Kopf. Dieser Sonntag in Drelsdorf war so einer. Der SC Norddörfer ist mit Abstand die stärkste Herrenmannschaft der Insel und in der Kreisklasse A zu Hause. Dort lief er mit einer Besetzung auf, die man wohlwollend als „schlank“ bezeichnen könnte. Der Torwart spielte Innenverteidigung, und das mit der Würde eines Mannes, der eigentlich Handschuhe tragen dürfte. Auf der Bank saß der Trainer. Allein. Als Trainer und als einziger Auswechselspieler. In der Wirtschaft nennt man so etwas Personalunion. Im Fußball nennt man es Sylt.

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Dabei ist die Insel gar nicht arm an Talent, sie hat es nur gut verteilt. Auf der anderen Seite steht Team Sylt, der Zusammenschluss fast aller Inselvereine. Spielklasse: Kreisklasse C. Dort kickt zum Beispiel Jakub Starzak, der schon in der vierten polnischen Liga gespielt hat. Das ist ungefähr so, als würde ein Sternekoch sonntags am Imbiss Fischbrötchen belegen. Kann man machen. Schmeckt auch. Ist aber irgendwie unter Wert. Nivio Rosowski hat einst in der Jugend-Bundesliga gespielt und wäre für jede ambitionierte Inselelf ein Geschenk. Oder Ahmadi, der die Dynamik eines Starzak mit der Technik eines Rosowski vereint. Der Rest der Truppe spielt, wenn es Saison, Schichtdienst und Gästeanreise gerade zulassen. Auf Sylt ist das eine Gleichung mit vielen Unbekannten.

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Noch schöner wird es bei den Damen. Zwei Leistungsträgerinnen von Team Sylt sind zum SC Norddörfer gewechselt, um überhaupt spielen zu können. Die Folge: Team Sylt konnte in diesem Jahr keine Damenmannschaft melden. Man könnte also sagen, die Fusion hat im Frauenfußball längst stattgefunden. Es hat nur niemand unterschrieben. Zusammen würde es locker für eine Elfer-Mannschaft reichen, und damit wären auch höhere Spielklassen möglich. Bei der Jugend sieht es ähnlich aus: Beide Vereine stellen Teams, nur bei der B-Jugend klafft beim SCN eine Lücke. Bei den D-Junioren sind es sogar drei Teams, und auch E- und C-Jugend sind in beiden Vereinen gut besetzt.

Rechnen wir das einmal durch, ganz ohne Taschenrechner. Eine erste Herrenmannschaft, die auf Bezirksebene eine gute Rolle spielen könnte. Eine zweite Mannschaft, die auf Kreisebene spielt und aus der man sich bedienen kann, wenn es mal eng wird oder auch umgekehrt. Keine Spielausfälle mehr, und kein Torwart mehr, der sich als Abwehrchef neu erfinden muss. Der Trainer dürfte wieder einfach nur Trainer sein. Und wer weiter in die Zukunft schaut: Die vielen Jugendmannschaften könnten schon bald für einen Schub bei den Herren und auch Damen  sorgen, der die Insel bis in die Landesliga tragen kann. Keine Fahrstuhlmannschaften die auf Kreisebene auf- und absteigen.

Das Kurioseste an der Sache: Eigentlich wollen es alle. Seit einem halben Jahr hört man von Offiziellen immer wieder, man solle doch gemeinsame Sache machen. Wen man auch fragt, bis auf wenige Ausnahmen kann sich jeder ein gemeinsames Inselteam vorstellen. Offensichtlich wird es dann bei den Jugendteams, in denen Klassenkameraden gegeneinanderspielen – in der Freizeit aber zusammen. Was genau dagegen spricht, sagt so recht niemand laut. Es ist die typisch sylterische Form des Konsenses: Alle sind sich einig, und trotzdem passiert nichts.

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Woran hakt es also? Nüchtern betrachtet an zwei Dingen. Erstens: Keiner will sich abschaffen. Weder der SC Norddörfer noch Team Sylt möchte seinen Verein auflösen, und das ist verständlich. Hinter jedem Vereinsnamen stehen Jahrzehnte Ehrenamt, ein Vereinsheim und Erinnerungen, die man sich nicht wegnehmen lassen will. Nur verlangt das auch niemand. Eine Spielgemeinschaft funktioniert genau andersherum: Beide Vereine bleiben bestehen, behalten Namen, Mitglieder und Vorstand und schicken ihre Fußballer lediglich gemeinsam auf den Platz. Im Jugendfußball ist das vielerorts längst Alltag.

Zweitens: der Platz. Und hier wird es ernst. Als Heimat für ein gemeinsames Inselteam kommt eigentlich nur das Sportzentrum in Keitum infrage, mit überdachter Sitzplatztribüne und einem Rasen, auf dem man das ganze Jahr spielen und trainieren kann. Für die Norddörfer hieße das: raus aus dem eigenen Stadion, weg vom eigenen Vereinsheim, rein in die Inselmitte. Das tut weh, das kostet ein Stück Identität und vermutlich auch die eine oder andere Einnahme am Grill. Aber es ist die einzige Lösung, die sportlich Sinn ergibt. Wer höher hinaus will, braucht einen Platz, der auch im Februar bespielbar ist. Auch ein Wechsel der Spielstätten ist ja möglich.

Und dann ist da noch die Frage, die niemand gern laut stellt: Wer hat hinterher das Sagen? Wer stellt den Trainer, wie heißt das Team, in welchen Farben läuft es auf? Das sind die Fragen, an denen auf dem Festland schon ganz andere Fusionen gescheitert sind. Lösbar sind sie trotzdem. Man muss sich nur einmal gemeinsam an einen Tisch setzen.

Vermutlich bleibt die große Sylter Fußballfamilie also vorerst eine Utopie. Genau wie die Straße über den Hindenburgdamm, von der auch jeder weiß, wie praktisch sie wäre. Bis dahin gilt: Der Trainer von Norddörfer sollte seine Fußballschuhe besser im Auto lassen. Man weiß ja nie. Und ich, ich fahre im November wieder zu einem Auswärtsspiel einer Sylter Mannschaft, in der der Busfahrer das Trikot tragen muss, es gegen Spielgemeinschaft aus 5 Vereinen geht und mit 0:5 auf die Nase gibt.

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Empfehlungen von Taboola. Diese Inhalte stammen nicht von der Sylt1-Redaktion.