Ohne Band, ohne Rede und mit einem Schild, das Fußgänger in die falsche Richtung schickt: Hörnum hat seine Fußgängerzone bekommen. Nicht alles klappt schon, aber immerhin hat sich jemand getraut.
Wer in Hörnum zur neuen Fußgängerzone will, bekommt gleich am Anfang eine klare Ansage. Ein Pfeil zeigt Fußgängern den Weg nach links. Die Fußgängerzone liegt allerdings rechts. Wer lieber mit dem Auto kommt, findet auf demselben Schild gleich den Hinweis zum Parkplatz. Man kann das verwirrend finden. Man kann es aber auch Service nennen: Hier wird wirklich an jeden gedacht.
Seit Kurzem ist die Rantumer Straße zwischen Edeka und dem Hotel „54 Grad Nord“ Fußgängerzone, auf rund 160 Metern. Eine Eröffnung gab es nicht, also kein rotes Band, keine Rede und keinen Sekt. Die Zone war eines Tages einfach da. Viele Anwohner hat das mehr oder weniger überrascht. Man könnte auch sagen: Hörnum hat es nicht so mit großen Auftritten.
Keine Shoppingmeile, sondern mehr Ruhe
Wer sich jetzt einen Einkaufsboulevard vorstellt, liegt daneben. Hier gibt es rund zehn Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Die Zone ist vor allem dafür da, den Verkehr zu beruhigen: weniger Autos, mehr Ruhe, mehr Platz für Menschen.
Die Ruhe hat allerdings ihren Preis, und den zahlt die Dünenstraße. Dort fährt jetzt die Umleitung durch. Aus der Dünenstraße kommt deshalb auch die meiste Kritik, und man kann sie verstehen. Wenn eine Straße ruhiger wird, wird eine andere eben lauter.
Ein Poller mit Geschichte
Auch der Poller, der die Zone abgrenzen soll, hat schon einiges hinter sich. Der erste hatte die falsche Größe und ging zurück. Ein elektrischer Poller war der Gemeinde zu teuer. Die Lösung ist sehr norddeutsch: Jeder Anwohner bekommt einen Schlüssel. Das ist nicht besonders modern, aber es funktioniert ohne Strom und ohne Software-Update.
Ganz autofrei ist die Zone trotzdem noch nicht. Fahrräder fahren weiter durch, Autos auch. Manche haben das Schild vielleicht noch nicht gesehen, andere haben es gesehen und nicht verstanden. In Hörnum hofft man, dass sich das mit der Zeit einspielt.
Es gibt auch Zuspruch
Nicht alle sind skeptisch. Jörg Nommensen von Sylt Botanics sieht die Zone positiv. Sein Unternehmen liegt direkt in der neuen Fußgängerzone. Er hat es mitgegründet, und dort entstehen von Hand Duftkerzen, Raumdüfte und Pflegeprodukte, inspiriert von der Natur der Insel. Im eigenen Atelier gibt es außerdem Duft-Workshops.
Nach dem Späti von Familie Dehn ist Sylt Botanics ein weiteres ungewöhnliches Geschäft in Hörnum. Die kleine Gemeinde ganz im Süden der Insel verändert sich und zieht Unternehmen mit neuen Ideen an.
Wer nichts macht, macht nichts falsch
Klar, das Schild zeigt in die falsche Richtung, der Poller hatte die falsche Größe, und manche Autos fahren trotzdem durch. Aber Hörnum hat etwas ausprobiert, statt nur darüber zu reden. Wenn dabei nicht alles sofort klappt, gilt der alte Spruch: Wer nichts macht, macht nichts falsch. Hörnum hat etwas gemacht, und kleine Fehler lassen sich korrigieren.
Wir sind gespannt, was als Nächstes am Hafen passiert. Mit Sicherheit zeigt dort dann auch der Pfeil in die richtige Richtung.
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