Der Branchenkompass für Sylt ist fertig. 1.253 Betriebe, von der Bäckerei bis zum Zahnarzt. Und weil eine Liste allein noch niemandem sagt, wo es sich lohnt, kann ab sofort jeder mitreden: Der Branchenkompass hat ein Bewertungstool.
Es hat gedauert. Wir haben Adressen zusammengetragen, Telefonnummern geprüft, Öffnungszeiten hinterhertelefoniert und mehr als einmal festgestellt, dass ein Laden, den es laut Internet seit 2019 gibt, in Wirklichkeit seit 2017 geschlossen ist. Jetzt steht er. Vierzehn Kategorien, zwölf Orte, 1.253 Einträge. Einzelhandel, Gastronomie, Hotels, Handwerk, Ärzte, Makler, Friseure, Werkstätten, Kunst – wer auf dieser Insel etwas anbietet, steht drin.
Fertig ist dabei ein großes Wort. Eine Insel ändert sich. Läden schließen, neue machen auf, jemand zieht um, jemand übergibt an die Tochter. Der Branchenkompass ist fertig in dem Sinne, in dem ein Garten fertig ist: angelegt, bepflanzt, und ab jetzt gibt es lebenslang etwas zu tun.
Was neu ist
Unter jedem Eintrag im Branchenkompass steht ab sofort ein Bewertungsbereich. Fünf Sterne, ein Textfeld, ein Knopf. Mehr nicht.
Sie vergeben eine Sternzahl, schreiben zwei, drei Sätze dazu und sind fertig. Einen Namen brauchen wir – der Vorname reicht. Eine E-Mail-Adresse können Sie angeben, müssen Sie aber nicht; wir veröffentlichen sie nicht und geben sie nicht weiter, wir nutzen sie nur, falls wir eine Rückfrage haben. Anmelden müssen Sie sich nirgends. Kein Konto, kein Passwort, keine App.
Ihre Bewertung erscheint sofort. Nicht morgen, nicht nach Prüfung durch ein Gremium, sondern in dem Moment, in dem Sie auf Absenden klicken.
Unter jedem Betrieb sehen Sie dann den Durchschnitt und wie er zustande kommt – ob die vier Sterne aus lauter Vieren bestehen oder aus einer Eins und lauter Fünfen. Das ist ein Unterschied, den Sie kennen sollten.
Was nicht durchkommt
Vier Dinge lassen wir nicht durch: Beleidigungen. Werbung. Behauptungen über Menschen, die sich nicht wehren können. Und Spam.
Beim Spam wird es kurz albern, deshalb erzählen wir es: Wir haben in das Formular ein Feld eingebaut, das für Menschen unsichtbar ist. Sie sehen es nicht, Ihr Bildschirmlesegerät sieht es nicht, Ihre Tastatur springt nicht hinein. Automatische Programme sehen es sehr wohl – und füllen es aus, gewissenhaft, jedes Mal. Wer dieses Feld ausfüllt, hat sich damit als Maschine zu erkennen gegeben und wird höflich nicht veröffentlicht. Es ist eine Falltür, vor der ein Schild steht, das nur Roboter lesen können. Es funktioniert erstaunlich gut.
Dazu kommen ein paar weniger amüsante Vorkehrungen. Wer ein Formular in unter sechs Sekunden ausfüllt, hat nicht getippt. Wer einen Link mitschickt, will verkaufen. Wer denselben Text bei achtzehn Betrieben hinterlässt, meint keinen davon. Solche Einsendungen landen aussortiert in einem Ordner, den nur wir sehen.
Und dann gibt es den Graubereich, für den wir uns Zeit nehmen: Einsendungen, die auffällig sind, aber nicht eindeutig. Die gehen nicht automatisch online, sondern erst, wenn ein Mensch sie gelesen hat. Das ist keine Zensur, das ist Sorgfalt.
Was sehr wohl durchkommt
Kritik.
Das ist uns wichtig, deshalb steht es hier als eigener Absatz: Zwei Sterne sind keine Beleidigung. Wenn das Essen kalt war, war es kalt. Wenn Sie vierzig Minuten auf einen reservierten Tisch gewartet haben, dann haben Sie das. Wenn die Bedienung unfreundlich war, dürfen Sie das schreiben, und wir werden es nicht wegmoderieren, weil es dem Betrieb nicht gefällt.
Ein Bewertungssystem, das nur freundliche Bewertungen zulässt, ist kein Bewertungssystem, sondern eine Werbetafel. Davon hat niemand etwas – Sie nicht, die Betriebe nicht, und wir schon gar nicht.
Umgekehrt gilt dasselbe: Wer einen guten Tag hatte, darf das auch aufschreiben. Die kleinen Läden auf dieser Insel leben nicht von Reichweite, sondern davon, dass jemand weitererzählt.
Für die Betriebe
Sie stehen im Branchenkompass und bekommen eine Bewertung, die Ihnen nicht passt? Das kommt vor. Sie haben zwei Möglichkeiten, und beide sind besser als Ärger.
Erstens: antworten. Unter jeder Bewertung ist Platz für eine öffentliche Antwort des Betriebs. Melden Sie sich bei uns, wir stellen sie ein. Eine sachliche Antwort auf eine harsche Bewertung wirkt übrigens fast immer besser als die Bewertung selbst – das ist keine Theorie, das kann man beobachten.
Zweitens: melden. Wenn eine Bewertung unwahr ist, jemanden beleidigt oder offensichtlich von der Konkurrenz stammt, schreiben Sie uns. Wir sehen sie uns an. Was nicht geht, nehmen wir runter.
Was nicht geht: eine Bewertung löschen lassen, weil sie stimmt und unangenehm ist.
Fehlt etwas?
Wahrscheinlich. Bei 1.253 Einträgen ist irgendwo ein Fehler, das ist keine Kokettiererei, sondern Statistik.
Wenn Ihr Betrieb fehlt: schreiben Sie uns, wir tragen ihn nach. Kostenlos, wie alle anderen auch. Wenn Ihre Telefonnummer veraltet ist, die Öffnungszeiten nicht mehr stimmen, Sie umgezogen sind, den Namen geändert haben oder der Text unter Ihrem Eintrag Unsinn erzählt: schreiben Sie uns. Wir ändern das.
Und wenn Sie als Gast einen Fehler entdecken – ein Laden, den es nicht mehr gibt, eine falsche Adresse, ein toter Link: auch dann. Wir sind für jeden Hinweis dankbar. Der Branchenkompass ist nur so gut, wie die Insel ihn hält.
Und jetzt?
Gehen Sie auf den Branchenkompass, suchen Sie sich den Laden, in dem Sie heute Morgen Ihre Brötchen geholt haben, und schreiben Sie zwei Sätze.
Über rege Beteiligung freuen wir uns sehr. Und über die erste Ein-Stern-Bewertung mit ausführlicher Begründung freuen wir uns beinahe am meisten. Die zeigt nämlich, dass das Ding funktioniert.
👉 Zum Branchenkompass: https://sylt1.tv/branchenkompass/
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