Abends am Sunset Beach in Westerland, wenn die Sonne in die Nordsee sinkt und draußen vor der Brandung die letzten Boards durch die Wellen schneiden – das ist Sylt, wie es viele lieben. Kaum ein Ort fängt die Surfkultur der Insel so ein wie dieser flache Holzbau an der Promenade, der Wassersport und Sonnenuntergang seit Jahrzehnten zusammenbringt.
Mittendrin steht eine Institution: die Surfschule Westerland, die viele schlicht „Sunset Beach“ nennen. Im Herzen der Insel, mitten in Westerland, steht sie seit 1987 – und gehört damit zu den ältesten ihrer Art auf Sylt. Heute trägt sie zusätzlich einen klangvollen Titel: Sie ist das Duotone Pro Center, nach eigener Angabe das einzige seiner Art in Deutschland.
Ein Spielplatz für jede Disziplin
Was den Spot so besonders macht, liegt direkt vor der Haustür. Die beiden Flunderbuhnen erzeugen zusammen mit den Sandbänken die besten Wellen an Deutschlands Küste. Kein Wunder, dass sich hier fast der gesamte Wassersport-Kosmos tummelt. Das Kursangebot deckt alle wichtigen Disziplinen ab – Windsurfen, Foilen, Wellenreiten, Kitesurfen und mehr – dazu Stand-up-Paddling, vom ersten Schnupperkurs bis zum gezielten Privatunterricht.
Dass die Schule heute den Namen Duotone trägt, ist kein Zufall: Die Marke dominiert das Kitesurfen wie kaum eine zweite, und Westerland ist eine ihrer Bühnen. Neben dem GKA Kitesurf World Cup findet auch der PWA Windsurf World Cup direkt vor der Schule statt – Weltspitze quasi vor der Strandterrasse. Für die fortgeschrittenen Kite-, Wing- und Windsurfer gibt es am Brandenburger Strand die passenden Bedingungen, fürs Windsurfen im sicheren Stehrevier sogar einen eigenen Spot an der ruhigeren Ostseite in Rantum.
Und doch bleibt das Wellenreiten die Nummer eins
Bei allem Trubel um Kites und Foils – das Herz des Sylter Wassersports schlägt nach wie vor fürs Wellenreiten. Es ist die ursprünglichste, reinste Form: nur ein Brett, eine Welle und das Gefühl, für ein paar Sekunden mit dem Meer im Einklang zu sein. Genau das macht den bleibenden Reiz aus. Während andere Sportarten kommen, boomen und sich technisch überschlagen, bleibt das Wellenreiten der ruhende Pol – der Wassersport Nummer eins, der nie aus der Mode kommt.
Und das Schöne: Man muss kein Profi sein, um das zu erleben. Familien berichten begeistert von kleinen Gruppen, geduldigen Lehrerinnen und Lehrern und Kindern, die nach kurzer Zeit stolz auf dem Brett stehen – während die Eltern entspannt vom Sunset Beach aus zuschauen. So entstehen die Geschichten, von denen die Kids hinterher noch wochenlang schwärmen.
Sylt, ein einziges Surfrevier: die anderen Schulen der Insel
So sehr der Sunset Beach Geschichte geschrieben hat – allein ist er längst nicht. Mit fast 100 Küstenkilometern ist die nordfriesische Insel das Surf-Mekka Nummer eins in Deutschland: Während auf der Westseite die Wellen toben, ist das Wattenmeer an der Ostküste der ideale Anfängerspot. Entsprechend dicht ist das Netz an Schulen, das sich über die ganze Insel zieht – jede mit eigenem Charakter und eigenem Revier.
Im Norden, in List, sitzt die Wassersportschule Waves and Wind. Sie bietet Wellenreiten, Windsurfen, Kitesurfen, Wingfoilen, Katamaransegeln und SUP an, und die ruhigen Bedingungen des Lister Wattenmeers machen den Spot zum idealen Trainingsort für Einsteiger. Ganz oben, am Ellenbogen und im Königshafen, finden Wind- und Kitesurf-Anfänger dank großer Stehbereiche perfekte erste Bedingungen.
In der Inselmitte nutzt die Surfschule Sylt – Ride On in Rantum eine geografische Besonderheit: Je nach Windrichtung profitiert man hier vom Wellengang der Nordsee oder dem ruhigeren Wasser des Wattenmeers. Die Schule ist für ihr breites Kursangebot bekannt und hoch bewertet. In Wenningstedt reihen sich gleich mehrere Anbieter an der Strandpromenade, darunter die traditionsreiche Surfschule Wenningstedt und Südkap Surfing.
Im Süden, in Hörnum, wird es familiär: Curlys Surfschule wird für ihre kleinen Gruppen und die familiäre Atmosphäre besonders geschätzt. Ebenfalls in Hörnum steht mit Angelo Schmitt (Norden Surfboards) ein echtes Sylter Urgestein am Strand. Dazu kommen Stationen wie Syltsurfing in Munkmarsch, Meerspass am Dorfhotel Rantum und das Surfhouse Sylt auf dem Campingplatz in Westerland, das neben Kursen auch Sommercamps für Kinder und Jugendliche anbietet. Wer also lernen will, hat die Qual der Wahl – vom rauen Westküsten-Brecher bis zum sanften Wattenmeer.
Ein Blick in die Zukunft: das eFoil
In den vergangenen Sommern war es immer öfter zu sehen: Surfer, die scheinbar schwerelos über der Wasseroberfläche schweben, ganz ohne Welle, ohne Wind, fast lautlos. Das ist das eFoil – ein elektrisch angetriebenes Hydrofoil-Board, bei dem ein kleiner Motor unter der Tragfläche das Brett aus dem Wasser hebt. Man gleitet dann nicht mehr auf dem Wasser, sondern über ihm.
Für Sylt ist das eine reizvolle Ergänzung. Das eFoil ist unabhängig von Welle und Wind, dadurch vergleichsweise leicht zu erlernen und eröffnet auch an flachen, ruhigen Tagen ein völlig neues Fahrgefühl. Es ist gewissermaßen der jüngste Spross einer langen Familie, die vom klassischen Wellenreiten über Wind- und Kitesurfen bis zum Wingfoilen reicht. Ob es das Wellenreiten je verdrängen wird? Wohl kaum – dafür ist die Sehnsucht nach der echten Welle zu groß. Aber als faszinierendes Spielzeug der neuen Generation hat das eFoil seinen Platz im Sylter Wassersport längst gefunden.
Am Ende ist es genau diese Mischung, die Sylt ausmacht: Tradition und Innovation, Brandung und High-Tech, der erste wacklige Stand auf dem Board und der World Cup vor der Küste. Und über allem, jeden Abend aufs Neue, der Sonnenuntergang am Sunset Beach.
Ort: Sunset Beach / Duotone Pro Center, Surfschule Westerland, Brandenburger Str. 15, Westerland auf Sylt · Saison von April bis Oktober
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